Street-Art und Graffiti Festival

Starke Frauen an Münchner Wänden: „Hands off the Wall“-Festival im Werksviertel

„Hands off the Wall“-Festival geht in München in die zweite Runde.
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„Hands off the Wall“-Festival geht in München in die zweite Runde.
  • VonKatrin Hildebrand
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Am Freitag und Samstag, 30. und 31. Juli, findet im Werksviertel in München das Street-Art- und Graffiti-Festival „Hands off the Wall statt“. Hallo hat mit der Gründerin gesprochen.

Haidhausen - Bayerns Landeshauptstadt gilt als Wiege der deutschen Graffiti-Szene. Seit 2020 bildet sie auch – von vielen völlig unbemerkt – ein Zentrum weiblicher Street Art: Zum zweiten Mal gastiert nun das „Hands off the Wall“-Festival im Werksviertel.

Daran nehmen insbesondere Frauen teil – aus den verschiedensten Ecken Europas und darüber hinaus. Am Freitag und Samstag, 30. und 31. Juli, gestalten sie jeweils von 9 bis 22 Uhr vor Ort über 20 Wände – Zuschauer aller Altersgruppen sind dabei explizit erwünscht.

Begonnen hat alles 2018. Damals fand das Festival noch in Wien statt. Seine Gründerin, die Österreicherin Chinagirl Tile, heute 33 Jahre alt und auf Street-Art-Arbeiten mit Keramiken spezialisiert, wollte weibliche Straßenkunst auf diese Weise sichtbarer machen:

„Ich fragte mich oft, warum es so viele Frauen in der Szene gibt, aber in den Galerien nur die Männer gewürdigt werden. Es liegt am systematischen Sexismus. Wir werden weniger wahrgenommen als Männer.“ Das Festival hat sie gegründet, um Künstlerinnen zu fördern.

„Das Festival ist für alle da.“

Doch geht es ihr nicht nur um Frauen: „Ich bin Feministin, damit meine ich natürlich die Gleichberechtigung für alle. Das Festival ist für alle da.“ Und die meisten Leute finden es gut. Das Publikum ist in der Regel bunt gemischt. Nicht nur junge Leute schauen den Künstlerinnen zu. Im vergangenen Jahr, so berichtet Chinagirl Tile, waren an einem Tag auch viele Senioren da.

Dass „Hands off the Wall“ 2020 nach München zog, lag am hiesigen Graffiti-Künstler Loomit. Der zählt zu den Größen der Szene und war 1985 einer von sieben Sprayern, die in Geltendorf nachts und natürlich unerlaubt eine S-Bahn besprühten. Diese Bahn gilt als erster großflächig mit Graffiti geschmückter Zug Deutschlands und wurde wie die beteiligten Sprüher zu Legende.

Und eben dieser Loomit machte Chinagirl Tile vor ein paar Jahren ein verlockendes Angebot: „Er sagte, er habe in München tolle Wände für uns.“ Toll bedeutete nichts anderes als riesig – vor allem im Vergleich zu dem, was die Österreicherin aus ihrer Heimatstadt kennt.

„In Wien haben wir eine maximale Höhe von drei Metern. Die Wände sind auch nicht so breit.“ Im Werksviertel dagegen gibt es Kolosse von 100 Metern Länge und sieben Meter Höhe. „Bei solchen Wänden kann man einfach nicht Nein sagen.“

Gründerin von „Hands off the Wall“: Chinagirl Tile (33) aus Österreich.

Nun gibt es die mittlerweile zweite Münchner Ausgabe von „Hands off the Wall“ - mit einem ausgewogenen Querschnitt durch die Szene, wie Chinagirl Tile findet. Und daran nimmt natürlich auch wieder eine Münchnerin teil.

Beastiestylez, bekannt für ihre comichaften weiblichen Figuren, oft mit großen Augen ausgestattet und märchenhaft-mythische Kontexte gebettet, hat sich in München unter anderem unter der Donnersberger Brücke verewigt. In die Szene kam sie um das Jahr 2006 über „Crew Lock“, eine Gruppe von HipHop-Liebhabern.

Dieser ging es laut Beastiestylez darum, „legendäre und meist illegale Parties zu organisieren. Und wo Hip Hop war, war auch Graffiti nicht weit.“ Was sie beim Festival im Werksviertel an die Wand bringen wird, hält sie noch geheim. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin Chinagirl Tile würde sich die Münchnerin nicht als explizite Feministin bezeichnen.

„Meine Bilder sind unpolitisch. Ich möchte dem Betrachter ein möglichst positives Gefühl vermitteln und ihn für einen Augenblick aus der Realität entführen.“ Wenn sie Kunst macht oder beurteilt, geht es ihr eher um folgende Fragen: „Geile Farben? Geiler Style? Geile Buchstaben? Geiler Character? Geile Idee?“

Graffiti-Kunstwerk

Obwohl auch in der Street-Art- und Graffiti-Szene Frauen immer bekannter werden, ist der Sexismus in der Wahrnehmung durch das Publikum offensichtlich nicht ganz ausgeräumt. „Hands off the Wall“-Gründerin Chinagirl Tile berichtet amüsiert von einem Ereignis beim Festival im vergangenen Jahr.

Die Künstlerin Hera – sie hat sich mit ihrem Partner Akut unter anderem an der Brückengalerie am Candidplatz verewigt – stand arbeitend mit dem Kopf zur Wand, bekleidet mit Mantel und Kapuzenpulli. Ein Mann mit einem Kind näherte sich von hinten.

Als das Kind fragte, was denn dort passiere, sagte der Mann: „Der malt ein Graffito.“ Darauf drehte sich Hera zu den beiden um. Ihre trockene Antwort: „„DIE malt. Und übrigens: Männer können es auch.“

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