Flohmarkt am Grünspitz geplant

Die Schätze der Löwen

+
Unter 10 000 Raritäten sein Lieblingsstück: Ein Trikot aus der Vorkriegszeit.

Giesing – Vom historischen Trikot bis zur Kartensammlung: Sechzger-Fans zeigen in Hallo ihre 1860-Raritäten und Lieblingsstücke – und verraten die Geschichten dahinter

Er ist der König unter den Sammlern: Siegfried Nagelstutz lagert in seiner 32 Quadratmeter-Wohnung mehr als 10 000 Sammlerstücke. Ob Spielfiguren aus Plastik, Eintrittskarten, Pokale, Trikots, Gläser oder Wimpel – es gibt nichts, was der 51-Jährige nicht in seiner Privatsammlung hat. 

Sigi Nagelstutz bewahrt sogar die Pokale des Vereins auf.

Er ist Herr des inoffiziellen TSV 1860-Museums – das auch Vereinspräsidenten, Spieler und Fans schon besucht haben. Immer, wenn es etwa eine Ausstellung gibt, wie beim 150. Jubiläum, leiht er dem Verein seinen Fundus. Das geht sogar so weit, dass er die Pokale des Fußballvereins aufbewahrt. 

„Einer muss es ja machen“, sagt Nagelstutz und schimpft ein bisserl über den TSV. „Er nennt sich zwar Traditionsverein, aber er hebt einfach nichts auf.“ Deswegen sammelt Nagelstutz alles, was ihm unterkommt, etliches hat er auch geschenkt bekommen. 

Wo andere Gemüse schnippeln oder brutzeln, da stehen bei ihm Ordner voller Löwen-Karten und Zeitungen. „Kochen kann ich hier nicht“, sagt er. Gut, dass seine Frau zwei Etagen höher wohnt, bei ihr kocht er. 

Selbst auf seinem Körper hat er den TSV verewigt: Sieben Tattoos hat er den Löwen gewidmet. Sein Liebling unter allen Stücken: ein historisches Trikot aus der Vorkriegszeit.

von Hanni Kinadeter

Fanartikel gesucht

Der Flohmarkt und Tauschmarkt soll am Samstag, 27. April, von 10 bis 18 Uhr am Grünspitz beim Stadion stattfinden. „Der Tag ist Spieltag, dann können die Fans vorbeischauen“, sagt Agnes Maria Forsthofer von „Kulturverstrickungen“, die den Flohmarkt organisiert. Etliche Fans haben zugesagt, dass sie kommen. Die Krux dabei: „Viele wollen halt ihre Sachen nicht verkaufen.“ Deswegen hofft sie darauf, noch mehr Verkäufer zu finden und startet einen Aufruf. „Ich hoffe auf eine Giesinger Oma, die Witwe ist und noch die Fanartikel von ihrem Mann hat.“ Einige Zusagen hat sie, aber komplett voll ist der Markt noch nicht. Wer Raritäten loswerden will, meldet sich unter info@­kulturverstrickungen.de

Selbstgestrickter Schal

Dieses Spiel wird Michael Franke (53) nie vergessen: „Ohne das Spiel wäre ich heute nicht der, der ich bin.“ Das Ticket hat er aufgehoben wie viele andere Karten und Zeitungen.

Samstag, 4. Juni 1977, 15.30 Uhr, Entscheidungsspiel zum Aufstieg in die Bundesliga, 4 DM – das steht auf der Eintrittskarte, die Michael Franke in Richtung Kamera streckt. „Dieses Spiel werde ich nie vergessen“, sagt er heute. „Ohne das Spiel wäre ich nicht zu dem geworden, der ich heute bin.“ Gewiss war es nicht das erste Stadionspiel, das er besucht hat. 

Aber: „Nach der 0:4-Niederlage im Hinspiel war es aussichtslos. Doch dann drehten die Spieler das Blatt im Rückspiel komplett! Es war unglaublich.“ Damit erzwangen sie ein Entscheidungsspiel. 

Wer einmal so ein positives Fan­erlebnis hat, der bleibt dabei, ist der Großhaderner überzeugt. Seit jenem Tag im Frühsommer sammelt er jede Eintrittskarte, hunderte stapeln sich bei ihm zuhause, ebenso wie Zeitschriften und Wimpel. Sein ganzes Taschengeld sparte er als Bub, um den Eintritt ins Stadion zu bezahlen. 

„Früher gab es ja keine Merch-Artikel“, sagt der 53-Jährige. Deswegen strickte ihm die Oma einen blauweißen Schal mit Taschen. „Heute ist das ja ein regelrechtes Geschäftsmodell.“ Auch für ihn steht fest: „Am Flohmarkt werde ich nichts verkaufen – aber ich gehe hin und schaue, was es gibt.“

Der inoffizielle Archivar des Vereins

Oliver Buch (51) sammelt, seit er das erste Mal im Stadion war.

Eintrittskarten aus den 30er-Jahren, Anstecknadeln, Programme und Autogrammkarten aus den vergangenen Jahrzehnten – Oliver Buch hat sie alle. Wie viele Sammlerstücke er besitzt, das kann er gar nicht genau sagen. „Tausende“, sagt er und lacht. 

Besonders stolz ist Oliver Buch auf ein Ticket von 1931.

Seit er das erste Mal im Stadion war, hat der 51-Jährige alles aufgehoben, was mit 1860 zu tun hat. Besonders stolz ist er auf ein Ticket von 1931. „Das war das allererste Endspiel für die Deutsche Meisterschaft, bei dem ein Münchner Verein teilgenommen hat – das war Sportgeschichte.“

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neue München-Doku: Vom Baden im Bach zum WC im Wohnzimmer
Neue München-Doku: Vom Baden im Bach zum WC im Wohnzimmer
Maximilianeum: Zu Besuch in Bayerns prunkvollstem Studentenwohnheim
Maximilianeum: Zu Besuch in Bayerns prunkvollstem Studentenwohnheim

Kommentare