Geltungssucht als Motiv?

Versuchter Mord in Klinikum Rechts der Isar ‒ Polizei München ermittelt gegen Krankenpfleger

Ein Krankenpfleger schiebt in einer Klinik ein Krankenbett durch den Flur.
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Ein Krankenpfleger schiebt in einer Klinik ein Krankenbett durch den Flur. (Symbolbild)

Die Polizei München ermittelt gegen einen Pfleger im Klinikum Rechts der Isar wegen Verdachts des versuchten Mordes in mindestens drei Fällen. War Geltungssucht das Motiv?

Ein Münchner Krankenpfleger soll versucht haben, mindestens drei Patienten umzubringen. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen versuchter Tötungsdelikte gegen den 24 Jahre alten Mann.

Es stelle sich die Frage, „ob der Pfleger noch für weitere Fälle als Täter infrage kommt“, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, am Mittwoch in München.

Tatort soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur das Klinikum Rechts der Isar sein.

Versuchter Mord im Klinikum Rechts der Isar - Polizei und Staatsanwaltschaft München ermitteln gegen Krankenpfleger

Der 24-jährige Tatverdächtige ist seit dem 01.07.2020 als Krankenpfleger im Klinikum Rechts der Isar tätig. Er war für die Überwachung von nicht mehr intensivpflichtigen Patienten in einem sogenannten Wachraum zuständig.

Hierbei handelt es sich um Patienten, die unter ständiger Aufsicht eines Pflegers und mit Hilfe technischer Überwachungsgeräte beobachtet werden. Diese müssen medizinisch eng betreut werden, bevor sie auf Normalstationen verlegt oder weiterführende Rehabilitationsmaßnahmen bei diesen eingeleitet werden.

Am Vormittag des 07.11.2020 verschlechterte sich unerwartet in diesem Wachraum der Gesundheitszustand eines 91-jährigen und einer 54-jährigen Patientin. Beide konnten nur durch die sofortige Einleitung von intensivmedizinischen Maßnahmen gerettet werden.

Ein aufmerksamer Oberarzt veranlasste daraufhin weiterführende Blutuntersuchungen und stellte fest, dass den Patienten eine hohe Dosis nicht verordneter Medikamente verabreicht worden waren. Diese waren in den konkreten Fällen lebensgefährlich.

Ebenso erinnerte er sich an einen ähnlich gelagerten Vorfall vom 25.10.2020, bei dem sich der Gesundheitszustand eines ebenfalls 90-jährigen Patienten plötzlich verschlechtert hatte. Auch hier erbrachte eine Blutuntersuchung einen identischen Befund.

Polizei München nimmt Krankenpfleger wegen Mord-Verdacht fest

Bei allen drei Patienten war der 24-jährige Tatverdächtige im relevanten Zeitraum als ständig anwesender Pfleger eingesetzt gewesen. Dieser Verdacht wurde am Sonntag, 08.11.2020, bei der Polizei zur Anzeige gebracht und der Tatverdächtige wurde von Seiten der Klinik nicht mehr zum Dienst eingeteilt.

Der Krankenpfleger wurde am Montag, 09.11.2020, vorläufig festgenommen und durch Beamte der Mordkommission zum Tatvorwurf vernommen. Auf Antrag der Kapitalabteilung der Staatsanwaltschaft München I erließ der zuständige Ermittlungsrichter am Nachmittag des 10.11.2020 Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Mordes in drei Fällen.

Geltungssucht als Motiv? - Polizei München ermittelt gegen Krankenpfleger

Der verdächtige Münchner Krankenpfleger könnte nach ersten Erkenntnissen aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben. Aus Chatverläufen gehe hervor, dass er sich offenbar als Lebensretter habe darstellen wollen, sagte Josef Wimmer.

Dazu habe er die drei Patienten bewusst in einen schlechten Gesundheitszustand gebracht, um bei der anschließenden Reanimation gegenüber seinen Kollegen und Anderen glänzen zu können. Er habe zeigen wollen, „ich bin ein Pfleger mit Herz und Leidenschaft“.

Ob es wirklich so war, war zunächst allerdings unklar. Der 24-Jährige, gegen den am Dienstag ein Haftbefehl erlassen wurde, hatte die Tat bestritten und sich auch nicht zu einem Motiv geäußert.

Einer der geschädigten Patienten befindet sich nach wie vor in einem kritischen, aber stabilen Gesundheitszustand.

Zur Bewältigung der erforderlichen umfangreichen Ermittlungen wurde bei der Mordkommission die Ermittlungsgruppe "Wachraum" mit 10 Beamten eingerichtet. In enger Kooperation mit dem zuständigen Krankenhaus wird der gesamte Beschäftigungszeitraum des Tatverdächtigen in Hinblick auf mögliche weitere Opfer oder Auffälligkeiten untersucht werden.

dpa/Polizeipräsidium München/jh

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