Jahresvorschau für die Viertel

Das wird neu im Osten Münchens – BA-Chefs exklusiv in Hallo

Dietlind Alber und Norbert Weigler, mit Julia Fitzner (r.) aus dem BA 18 (Grüne) auf dem aktuell noch als Klink-Parkplatz genutzten Baufeld der zweiten Grundschule Harlaching.
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Dietlind Alber und Norbert Weigler, mit Julia Fitzner (r.) aus dem BA 18 (Grüne) auf dem aktuell noch als Klink-Parkplatz genutzten Baufeld der zweiten Grundschule Harlaching.
  • vonHanni Kinadeter
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Bau, Verkehr, Kultur, Umwelt: Was das neue Jahr für die Münchner aus den Vierteln Giesing, Fasanengarten, Haidhausen, Bogenhausen und Harlaching bringt.

Kampf um SWM-Fläche

Für den Sportverein der Stadtwerke (SWM) in der Lauensteinstraße wird das kommende Jahr eine Herausforderung. „Bis Ende 2021 sollen wir das Gelände verlassen“, sagt Birgit Knoblach, die nach Jürgen Öllingers Rücktritt im vergangenen Juli den Vereinsvorsitz übernommen hat.

Seit 1926 ist der Traditionsverein SV SWM in der Lauensteinstraße zuhause. Doch nun überplanen die SWM das Grundstück, weil sie dort ihren Betriebshof erweitern und Werkswohnungen bauen wollen. „Konkrete Pläne haben die SWM aber noch keine vorgelegt“, sagt Knoblach, die außerdem für die SPD im BA Obergiesing-Fasangarten sitzt. Zwar haben die SWM demnach angekündigt, dem Verein einen Kunstrasen sowie die Flutlichtanlage zu überlassen – bloß wohin damit?

Der SWM Sportverein könnte in diesem Jahr seine Heimat verlieren.

„Zusammen mit dem Sportamt suchen wir händeringend nach einer Ersatzfläche“, sagt die Vereinschefin. Im Januar soll erneut ein Runder Tisch stattfinden. „Dann brauchen wir konkrete Pläne, wo der Kunstrasen hinkommen könnte.“

Der Sportverein, der sich zwar im Gebiet des 16. Bezirks befindet, aber zu dessen Einzugsgebiet zu einem Großteil Obergiesing wie Fasangarten gehört, bediene schließlich auch Kinder und Jugendliche mehrerer Schulen im Viertel sowie etliche Rentner. „Gerade in Obergiesing, wo alles stark verdichtet ist, ist ein solcher Verein immens wichtig“, steht für Knoblach fest. „Wir werden den Verein und seine Fläche nicht sang- und klanglos aufgeben“, sagt sie. Immerhin haben sich beide Bezirksausschüsse demnach bereits dafür ausgesprochen, den Sportverein erhalten zu wollen.

Giesings Muskelprotz

Im Frühjahr geht es los: Die Fassade an der Silberhornstraße 6 wird bemalt. Der Verein Real und der Stadtteilladen Giesing hatten im Sommer die Bürger dazu aufgerufen, Ideen einzureichen. Daraus hat Künstler Frank Cmuchal einen Entwurf gefertigt. Mit darauf: unter anderem das Nashorn vom Grünspitz, Giesings Muskelprotz und Gastronom Hans Steyrer (li.) sowie Ella Lingens und viele mehr. Die Akteure stellen dazu einen Antrag auf Zuschuss im BA. „Wenn alles klappt, geht es im Frühjahr los“, sagt Mehmet Birinci vom Verein Real. Stimmen die Gremien dem Entwurf nun endgültig zu, wird die Fassade bald mit neuen Motiven geziert.

Muskelprotz Hans Steyrer wird in Giesing die Wände zieren.

