Stadt will sparen

Kostendeckel für Sanierung am Gasteig ‒ Weitere Einsparungen in Verwaltung der Stadt München geplant

Der Entwurf des Architektenbüros Henn zeigt, wie der Gasteig aussehen soll.
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Der Entwurf des Architektenbüros Henn zeigt, wie der Gasteig aussehen soll.

Im Februar 2022 sollen die Bauarbeiten am Gasteig in Haidhausen beginnen. Jetzt hat die rot-grüne Rathauskoalition beschlossen: Bei der Sanierung muss gespart werden.

  • Die Sanierung des Gasteigs ist umstritten.
  • Die Stadt München will Kosten sparen.
  • Das Interimsgebäude in Sendling soll nicht betroffen sein.

Update: 12. November 2020

Die rot-grüne Rathauskoalition hat beschlossen: Bei der Gasteig-Sanierung muss gespart werden. Die Ausgaben dafür sollen 450 Millionen Euro nicht überschreiten.

Zwar war diese Zahl bereits vor Monaten als Gesamtpreis für die Sanierung genannt worden – inzwischen sind die Kosten jedoch auf ganze 536 Millionen Euro angestiegen.

Darin nicht enthalten ist das Interimsgebäude in Sendling, dessen Kostenfaktor inzwischen bei 150 Millionen Euro liegt – und früher mit 112 Millionen Euro beziffert war. Grund für die Mehrausgaben sind die höheren Betriebskosten am neuen Standort.

In Sendling soll nicht gespart werden – hier sind die Planungen und Bauarbeiten bereits zu weit fortgeschritten. Stattdessen sollen Stadtverwaltung und Gasteig bis Dezember Vorschläge einreichen, wie die Kosten beim Umbau in Haidhausen um 15 Prozent reduziert werden können.

Beim Gasteig-Interim in Sendling soll nicht mehr gespart werden. Hier sind die Arbeiten schon deutlich vorangeschritten: Im Oktober hat das Richtfest stattgefunden.

An welchen Punkten genau gespart werden soll, dazu will sich die rot-grüne Rathauskoalition noch nicht äußern. „Wir schauen, was wir an Vorschlägen zurückbekommen und treffen dann eine Entscheidung“, sagt Julia Schönfeld-Knor (SPD/Volt) bei einer Pressekonferenz, zu der die Koalition geladen hatte.

Julia Schönfeld-Knor.

Gespart werden soll nicht nur am Mammut-Bauprojekt Gasteig-Sanierung

Zeitgleich soll die Stadtverwaltung effizienter gemacht werden. In einem Antrag schlägt die Koalition daher vor, die bestehenden Büroarbeitsplätze der Stadt nun 15 Prozent zu reduzieren sowie die Mietkosten für Büros um 20 Prozent zu senken.

Hintergrund ist: „Wir wollen das Homeoffice fördern“, sagt Florian Roth (Grüne).

Florian Roth

Eine Befragung unter 9000 Beschäftigten der Stadt habe ergeben, dass die große Mehrheit davon, nämlich 90 Prozent, mit dem Homeoffice sehr zufrieden sei. Außerdem soll auch der Schlüssel, wie viele Mitarbeiter von einem Personaler betreut werden, dem bundesweiten Durchschnitt angepasst werden.

Denn: Während bundesweit in Kommunen ein Personaler durchschnittlich für 74 Beschäftigte zuständig ist, kommen in München auf einen nur 44 Beschäftigte. Gleiches gelte auch für IT-Abteilungen, die derzeit auf mehrere Standorte verteilt sind.

Grund für die Einsparungen sind nicht nur die Auswirkungen der Corona-Krise. „Bis 2025, 2026 sind Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro geplant“, sagt Hübner. „Um das stemmen zu können, benötigen wir auch wieder einen Überschuss im laufenden Geschäft.“

Anne Hübner (SPD).

