Aus Liebe zum Klima

„Ich möchte auch gefragt werden, wenn es um die Zukunft dieser Welt geht“

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Unter dem Motto „Fridays for Future“ gehen seit November Schüler aller Klassenstufen und Länder auf die Straße, um für das Klima zu protestieren.

München – Der Freitag ist für zahlreiche Schüler ein Tag, um für das Klima auf die Straße zu gehen – Dieser Schüler erklärt, warum die „Fridays for Future“ nicht nur eine Ausrede zum Schwänzen sind

Seit November 2018 protestieren europaweit zahlreiche Schüler unter dem Motto „Fridays for Future“ mit Schulstreiks für mehr Klimaschutz und eine ambitionierte Klimapolitik. So auch in der Landeshauptstadt. Wöchentlich zieht ein großer Demonstrationszug von Jugendlichen aller Schularten und Klassenstufen durch die Münchner Innenstadt. Zuletzt vom Odeonsplatz in Richtung Königsplatz. Viele von ihnen nehmen hierfür Verweise oder andere Strafen für das Schwänzen in Kauf. Eine bloße Ausrede, um an Freitag dem Unterricht fern zu bleiben?

Dass das – zumindest in vielen Fällen – wohl nicht der Fall ist, sondern dass die Klimafrage für die Jugend in allen Altersgruppen tatsächlich eine große Rolle zu spielen scheint, beweist dieser Leserbrief von einem Sechstklässler aus Harlaching:

Ich bin ein 12 jähriger Junge und gehe in die 6. Klasse eines Gymnasiums in Harlaching. Zusammen mit 10 weiteren Mitschülerinnen und Mitschülern habe ich mich entschlossen am letzten Freitag vor den Faschingsferien an einer Greta Demonstration in München teilzunehmen. Darüber möchte ich heute kurz berichten:

In der Schule hatten wir bereits im Fach Religion mit unserer Lehrerin über die Demonstrationen diskutiert. Dabei habe ich festgestellt, dass es unterschiedliche Meinungen bei den Schülerinnen und Schülern gibt: viele, so auch ich, sind für den Umweltschutz und das wir besser die Natur sowie die Tiere behandeln. 

Ich bin traurig, dass jedes Jahr so viele Tierarten aussterben und es in der Zukunft immer weniger Lebensraum für Tiere geben wird. Mich ärgert auch, dass so viele Menschen egoistisch sind und nicht an andere denken. Im Fernsehen habe ich einen Bericht über den ganzen Plastikmüll in unseren Meeren gesehen und dass unsere Erde immer wärmer wird. Das wird in Zukunft enorme Schäden verursachen.

Auch meine Zukunft ist mir wichtig. Deshalb bin ich der Meinung, jeder muss sofort handeln und bei sich selbst anfangen. Ich möchte als Kind bzw. Teenager auch gefragt werden, wenn es darum geht wie ich, wenn ich erwachsen bin, auf dieser Welt lebe. Es gab auch einige Kinder, die sind für den Umweltschutz sind und gern demonstrieren würden, deren Eltern es aber nicht erlaubt haben. Auch hatten einige Kids kein Interesse an diesem Thema. 

Wir haben den Lehrer informiert, indem wir ein Schreiben mit allen Unterschriften derer, die an der Demo teilnehmen, im Klassenraum hinterlegt haben. 5 Eltern und Großeltern haben uns geholfen bzw. bei der Demo begleitet, denn wir als 6. Klässler dürfen während des Unterrichts das Schulgelände nicht verlassen. Dann sind wir nicht mehr versichert. 

Die Eltern der Schülerinnen und Schüler, die nicht mit zur Demo sind, mussten unterschreiben, dass sie von der Demo wissen und einverstanden sind, dass ihr Kind mitgeht. Meine Mutter war dabei und hat uns nach der 4. Stunde am Schuleingang in Empfang genommen. Wir sind dann gemeinsam mit den anderen Eltern und Großeltern mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Marienplatz gefahren.

Dort angekommen, haben wir festgestellt, dass die Demo nicht dort sondern am Odeonsplatz gestartet ist. So ein Mist. Ein freundlicher Mann sagte uns das die Demonstranten Richtung Königsplatz gehen. Insofern sind wir dann ganz schnell dort gemeinsam hingelaufen. Das war richtig spannend. 

Rechtzeitig haben wir den Demonstrationszug noch erreicht und konnten uns einreihen. Wir waren, glaube ich mit die jüngsten Kinder. Alle waren ganz nett zu uns, ja wir haben sogar einige Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe unseres Gymnasiums getroffen, die das super cool fanden das wir auch da waren.

Zum Ende der Veranstaltung durfte jeder der wollte eine Botschaft an alle über ein Mikrofon sagen. Das fand ich toll, wusste allerdings so schnell nicht was ich sagen sollte. Wenn ich noch einmal teilnehme, dann werde ich mich darauf vorbereiten. Dann möchte ich auch etwas sagen.

Nicht so gut fand ich, dass ein älterer Mann etwas von der AfD erzählte. Da habe ich nur die Hälfte verstanden. Ich finde, es sollten nur Schülerinnen und Schüler sprechen.

Wir haben dann noch einige Aufkleber mitgenommen und einen Zettel auf dem unsere Rechte für die Demo standen und das einige Unterstützende aus dem Münchner Stadtrat, dem Bayerischen Landtag sowie dem Bundestag die Demonstrationen befürworten. Gemeinsam in unserer Gruppe sind wir dann wieder zu Schule zurück gefahren.

Die nächste Demonstration findet am 15.03. statt und wird dieses Mal vom Odeonsplatz zur Theresienwiese führen. An dem Tag kann ich wahrscheinlich nicht teilnehmen, da ich eine Schulaufgabe schreibe.

Mir war wichtig zu demonstrieren, weil ich als Kind auch eine Stimme habe und auch auf dieser Welt lebe. Deshalb finde ich es toll, dass die Greta eine solche Aktion in Bewegung gesetzt hat.

Für die UMWELT – die ZUKUNFT – uns KINDER – die MENSCHEN – die TIERE – die NACHHALTIGKEIT.

Wolfgang Geißelbrecht, Mitglied im Bezirksausschuss 18 Untergiesing-Harlaching, per E-Mail.

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