Nachverdichtung in Giesing und Haidhausen

Anwohner protestieren gegen Baupläne in ihren Vierteln – für neue Häuser werden Bäume gefällt

Hinter der Breisacher Straße 5 will ein Eigentümer bauen – Anwohner protestieren, auch, um Bäume zu retten.
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Hinter der Breisacher Straße 5 will ein Eigentümer bauen – Anwohner protestieren, auch, um Bäume zu retten.

In Giesing und Haidhausen sollen Innenhöfe nachverdichtet werden. Dabei sollen auch Bäume gefällt werden. Mieter sorgen sich aber auch vor Mieterhöhungen.

Ursula Paulick ist betroffen. 1945 ist ihre Oma in das Haus in der Breisacher Straße 7 eingezogen. „Damals waren die Bäume schon sehr groß, erzählen meine Eltern“, sagt Paulick und deutet auf die prächtigen hohen Stämme – eine Robinie darunter, Ahornbäume und Kastanien. Paulick und ihre Nachbarn haben sich zusammengetan, Flyer verteilt, Plakate aufgehängt und sich an die Viertelpolitiker gewandt. Sie wollen verhinden, dass die Bäume gefällt werden.

Denn schon wieder ist ein Bauantrag eingereicht worden. Der Eigentümer, der die Immobilie Breisacher Straße 5 erworben hat, will im Innenhof nachverdichten: Er plant, ein Gebäude mit fünf Wohnungen und einer Gewerbeeinheit. Am vorderen Bestandsgebäude soll außerdem ein Aufzug und ein Müllraum entstehen.

Nachverdichtung in Haidhausen: Mieter fürchten Fällung der Bäume und Mieterhöhungen

„Die Mieter fürchten, dass es wieder zu Miet­erhöhungen kommt“, sagt Paulick. Schon in der Vergangenheit sei dort luxussaniert worden, etliche Mieter sind ausgezogen, viele der übrigen streiten sich mit dem Eigentümer vor Gericht.

Auch dem Mieterverein ist dieser nicht unbekannt: „Der Eigentümer fällt immer wieder durch mieterunfreundliches Verhalten auf. Ihm und seiner Familie gehören eine stattliche Anzahl von Häusern in München. In der Breisacher Straße 5 haben viele der Mieter das Gefühl, dass der Vermieter sie aus ihren Wohnungen verdrängen möchte – dies durch ,normale’ Mieterhöhungen nach Mietspiegel, Modernisierungs-Mieterhöhungen, die teils noch von Gerichten überprüft werden, und geplanten Nachverdichtungen. Es herrscht unter den Mietern ein Klima der Angst“, berichtet Volker Rastätter, Geschäftsführer des DMB Mietervereins München.

Der Bauantrag – den der Eigentümer jetzt schon zum zweiten Mal einreicht – ist vom Bezirks­ausschuss abermals abgelehnt worden. Die Entscheidung dazu trifft jedoch die Lokalbaukommission (LBK), der BA kann nur Empfehlungen abgeben.

Paulick und ihre Mitstreiter kämpfen trotzdem weiter: „Wir planen Gespräche mit dem Stadtrat und kontaktieren die Bürgermeister“, kündigt sie an. Die Anwohner der Breisacher Straße sind mit der Problematik einer Nachverdichtung nicht allein.

Auch in Untergiesing stößt ein Bauvorhaben den Anwohnern und auch Viertelpolitikern bitter auf. „Retten Sie unseren Innenhof“, heißt es in einem Hilferuf, den Anwohner versandt haben.

Nachverdichtung in Giesing: Neubauten im Hinterhof

Konkret soll im Hinterhof der Konradinstraße 9 ein Wohnhaus errichtet werden. „Für uns Bewohner ist das das letzte Grün“, heißt es im Schreiben der Anwohner. Betroffen sind demnach die Bürger, die in den Häusern in der Jamnitzerstraße, Hans-­Mielich-Straße und Konradinstraße leben. Allerdings: Wie viele Anwohner tatsächlich hinter dem Hilferuf-Schreiben stehen, das konnte die Redaktion nicht eindeutig verifizieren.

Der Hof in der Konradinstraße 9 soll zugebaut werden. Der BA lehnt das ab, doch die Entscheidung liegt bei der LBK.

Klar ist währenddessen: „Über alle Fraktionen hinweg sehen wir die Problematik genauso wie die Anwohner“, sagt Dietlind Alber, die den Unterausschuss Bau und Planung im BA Untergiesing-Harlaching leitet (Grüne).

Deswegen haben sie entsprechende Baumfällungen im Gremium einstimmig abgelehnt. Auch die Bauvorhaben – die demnach in äußerst subtiler Form eingereicht wurden. „Es gab dazu zwei Anträge, die nicht aufeinander Bezug nehmen und auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben“, berichtet Alber. Jedoch sei bei genauerem Hinsehen klar geworden: „Die Anträge müssen zusammenhängen – es sind praktisch die gleichen Bauvorhaben, im gleichen Hof, nur wird jeweils von einer anderen Seite her gebaut.“ Für die Viertelpolitikerin steht fest: „Das kann kein Zufall sein.“

Zwar hat der BA beide Bauanträge abgelehnt, die Krux ist aber dieselbe wie in Haidhausen: „Wir haben nur Anhörungsrecht“, sagt Alber. Deswegen die Empfehlung des Gremiums: „Falls trotzdem gebaut wird, sollte auf jeden Fall lediglich die kleinere Variante genehmigt werden.“

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