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Lokalpolitiker will Kinder mit Körperbehinderung besser an Regelschulen integrieren – dazu fordert er festangestellte Helfer

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Von: Katrin Hildebrand

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Martin Blasi will sich dafür einsetzen, dass körperbehinderte Kinder häufiger auf Regelschulen gehen.
Martin Blasi will sich dafür einsetzen, dass körperbehinderte Kinder häufiger auf Regelschulen gehen. © Katrin Hildebrand

Kinder mit Körperbehinderung sollen bald öfter Regelschulen besuchen, dafür will sich Martin Blasi einsetzen. Sein Plan und die Reaktionen:

Bogenhausen - Martin Blasi möchte Chancengleichheit. Inklusion für Menschen mit Körperbehinderung soll leichter werden. Dafür hat das Mitglied des Bogenhauser BA (Freie Wähler) einen Plan: Fortan sollen persönliche Assistenzen für Kinder mit körperlichem Handicap an Grundschulen fest zum Personal gehören.

Blasi ist selbst im Rollstuhl unterwegs. „Als Kind hatte ich einen Unfall“, erzählt er im Gespräch mit Hallo. Anschließend wurde er auf eine Fördergrundschule geschickt. „Ich habe erlebt, dass die Schüler dort intellektuell nicht gefordert und gefördert werden.“ Nur durch das Engagement seiner Eltern konnte er auf eine Regelschule wechseln: Er ging aufs Dante-­Gymnasium. Nach dem Abi studierte er Mathematik.

Vielen Menschen, die von Geburt oder Kindheit an körperbehindert seien, erginge es allerdings anders, sagt Blasi. Einmal auf die Fördergrundschule geschickt, kämen sie aus dem System kaum mehr raus – der Wechsel aufs Gymnasium und Abitur seien unrealistisch. „Es sei denn, sie sind Überflieger oder haben sehr engagierte Eltern.“

Kinder mit Körperbehinderung öfter auf Regelschulen: Persönliche Assistenz

Gehen Kinder mit Handicap auf eine Regelschule, haben sie oft eine persönliche Assistenz. Diese müssen die Eltern beim Bezirk Oberbayern beantragen. „Derzeit müssen sich Erziehungsberechtigte sehr bemühen, dass ihr Kind eine Assistenz bekommt“, erklärt Blasi. Wie der Bezirk auf Anfrage erklärt, müssen ein ärztliches Gutachten mit Diagnose und Angabe der Ausprägung und Auswirkungen der Behinderung auf die Teilhabe, die Genehmigung der Schule und weitere Akten vorliegen.

Blasis Idee: Fortan soll es persönliche Assistenzen für Kinder mit Handicap als festes Schulpersonal geben – auch an ganz normalen Grundschulen. Würden Regelschulen von sich aus Helfer beschäftigen, sei die Hemmschwelle, dorthin zu gehen, für Betroffene geringer, die Inklusion größer.

Kinder mit Körperbehinderung öfter auf Regelschulen: Antwort von oben 

Heike Schmid, zweite Vorsitzende des Facharbeitskreises Schule beim Münchner Behindertenbeirat, tritt für Inklusion an Regelschulen ein. Blasis Vorschlag sieht sie dennoch mit gewisser Skepsis: „Dieses ,Pooling‘ ist nicht unbedingt eine gute Idee für die Regelschulen.“ Dabei könnte es passieren, dass ein Schulbegleiter mehrere Kinder in weit auseinanderliegenden Räumen mit verschiedensten Beeinträchtigungen betreuen müsse.

Blasi hat eine Anfrage an Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gestellt. Dieser spricht sich in seiner Antwort für individuelle Abwägung aus: Es könne „auch gute Gründe geben, in der aktuellen Situation im Interesse des Kindes zunächst der Förderschule den Vorzug zu geben.“

Blasi hält an seiner Idee fest. Sein Plan: das Thema in den bald beginnenden bayerischen Landtagswahlkampf einzubringen.

Zuständig ist der Bezirk

Körperbehinderte Schüler besuchen in München nur zu zehn Prozent allgemeinbildende Lehranstalten. Für Anträge auf Schulbegleiter ist der Bezirk Oberbayern zuständig, der über einen Inklusionsbeirat verfügt. 2021/22 übernahm er an Förderschulen für 1143 Kinder und Jugendliche die Kosten für eine Schulbegleitung, an Regelschulen für 599, wie Hallo auf Anfrage erfuhr. Ausgaben dafür: rund 35 Millionen Euro.

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