200 Jahre Hygiene- und Badekultur

Neue München-Doku: Vom Baden im Bach zum WC im Wohnzimmer

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Filmemacher Klaus Bichlmeier zeigt einen Streifen über Hygiene und Baden in München in den vergangenen 200 Jahren.

Haidhausen – Klaus Bichlmeier hat eine Doku über 200 Jahre Hygiene- und Badekultur in München gedreht. In Hallo verrät er erste Details und erklärt, wie er auf das Thema gestoßen ist.

Angefangen hat alles mit einer Kleinanzeige. „Da hat ein Münchner eine Wohnzimmertoilette von 1930 verkauft“, erzählt Klaus Bichlmeier. Da hat er sofort angerufen, das antike Stück erworben, und Begeisterung flackerte auf – Bichlmeier wollte mehr wissen.

Noch in den 30er-Jahren hat es einen geregelten Ablauf für die Nutzung des Auer Baches gegeben.

Nach einiger Recherche war klar: Es soll ein Film über 200 Jahre Bäder- und Hygienegeschichte in der Landeshauptstadt werden. Schnell stellte er fest: „Die Bayern waren echte Saubären“, erzählt der Filmemacher. „Bis 1900 haben sie sich nur gewaschen, wo man es sah, da gibt es eine Statistik dazu.“ Im Mittelalter war die Badekultur demnach eingeschlafen, weil man davon ausging, dass Pest und Cholera dabei übertragen wurden.

Als Dank Max Josef Pettenkofer, dem ersten Hygieniker Münchens, die Epidemien besiegt waren, wurde die Badekultur neu entdeckt, berichtet Bichlmeier. „Etwa zur gleichen Zeit entstand in München die Idee des Müllerschen Volksbades“, sagt er. Und zwar habe Karl Müller, ein verwitweter, kinderloser und vermögender Ingenieur den Bau des Bades spendiert, unter der Prämisse, dass es für das Volk gedacht ist. 1901 wurde es eröffnet.

Zuvor, 1850, hatte bereits ein Naturbad in Perlach eröffnet, mit je zwei Kabinen für Männer und Frauen. „Da konnte man sich außerdem Zähne ziehen lassen und die Haare schneiden“, hat Bichlmeier erfahren.

In einigen Städten Bayerns gab es ein Bikini-Verbot.

Da es um diese Zeit aber als äußert unschicklich galt, dass sich eine Dame leicht oder unbekleidet in der Öffentlichkeit zeigt, trugen die Frauen damals Badekleider und Strümpfe. „Manche haben sogar Steine in das Kleid eingenäht, damit es nicht nach oben geschwemmt wird“, sagt Bichlmeier. In den 50er-Jahren, als der Bikini erfunden wurde, gab es in einigen Städten Bayerns sogar ein Bikini-Verbot. Unvorstellbar aus heutiger Sicht.

Unter anderem darum geht es in Bichlmeiers Streifen, der demnächst im Kim-Kino gezeigt wird. Zu Wort kommen aber wie immer auch Zeitzeugen. So etwa eine betagte Auerin, die Bichlmeier am Auer Mühlbach getroffen und interviewt hat. „Das Mütterl ist dort aufgewachsen“, sagt er.

Und noch in den 30er-Jahren hat es demzufolge einen geregelten Ablauf für die Nutzung des Baches gegeben: Vormittags durfte man Wäsche waschen, am frühen Nachmittag die Kinder baden und abends den Nachttopf entleeren. Das durften nur die Anwohner des Auer Mühlbaches, aber: „Heimlich sind scheinbar immer die Innenstädter gekommen, da hat es öfter Ärger gegeben“, sagt Bichlmeier.

Hanni Kinadeter

Die Filmpremiere in Haidhausen

Bevor Badeanzüge und Bikinis populär wurden (rechts), trugen die Frauen Badekleider und Strümpfe (links).

Der Film über die Badekultur Münchens feiert am Sonntag, 28. April, um 11 Uhr, im Kim-Kino, Einsteinstraße 42, Premiere. Reservierung unter 63 28 68 06 oder info@kim-kino.de.

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