Radlspuren und mehr Bäume in Haidhausen

Im Frühjahr könnten vor allem Radlfahrer auf ihre Kosten kommen: „Da werden uns Pläne vorgelegt für Fahrradspuren in der Rosenheimer Straße und der Gebsattelstraße“, sagt BA-Chef Jörg Spengler (Grüne). Beide Straßen beschäftigen den BA und viele Anwohner seit Jahren. Die Pop-up-Bike-Lane in der Rosenheimer Straße soll nun endgültig dauerhaft installiert werden. „Zu beiden Wegen soll es auch eine Bügerbeteiligung geben“, kündigt Spengler an. Wenngleich Pandemie-bedingt voraussichtlich in digitaler Form. „An dem Thema sind wir seit 18 Jahren dran“, sagt auch Nina Reitz (SPD) aus dem BA. Sie fordert außerdem: „Die Busanbindung in der Unteren Au muss sich verbessern.“

Die Pop-up-Bike-Lanes, wie hier in der Zweibrückenstraße, gab es im vergangenen Herbst vorübergehend. Die Rosenheimer Straße sollte so eine dauerhaft bekommen, findet der BA und wird im Frühjahr konkrete Pläne dazu bekommen.

Außerdem soll es grüner im Viertel werden: „Wir suchen Standorte, an denen wir neue Bäume pflanzen und Blühwiesen anlegen können“, sagt Spengler. Und nennt als Beispiel die Sedanstraße. Mehrmals habe die Verwaltung es abgelehnt, dort Bäume zu pflanzen. Der Grund: Hier verlaufen unterirdisch Rohrleitungen für Fernwärme und ähnliches. Dennoch will der BA prüfen, ob nicht zumindest auf einer Straßenseite gepflanzt werden kann.

2021 muss die Erhaltungssatzung, die für mehrere Ensembles im Viertel gilt, erneuert werden. „Das ist wichtig für die Mieter, damit sie nicht verdrängt werden“, so Reitz.

Das neue Jahr im Haidhausen Museum

Was 2021 im Museum Haidhausen ausgestellt wird, das hat Kurator Hermann Wilhelm schon genau geplant. „Man muss natürlich schauen, wie sich die Lage mit Corona entwickelt, erst dann können wir zum Beispiel Öffnungszeiten nennen“, sagt er. Voraussichtlich bis April ist eine große Schau zu sehen unter dem Titel: „Vor 150 Jahren: Der Bau des Ostbahnhofs, der Krieg 1870/71, die Entstehung des Franzosenviertels und die Errichtung des Friedensengels“. Bis Juli ist ein zweiter Teil geplant mit dem Schwerpunkt: Dem Siebziger Krieg, den Kinos im Franzosenviertel und einem Lehrer, der „Das Lied der Bayern“ geschrieben hat. Und ab Oktober zu sehen: „Franz Kandolf, Karl May und das Altersheim am Gasteig“.

Das neue Viertel in Bogenhausen wird konkret

Ein Jahr der Entscheidungen wartet auf Bogenhausen: Im Frühjahr soll ein Beschluss über den Ideenwettbewerb zur Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) Nordost verabschiedet werden. „Dann wird die Idee des ersten Preisträgers angekauft“, sagt Thorsten Vogel, Sprecher beim Planungsreferat. Im vergangenen Frühjahr ist der Ideenwettbewerb mit Öffentlichkeitsbeteiligung beendet worden.

Auch 2021 soll es Kommunikations- und Beteiligungsformate dazu geben, wie Vogel jedoch ankündigt „aufgrund der aktuellen Lage voraussichtlich als Print- und Online-Formate“. Bevor der Stadtrat einen Beschluss fasst, sollen jedoch die Bezirksausschüsse Bogenhausen und Trudering-Riem im Gremium angehört werden. Dann werden außerdem planerische Inhalte festgelegt. Unter anderem zu diesen Themen: zur Einwohnerdichte, zum Ausbau des öffentlich Nahverkehrs sowie zur sozialen und technischen Infrastrukturen im neuen Viertel.

Im Münchner Osten wird ein komplett neues Viertel entstehen. Wie viele Menschen im neuen Viertel wohnen sollen, ist noch nicht final beschlossen. Es gibt unterschiedliche Entwürfe für 10 000, 20 000 und 30 000 Bewohner.

