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Der Landtag, mein trautes Heim

Maximilianeum: Zu Besuch in Bayerns prunkvollstem Studentenwohnheim

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Stipendiatin Theresa List lebt in den Gemäuern des Landtags – mit Musikzimmer und antiker Bibliothek.

München – Schlafen neben dem Plenarsaal, Grillen unter Abgeordnetenbüros: für Theresa List ist das Alltag. Warum und wie sie im Maximilianeum wohnt und welche Politiker mit ihr kicken...

Ihre Nummer in der Kartei ist die Z94. Was nach Haft­anstalt klingt, ist das wohl prunkvollste Studentenwohnheim Bayerns: Theresa List lebt als Stipendiatin im Maximilianeum – dort, wo Bayerns Politiker parlamentieren. Die Maximilianeumsstiftung gilt als Elitenschmiede: Nur die besten Einser-Abiturienten des Freistaats bekommen hier einen Platz, im Abizeugnis darf keine Note schlechter als 13 Punkte sein, in einem Auswahlverfahren, an dem hunderte kluge Köpfe teilnehmen, müssen sich die Maximer beweisen.

Das Gebäude gleich weniger einem Studentenwohnheim als einem Schloss.

Einst gegründet vom Wittelsbacher König Maximilian II., um die hellsten Geister des Landes für den Staatsdienst zu gewinnen, fördert die Stiftung seit 1852 hochbegabte Studenten. Während die Kartei der männlichen Stipendiaten schon im Bereich der 800 liegt, hat Theresa List mit ihrer Z94 eine vergleichsweise niedrige Zahl – denn die Stiftung wurde erst 1980 für Frauen geöffnet.

So alt wie die Stiftung ist, muten auch einige Regeln im Studentenwohnheim an: So steht etwa in der Hausordnung, dass „jedem Zögling zu jeder Mahlzeit ein Bier zusteht“. Aber auf einen Liter Bier am Tag kommt kaum einer der 50 Studenten: „Wenn wir am Sonntag Wein trinken, reicht meistens eine Flasche für 20 Leute“, erzählt die 21-Jährige. Trotzdem ist der Bierkühlschrank im Mädchenzimmer stets gefüllt.

Schlafen neben dem Plenarsaal, Kicken mit Politikern

Bekommt einer der Stipendiaten Besuch von Kommilitonen, muss er sie an der Pforte anmelden, wo sich die Besucher mit einem Lichtbildausweis ausweisen müssen.

Sonntags gibt es Wein zum Drei-Gänge-Menü, das der hauseigene Koch aus Italien für die Studenten zaubert. Wer an einem der Essen teilnimmt, merkt sofort, dass das kein gewöhnliches Studentenwohnheim ist. Jeder hat seine eigene Stoffserviette – bestickt mit den eigenen Initialen – und mit dem Essen warten alle, bis Stiftungsvorstand Hanspeter Beißer das Mahl eröffnet. Zwei „Herren“ vom Tisch schenken ihm vorschriftsgemäß den Wein ein. „Das ist eine schöne gewachsene Tradition“, findet List, die Jura studiert und beteuert: „Aber ansonsten sind wir ein ganz normales Wohnheim.“

Ölgemälde von Maximilian II. hängen im Wohnzimmer, daneben steht ein Schlagzeug

Doch ganz alltäglich ist das Leben im Landtag sicher nicht: Theresas Nachbar hat direkt unter dem Büro von Claudia Stamm geschlafen, jeden Sommer spielen die Studenten der Stiftung in einem Turnier gegen die bayerischen Parlamentarier Fußball. Bekommt einer der Stipendiaten Besuch von Kommilitonen, muss er sie an der Pforte anmelden, wo sich die Besucher mit einem Lichtbildausweis ausweisen müssen. Wer sich zum Sonnen in den Stiftungsgarten legt, muss damit rechnen, dass Politiker ihn vom Plenarsaal aus sehen.

Und überhaupt gleicht das Wohnheim eher einem Schloss: Ölgemälde von Maximilian II. hängen im Wohnzimmer, daneben steht ein Flügel sowie Schlagzeug. In der hauseigenen Bibliothek gibt es antike Schriftstücke und im Flur hängen 30 historische Gemälde, die die Weltgeschichte erzählen. Den Drucker im Gang haben die Studenten „Kleopatra Sekretaris“ getauft, abends musizieren sie in ihrer Jazzcombo oder diskutieren über feministische Literatur. Es ist die Elite von morgen, die hier in Haidhausen lebt.

Wie alle Studenten hat auch die 21-Jährige schon mehrere Sitzungen im Plenarsaal verfolgt. „Es ist ein großes Privileg, hier sein zu dürfen“, sagt sie. Deswegen engagiert sich die gebürtige Niederbayerin auch gerne für das Haus. „Es soll nicht nur ein Nehmen sein“, findet sie. Sie hat etwa das Amt des Haussprechers übernommen.

Hanni Kinadeter

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