Mein Vater, die Legende

50 Jahre „Embryo":  Krautrockband feiert Jubiläum

+
Marja Burchard aus dem Westend, 33 Jahre alt, leitet seit 2016 die kultige Weltmusikband „Embryo“.

1969 gründete Christian Burchard „Embryo“ – jetzt lädt seine Tochter mit Band zum Jubiläumskonzert in der Giesinger Lutherkirche ein.

Obergiesing - Ihre Finger gleiten, tänzeln übers Keyboard, hämmern auf die Tasten, ihr Gesichtsausdruck ist beinahe verzückt. „Ich hätte nie die Bandleitung übernommen, wenn es mir keinen Spaß machen würde“, sagt Marja Burchard, die Tochter von Christian Burchard, der vor einem halben Jahrhundert die kultige Krautrockband „Embryo“ gegründet hat.

„Embryo“: Konzert zum 50. Geburtstag

Zum 50. Geburtstag gibt die Band am Freitag, 3. Mai, ein Konzert in der Giesinger Lutherkirche. Freilich ist die Besetzung eine ganz andere als früher: Seit ihr Vater erkrankte übernahm Marja Burchard bis zu seinem Tod im Januar 2018 immer mehr Verantwortung in der Band.

Die Band "Embryo" in den 80er-Jahren.

Sogar einen Führerschein für kleine Lastwagen hat die 33-Jährige gemacht, um mit Band und Equipment verreisen zu können. Denn das ist es, was Embryo ausmacht: Mehr als 500 internationale Jazz- und Rockmusiker haben im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mitgespielt, Musiker aus Indien, Afghanistan, aus Marokko, Gambia, Äthiopien, Japan oder Algerien. Christian Burchard gilt als der Erfinder der Weltmusik.

Für seine Tochter ist ein Leben ohne Musik undenkbar: „Ich bin mit Embryo aufgewachsen“, sagt sie und erzählt von Fotos, auf denen sie als Baby auf der Bühne schläft, ganz nah bei ihrem Papa. Dass sie eines Tages die Leitung des Bandkollektivs übernehmen würde, darüber hatte sie nie nachgedacht. „Ich wusste auch nicht, dass mein Vater das wollte“, sagt Burchard. „Das ist gut so, sonst hätte ich es vielleicht nicht gemacht.“ Als eine Bürde empfindet sie das Ganze nicht, im Gegenteil: „Für mich ist es ein Geschenk, dass ich dort hin­eingeboren wurde – das will ich auch annehmen.“

Im Herbst ist ein Konzert mit Jubiläumsausstellung geplant.

Die 33-Jährige, die im Westend lebt, spielt Schlagzeug, Klavier, Orgel, Keyboard, Vibraphon, Akkordeon, Santur – eine Art persisches Hackbrett – Marimba und Posaune. Sie singt, komponiert selbst, spricht Russisch, Französisch, Englisch und ist beinahe um die ganze Welt gereist. „Im Oktober spielen wir wieder in Japan“, erzählt sie. Fünf, sechs feste Bandmitglieder gibt es derzeit, sie sind zwischen 27 und 53 Jahren alt.

Ihren Namen verdankt die Band übrigens Marjas Mutter. „Sie lebt noch und ich kann sie alles fragen“, sagt Marja Burchard und schildert die Szene in etwa so: Ihre Mutter, damals Medizinstudentin ist nach Hause gekommen und fand ihren Vater im Wohnzimmer inmitten von stapelweise Papieren. Er suchte verzweifelt einen Bandnamen. „Meine Mutter überlegte nur kurz und schlug spontan Embryo vor“, erzählt sie. „Auch, weil es zum Charakter meines Vaters passte, der so lebendig und hoffnungsbringend war und ständig Neues hervorbrachte.“

Im Herbst soll der 50. Geburtstag von Embryo noch mit einer großen Ausstellung gefeiert werden. „Es gibt so viele alte Videos, Fotos und Bilder, auf denen so viele verschiedene Menschen zu sehen sind, die sich alle für das Musikkollektiv begeisterten.“ Hanni Kinadeter

Veranstaltungshinweis

Jubiläumskonzert am Freitag, 3. Mai, 19.30 Uhr in der Lutherkirche in Giesing, Bergstraße 3. Der Eintritt ist frei.

Lesen Sie auch: 

Ende der Räterepublik: 100 Jahre später werden die Kämpfe reinszeniert

- Mai-Feierei: Was in den östlichen Stadtvierteln geboten ist

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Auf dem Weg zur Schule: Mädchen (9) von Mercedes angefahren
Auf dem Weg zur Schule: Mädchen (9) von Mercedes angefahren
Verkehrskontrolle zeigt: Viele Autofahrer schnallen ihre Kinder nicht richtig an
Verkehrskontrolle zeigt: Viele Autofahrer schnallen ihre Kinder nicht richtig an
Hallo vor Ort: So lief die Schwerpunktkontrolle der Polizei
Hallo vor Ort: So lief die Schwerpunktkontrolle der Polizei
Ein neues Viertel wird aus dem Boden gestampft – Was sich bisher alles getan hat
Ein neues Viertel wird aus dem Boden gestampft – Was sich bisher alles getan hat

Kommentare