Kirche für alle Glaubensrichtungen

Ein „Haus der Religionen“ soll in München entstehen – Nazarethkirche startet seltenes Probeprojekt

Die Nazarethkirche soll ein Haus für alle Religionen werden.
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Die Nazarethkirche soll ein Haus für alle Religionen werden.
  • vonKatrin Hildebrand
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Weltweit gibt es nur knapp über zehn solche Unternehmungen. Nun könnte ein „Haus der Religionen“ in München entstehen. Ein Verein erprobt mit der Gemeinde, ob sich die Nazarethkirche dafür eignet.

Bogenhausen - Hannover hat eines. Berlin will eines bauen. Weltweit gibt es nur zwölf. Und nun soll nun auch in München ein Haus der Religionen entstehen – am Isarhochufer in Bogenhausen.

Wenn alles gelingt, wird die evangelische Nazarethkirche in der Barbarossastraße eines Tages verschiedene Glaubensrichtungen unter einem Dach vereinen.

„Wir wären weltweit das erste Projekt dieser Art, das in eine lebendige Kirche einzieht“, sagt Martin Rötting, Vorsitzender des Vereins Haus der Kulturen und Religionen München.

Die Idee, in der Landeshauptstadt einen Ort der Begegnung zwischen Juden, Christen, Muslimen, Hindus, Buddhisten, Bahai und anderen zu schaffen, entstand vor ein paar Jahren in der interreligiösen „Dialogszene“, wie es der Professor für Religionswissenschaften formuliert.

Rötting, selbst Katholik, steht seit Langem in Austausch mit Steven Langnas, einst Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Langnas wiederum fördert seit Jahren mit seinem „Lehrhaus“, einer interreligiösen Akademie, den Kontakt zwischen Juden, Christen und Muslimen in der Stadt.

Martin Rötting freut sich auf den Probelauf mit der Nazarethkirche.

Irgendwann entstand aus dem Wunsch, die Gemeinden besser zusammenzubringen, die Idee, ein Haus für alle Religionen zu gründen. Derzeit ist der Verein sogar „in guten Gesprächen“ mit dem Humanistischen Verband, einer religiösen Dogmatismen kritisch gegenüberstehenden Bewegung.

Das Haus, eine Mischung aus Studierendenheim, Bildungsstätte und Ort der Begegnung, soll nun in der Nazarethkirche erprobt werden. Den denkmalgeschützten Bau von 1961 würde die evangelische Kirche nämlich langfristig gerne abtreten.

„Wir haben durch die Fusion mit der Immanuelkirche in Denning im Jahr 2012 quasi ein Gebäude zu viel“, erklärt Florian Glas vom Kirchenvorstand Immanuel-Nazareth. Das Denninger Gotteshaus soll irgendwann alleinige Gemeindekirche werden.

Die Immanuelkirche soll langfristig alleinige Kirche der Gemeinde werden.

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Es liegt weiter im Osten, ideal um als evangelisches Zentrum der dort geplanten Stadtentwicklung zu dienen. Dass die Nazarethkirche Haus der Religionen werden könnte, sieht Glas als Gewinn für beide Seiten. „Wenn der Verein die Kirche und die Baulast übernähme, dann könnten wir das Gemeindezentrum von Immanuel in größerer Form neu errichten.“

Doch zunächst gehen Rötting und seine Mitstreiter in eine bis zu zweijährige Probephase mit der Nazarethkirche: „Wir müssen eruieren, was ein Haus der Religionen sein könnte, welche Bildungsprogramme dort laufen sollten. Außerdem wollen wir ein interkulturelles ,College‘ gründen.“

Sollte diese Phase erfolgreich laufen, müsse langfristig die Finanzierung des Projekts überlegt und erarbeitet werden. Erst wenn die Gelder gesichert seien, könne über einen Umbau der Anlagen zu einem interreligiösen Zentrum nachgedacht werden.

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