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Birgit Kober über Schicksalsschläge und ihre Karriere

Ihr Ziel? – Gold in Tokio

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Birgit Kober aus dem Münchner Osten, Europameisterin im Kugelstoßen, trainiert jetzt schon hart für die Paralympics 2020 in Tokio.

Giesing – WM, Weltrekord oder EM: Birgit Kober hat alle Titel geholt – nun rüstet sie sich für die Paralympics 2020 – Hallo hat sich mit der Spitzensportlerin getroffen

Ihre Biografie klingt wie der Stoff für einen Roman. Birgit Kobers Leben ist geprägt von Schicksalsschlägen, Höhenflügen, Erfolgen, Krankheit und Größe. Schon als Kind begeistert sich die gebürtige Müncherin für Sport und trainiert Leichtathletik. Mit 16 Jahren verliert sie wegen einer Antibiotikum-Behandlung beinahe ihr Gehör. Auf einem Ohr ist Kober seither taub. Doch es kommt schlimmer.

2007, Kober schreibt gerade ihre Magisterarbeit, erkrankt die Mutter plötzlich und stirbt. Kurz darauf erleidet Kober, damals 35 Jahre alt, einen epileptischen Anfall. Es sind nur wenige Sekunden, die ihr Leben für immer verändern werden: Im Klinikum verwechselt eine Krankenschwester die Einheit Milligramm und spritzt Kober eine Medikamenten-Überdosis gegen den Anfall. Kober erleidet eine Hirnschädigung. Sie verliert ihr Gefühl in den Füßen und ihren Gleichgewichtssinn, kann bis heute eine Hand nicht mehr zur Faust ballen, hat eine Spastik und ist auf einen Rollstuhl angewiesen.

„Ich bin der Krankenschwester nicht böse“, sagt sie heute mit brüchiger Stimme, Tränen schießen ihr in die Augen. „Ich weiß, dass solche Fehler passieren können und ich meine das auch so.“ Nur manchmal wünscht sie trotzdem, es wäre anders gekommen. Zwölf Jahre ist dieser schwarze Tag in ihrem Leben nun her.

Nach dem Behandlungsfehler setzt man sie im Rollstuhl in die Wohnung ihrer verstorbenen Mutter. „Ich wusste erstmal gar nicht, was ich machen sollte.“ Bis sie eine Kugel entdeckt, mit dem Rollstuhl in die Tiefgarage fährt und anfängt, zu trainieren. „Der Sport hat mir geholfen“, sagt sie. Weil es bei ihrem Heimatverein keine Behindertensportabteilung gibt, gründet sie kurzerhand selbst eine.

Heute leitet Kober die Behindertensportabteilung beim TSV 1860 und trainiert andere Menschen mit Behinderung. Sie ist für etliche Wettkämpfe angetreten – von WM über EM, Paralympics und natürlich auch bei den Deutschen Meisterschaften. Sie wurde zur Behindertensportlerin des Jahres gekürt, mit dem Bayerischen Sportpreis ausgezeichnet und hat mehrere Weltrekorde aufgestellt – zuletzt im vergangenen Jahr, als sie beim Kugelstoßen 11,79 Meter weit geworfen.

13 Goldmedaillen hängen bei ihr zuhause in einer Glasvitrine, daneben zwei Fotowände mit Bildern von den Paralympics in Rio und in London „Klar bin ich stolz“, sagt sie und lächelt. Denn es ist etwas Großes, das sie erreicht hat. Heute jettet die renommierte Sportlerin um den Globus – gerade erst kehrte sie aus Dubai zurück, nächste Woche trainiert sie in Portugal. Tokio, Paris und die WM in Dubai stehen heuer noch an.

Kober kennt Sportler auf der ganzen Welt, engagiert sich für Behinderte in Afrika, in einer kirchlichen Gemeinschaft und neben dem Sport schlägt ihr Herz vor allem für Eines: Tiere. Vier Katzen leben in ihrer Wohnung im Münchner Osten. Sie hat alle auf Sportreisen entdeckt, vor dem Tod gerettet und mit nach Hause genommen. „Ich will die Welt nicht verbessern – aber was ich im kleinen tun kann, mache ich“, lautet das Credo, das ihr Leben bestimmt.

Hanni Kinadeter

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