Postbank-Aus im Stadtrand-Viertel

Filialsterben in München geht weiter: Nächste Postbank macht dicht

Robert Niedermayer vor seinem Geschäft im Ladenzentrum an der Minnewitstraße.
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Robert Niedermayer vor seinem Geschäft im Ladenzentrum an der Minnewitstraße.
  • VonKatrin Hildebrand
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Nach langer Zeit muss die „Trafik“-Filiale an der Siedlung am Perlacher Forst schließen. Nicht ganz freiwillig. Was Inhaber und Lokalpolitik dazu sagen und wie der Ladenvermieter das Ganze sieht.

Obergiesing-Fasangarten - Trauriges Ende nach 14 Jahren. So lange versorgte Robert Niedermayer die Bewohner der Siedlung am Perlacher Forst mit Briefmarken, Schreibwaren und Geld.

Doch nun hat er seinen „Trafik“-Laden in der Minnewitstraße 41 unter anderem wegen einer drastischen Miet­erhöhung geschlossen. Bisher zahlte der Ladenbetreiber 648 Euro netto im Monat. In Zukunft hätten es 1072 Euro sein sollen, sagt er.

„Der Abschied reißt mir das Herz heraus“, klagt Niedermayer. Doch eine solche Miete könne er sich nicht leisten. Fünf Prozent verdiene er am Verkauf eines Postprodukts wie Briefmarken. Einschreiben, Paketannahmen und Retouren brächten um die 50 Cent pro Stück.

Postbank-Transaktionen lägen im Bereich von knapp einem Euro. Daneben bot die „Trafik“ noch Schreibwaren, und das auf einer Gesamtfläche von knapp 33 Quadratmetern inklusive Lager.

Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne), BA-Vorsitzende in Obergiesing-Fasangarten, ist von der Schließung überrascht. „Wir wussten davon gar nichts und hätten versucht zu helfen. In diesem Viertel sind die Menschen doch ohnehin unterversorgt. Wir wollen gerade kleine Geschäfte erhalten.“

BA-Chefin Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne): „Viertel ohnehin unterversorgt.“

Auch Niedermayer sagt: „Ein Laden wie dieser ist hier lebenswichtig.“ Mit „hier“ meint er die ehemalige Amisiedlung, die vom Rest des Bezirks Obergiesing-Fasangarten ein Stück abgeschnitten liegt, wie eine Insel am Stadtrand.

Jetzt aber steht fest: Ganz auf den Service verzichten, den die „Trafik“ bot, müssen die Bewohner nicht. Wie Hallo von der „Deutsche Post DHL Group“ erfuhr, soll am Freitag, 6. August, im benachbarten Edeka eine kleine Post eröffnen. Dort wird es auch in Zukunft die Möglichkeit geben, Briefmarken zu kaufen, Einschreiben zu verschicken, Pakete zu holen und abzugeben.

Dem Viertel nicht erhalten bleiben wird laut Niedermayer die Postbank – diese wolle sich zurückziehen. Ein Postbank-Sprecher erklärt auf Hallo-Anfrage: Die „Trafik“ in der Minnewitstraße habe nicht zur Postbank gehört, sondern sei Partnerfiliale der Post gewesen.

Bundesweiter Trend: Schließung von Postbank-Filialen

Seien Bankgeschäfte an einem Standort nicht mehr rentabel, würden Postbank und Post diese Dienstleistung aus der Filiale nehmen. Reine Postdienstleistungen könnten dennoch erhalten bleiben.

Der Bauherr der Ladenzeile Minnewitstraße gibt gegenüber Hallo an, dass die „Trafik“ ausziehe, weil die Deutsche Post die Lizenz für den Standort nicht verlängert habe. Der Eigentümer, die LHI Group, sagt hingegen, die Entscheidung der Postbank sei dafür verantwortlich.

Dass Postbank-Filialen schließen, ist bundesweit Trend. In München hat es jüngst den Standort Angererstraße in Schwabing erwischt. Bis Ende 2021 sollen zudem die Schwabinger Filiale Agnesstraße und die Postbank Bergmannstraße im Westend dichtgemacht werden.

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