Bislang gibt es von jedem der drei im Frühjahr gekürten Preisträger drei Varianten – für je 10 000, 20 000 und 30 000 Einwohner. Bürgerinitiativen und Landwirte hatten in der Vergangenheit immer wieder harsche Kritik an den Plänen geübt und eine Bebauung für maximal 10 000 neue Einwohner ersucht. Hier wünscht sich der aktuelle BA-Chef Florian Ring (CSU) vor allem eines: „Einen konstruktiven Umgang mit der SEM und ganz klar: Eine Tunnelvariante für den S-Bahn-Ausbau.“

Weiteres Thema, das das Viertel beschäftigt ist die Verkehrsanbindung des Nordostens. „Ein wichtiger Schritt ist, dass es 2021 erste Ergebnisse aus einem Verkehrsgutachten geben soll“, sagt die ehemalige BA-Chefin Angelika Pilz-Straßer, die in der Jury beim Ideenwettbewerb war. „Das Gute ist, dass es ein dynamisches und kein starres Gutachten ist“, sagt die Stadträtin. Denn der BA hatte sich seit Jahren für ein umfassendes Verkehrskonzept eingesetzt.

Projekte: Klinik, Schule, Pavillon für Untergiesing und Harlaching

Dieser Bau wird das Viertel in 2021 begleiten: Der Neubau des Klinikums Harlaching sowie der neuen Schule. „Das wird das große Thema für den Bezirksausschuss“, sagt BA-Chef Sebastian Weisenburger (Grüne). „Wir werden den Bau gut begleiten und schauen, ob auch die passende Freifläche für die Schule gefunden wird.“ Allerdings sei es hier weniger die Aufgabe des BAs zu entscheiden, als hinzuschauen.

Auch am Hans-Mielich-Platz könnte sich etwas tun: Seit mehr als zwei Jahren plant Julian Göttlicher nun schon, dort einen Pavillon zu errichten und Kaffee oder Tee zu verkaufen. Aber das Ganze zieht sich.

„Im Januar stelle ich noch einmal einen Antrag, mit der Bitte, die Angelegenheit so schnell wie möglich voranzubringen“, sagt Melly Kieweg (Parteilos) aus dem BA. Aber: „Es ist schwierig zu sagen, wann es losgeht“, sagt indes Weisenburger. Der Grund: „Die Markthallen müssen prüfen, inwiefern der Pavillon den Wochenmarkt stören könnte – nicht, was das Angebot betrifft, das würde sich optimal ergänzen, sondern, was die Fläche am Hans-Mielich-Platz betrifft.“

In diesem Zuge soll, wenn es nach Kieweg geht, auch eine Boulderwand angebracht werden sowie das Schachbrett nach hinten verlegt werden. Der Hans-Mielich-Platz soll außerdem Zentrum eines Festes im September werden – sofern die Umstände der Pandemie es bis dahin zulassen: „Wir wollen ein Einweihungsfest mit den Gestaltern der Mosaikplatten dort nachholen“, sagt Kieweg. Dabei wollen sich etliche Akteure aus der Nachbarschaft, die daran mitgewirkt haben vorstellen: Etwa das Sozialpsychiatrische Zentrum, die Agilolfinger Schule, die Kita Villa Verde und viele mehr.

Außerdem: Das Justizzentrum zieht im Januar um und verlässt das Gebäude in der Kühbachstraße. Was stattdessen einzieht, ist unklar. Fest steht aber eines: Sie hinterlassen dem Viertel zum Abschied eine Justizia.

Neues Gesicht im Giesinger Stadtteilladen

Lars Jakobeit von Quarter M übernimmt ab Januar den Stadtteilladen in der Tegernseer Landstraße 113. „Ich freue mich schon sehr darauf“, sagt Jakobeit, der bislang den Nachbarschaftstreff in Perlach geleitet hat. Zuletzt hatte Torsten Müller von der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) den Stadtteilladen betrieben. Anfang Januar soll das Büro umgebaut und instand gesetzt werden. Voraussichtlich Mitte Februar öffnet der Laden wieder.

Lars Jakobeit wird neuer Leiter des Giesinger Stadtteilladens.

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