„Wir brauchen auch Boazn und nicht nur Aperol Spritz.“

Kleine Geschäfte in München sollen gestärkt werden ‒ Gegen das Laden-Sterben in den Stadtvierteln

An der TeLa liegen viele Geschäfte, auch „Schuh Felzmann“
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An der TeLa liegen viele Geschäfte, auch „Schuh Felzmann“
  • VonKatrin Hildebrand
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München ist eben nicht nur Viktualienmarkt und Innenstadt. Die Lokalpolitik will kleinere Geschäfte und Betriebe in den Stadtviertel stärken - gegen das Laden-Sterben.

  • Lokalpolitik fordert Hilfe für kleine Geschäfte in München.
  • Das Laden-Sterben in den Stadtvierteln soll aufgehalten werden.
  • Die Landeshauptstadt besteht aus mehr als nur Viktualienmarkt und Innenstadt.

Die Innenstadt ist wieder voll. Nach den Corona-Lockdowns strömen die Menschen in die Geschäfte. Wie aber sieht es in den Stadtvierteln aus? Der BA Obergiesing-Fasangarten will nun explizit den lokalen Handel stärken und Läden abseits des Zentrums fördern.

Auf Initiative der Grünen hat er einen entsprechenden Antrag verabschiedet, der inhabergeführte Betriebe und Geschäfte in den Fokus rückt. Und das nicht nur in der eigenen Nachbarschaft. Die Beschlussvorlage soll auf Antrag der Giesinger allen Münchner BA zur Abstimmung vorgelegt werden.

„Es sind nicht nur der Viktualienmarkt und die Altstadt, die München ausmachen“, sagt Ricky Dörrie (Grüne), Vorsitzende des Unterausschusses lokale Wirtschaft und Arbeit im BA. „Die Stadtteile sind die Begleitmusik. Wir wollen vermeiden, dass die Viertel und ihre Läden sterben und es in Zukunft nur noch Wettbüros und Ketten gibt.“

Ricky Dörrie vom BA Obergiesing-Fasangarten.

Hilfe für kleine Geschäfte in München - Gegen das Laden-Sterben in den Stadtvierteln

Zu diesem Zweck fordert der BA die Stadt München zum Handeln auf: Sie soll gegebenenfalls Corona-Hilfen erweitern und in Zusammenarbeit mit lokalen Wirtschaftsverbänden dafür sorgen, dass auch kleine Läden ein professionelles Online-Geschäft aufbauen können.

Außerdem soll das Referat für Arbeit und Wirtschaft mit Infokampagnen die Münchner Immobilieneigner dafür sensibilisieren, dass gerade eigentümergeführte Geschäfte moderate Mieten brauchen. Analog zur Schaffung sozialen Wohnraums soll sich die Stadt langjährige Belegrechte von gewerblichen Räumen sichern.

Besonders gut würden sich natürlich Genossenschaftsbauten dafür eignen, meint Dörrie. „Gerade das alte Arbeiterviertel Giesing lebt von kleinen, normalen Läden“, sagt sie. „Symbolisch ausgedrückt: Wir brauchen auch Boazn und nicht nur Aperol Spritz.“

Kleine Geschäfte in den Stadtviertel von München sollen Corona-Hilfen bekommen

Karl Darchinger von „Schreibwaren Müller“ in der Tegernseer Landstraße (TeLa) hat die Veränderungen der Giesinger Geschäftswelt in den vergangenen Jahrzehnten miterlebt. In dieser Zeit hat der 52-Jährige einige Trends beobachtet: Erst seien überall Apotheken gewesen, dann Handyläden aufgetaucht, und mittlerweile gebe es einen Friseur-Boom. „Vor 30 Jahren war die TeLa die Kaufingerstraße von Giesing, dann wurde sie ramschig. Heute kriegt man hier wieder alles“, fasst er zusammen. Und das soll so bleiben.

Karl Darchinger ist froh über seinen fairen Ladenvermieter.

Das Schreibwarengeschäft gibt es seit 75 Jahren. Darchinger und seine Vorgänger hatten Glück mit ihrem Vermieter: „Das Gebäude war immer im Besitz einer Familie.“ Ob sich der Wandel weg vom kleinen, feinen inhabergeführten Geschäft zu Ketten mit Hilfe politischer Maßnahmen aufhalten lässt, weiß er nicht. „Ein Mietendeckel für Gewerbeimmobilien? Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Seinem Laden gegenüber liegt eine Filiale des Schuhgeschäfts Felzmann, ebenfalls ein Urgestein an der TeLa. Chef Günter Felzmann hat die Pandemie auch dank staatlicher Corona-Hilfen überstanden.

Um die eigentümergeführten Stadtteilgeschäfte zu stärken schlägt er vor, in München verkaufsoffene Sonntage zu etablieren. „Einmal im Monat, aber nicht überall gleichzeitig, sondern jeweils nur in einem Stadtviertel. Vier Wochen später kommt ein anderes dran. So zieht man neue Kunden an und das Umsatzplus verteilt sich in allen Stadtteilen.“

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