Ärger um Biotop für Kita

Kita an Säbener Straße will verwildertes Grundstück zwischennutzen – Baureferat lehnt ab

Henrike Sarafoff (links) und Kerstin Beug am Tor zum verwilderten Grundstück.
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Henrike Sarafoff (links) und Kerstin Beug am Tor zum verwilderten Grundstück.
  • VonKatrin Hildebrand
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Ein eingezäuntes und naturnahes Grundstück. Die Kita an der Säbener Straße möchte es als zusätzliche Außenfläche nutzen. Die Stadt lehnt jedoch ab. Die Begründung und was der BA tun will.

Harlaching - Seit gut zehn Jahren liegt das Grundstück an der Säbener Straße brach. Das Tor ist verschlossen, ein Sichtschutz hängt am Gitter. Dabei ist die Fläche verwildert und im Sommer von außen kaum einsehbar.

Das benachbarte „Haus für Kinder“ mit der Hausnummer 61 möchte das Grundstück gerne zwischennutzen – für mehr Platz im Freien, in und nach der Pandemie. Doch die Stadt sagt dazu Nein.

Dabei könnte die Kita eine zusätzliche Außenfläche gebrauchen. Für 148 Kinder stehen 900 Quadratmeter zur Verfügung. Laut einem Stadtratsbeschluss sollten es im Idealfall aber zehn Quadratmeter pro Kind sein. Kita-Leiterin Kerstin Beug hält die Wildwuchsfläche für geeignet: „Das Schöne daran ist, dass sie eingezäunt ist.“

Da der Grund städtisch ist, und auch das „Haus für Kinder“ der Stadt gehört, könne es passen, dachte sie. Doch das Baureferat lehnte ab.

Das Kita-Gebäude in der Säbenerstraße.

In einer Begründung der Behörde, die Hallo vorliegt, heißt es: „Die östlichen und südlichen Grünflächen angrenzend an das heutige ‚Haus für Kinder‘ sind als ,Fläche mit besonderen Entwicklungsmaßnahmen‘ festgesetzt. Sie sind naturnah als Biotopvernetzungsflächen auszubilden und dem Entwicklungsziel entsprechend zu schützen.“ Die Kita könne die Grünflächen daher nicht nutzen.

Der BA Untergiesing-Harlaching setzte sich bereits im Januar auf Initiative der SPD für die Kita ein und forderte – damals vom Referat für Bildung und Sport (RBS) – eine Freigabe des Grundstücks zur Zwischennutzung. Die späte Absage seitens der Stadtverwaltung, die vor Kurzem eintrudelte, ärgert die Lokalpolitiker.

„Nach fast einem halben Jahr Bearbeitung empfinde ich die Antwort des RBS einfach nur als Witz“, sagt Michael Sporrer (SPD). Das RBS ist in dem Fall jedoch nur Mittler. Zuständig ist das Baureferat, Abteilung Gartenbau.

Sporrer meint: „Seit dem Bau der Kindertageseinrichtung ist auf dem angrenzenden Grundstück einfach von Seiten des Baureferats nichts passiert, die Fläche kann für die Öffentlichkeit im Stadtteil nicht genutzt werden und eine Biotopvernetzungsfläche ist dort einfach nicht ersichtlich.“

Lokalpolitiker wie Michael Sporrer (SPD) sind über die Entscheidung der Stadt verärgert.

Auch Henrike Sarafoff, Vorsitzende des Elternbeirats, ist enttäuscht. „Wir würden ja nichts abholzen und das Biotop in Ruhe lassen.“ Sie wundert sich allerdings, dass mitten im Biotop eine verfallene Hütte steht. Diese stammt aus alter Zeit. Bis kurz nach der Jahrtausendwende lag neben dem Hüttengrundstück ein Baseballplatz.

Er breitete sich über das heutige Kita-Gelände und Teile des nun dahinterliegenden Fußballfeldes aus. Die Baseball-Clubs trainieren längst woanders. In der Hütte, laut Planungsreferat ein Schwarzbau, lebte früher wohl ihr Platzwart. Als er starb, verfiel das Areal nach und nach.

Das RBS rät der Kita, statt des Biotops den benachbarten, jedoch nicht eingezäunten Grünzug zu nutzen. Der BA akzeptiert die Entscheidung der Stadt nicht. In einem Schreiben bittet er, die Absage zu überdenken.

Die Hütte des Platzwarts ist völlig zugewachsen.

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