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Sitzung zur Sanierung am Gasteig: Was der BA fordert und was mit der Kindervilla geschehen soll

Update: 02. Oktober 2020

Nun hat sich der BA Au-Haidhausen mehrheitlich auf mehrere Anträge geeinigt. „Wir fordern, dass auf den Dächern Solaranlagen errichtet werden, das ist auch keine Frage des Budgets, sondern ein Muss“, sagt BA-Chef Jörg Spengler (Grüne) gegenüber Hallo.

BA-Chef Jörg Spengler in Au-Haidhausen von den Grünen.

Zwar sehe das Konzept, das ein Team des Gasteigs in der Sitzung vorstellte, eine Begrünung der Dächer vor – „was wir gut finden, uns aber nicht reicht“, berichtet er. Auch die generelle Forderung, dass die Sanierung klimaneutral gehalten werden soll, wurde verabschiedet.

Die Forderung der SPD, konsumfreie, öffentliche Räume unter anderem auf der Dachterasse bereit zu stellen, fand sich im Gasteig-Konzept ohnehin wieder.

Uneinigkeit herrscht indes darüber, wie es in den kommenden fünf Jahren für die Kindervilla in der Kellerstraße weitergehen soll (Hallo berichtete). „Wir sind uns natürlich einig, dass wir die Kita erhalten wollen“, sagt Spengler. Jedoch sei unklar, ob die Kindervilla während der Bauphase überhaupt dort bleiben wolle.

Ein möglicher Interimsstandort in Ramersdorf sei nicht für alle ideal und im Viertel selbst gebe es kein passendes Ausweichquartier. Daher sollen demnächst Gespräche mit den Betreibern der Kindervilla stattfinden.

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Solaranlagen auf dem Gasteig? BA plant Sondersitzung zur Sanierung des Mammutprojekts

Erstmeldung: 10. September 2020

Die Sanierung des Gasteigs ist eines der Mammutprojekte, die im Viertel demnächst anstehen. Im Herbst will der Stadtrat über den Umfang der geplanten Generalsanierung entscheiden. Für den Bezirksausschuss Au-Haidhausen Anlass, um zu einer öffentlichen Sondersitzung im Viertel einzuladen (s.unten). 

„Es kann nicht sein, dass ein so großes Bauprojekt geplant wird, ohne ökologisch zu sanieren“, steht für den Solarbeauftragten des BAs, Franz Klug (Grüne), fest. Er fordert daher, Solaranlagen auf dem Dach des Gasteigs zu installieren, die Bäume am Gelände zu erhalten und eine Fassadenbegrünung einzuplanen. 

Sanierung des Gasteigs - Ein umstrittenes Mammutprojekt

Mit der Kritik an der derzeitigen Planung ist der Viertelpolitiker nicht allein: Auch Lena Sterzer, BA-Vizin (SPD), will die Kastanien erhalten. Wichtig ist ihr aber vor allem eines: „Die Verkehrssituation für die Anwohner muss berücksichtigt und der Betrieb der Kindervilla aufrecht erhalten werden.“ Immer wieder hatten vor allem Anwohner aus der Kellerstraße über Be- und Entladungsverkehr bis in die Nacht hinein geklagt. Die Kindervilla fürchtet ein Aus wegen der Sanierung (Hallo berichtete). Die Kinder- und Jugend­bibliothek solle im Viertel erhalten bleiben, wenn es nach Sterzer geht. 

Kritik übte auch die Anwohnerschaft immer wieder, etwa Richard Forward und seine Ehefrau, die einen „Eventtempel“ im Viertel fürchtete. „Wir wollen unsere Interessen in der Sondersitzung noch einmal vertreten“, kündigte Forward an. 

Sondersitzung: Montag, 28. September, um 18 Uhr in der Philharmonie, Rosenheimer Straße 5

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Gasteig – ein Eventtempel?

Erstmeldung: 04.02.2020

Im Vergleich zur Bürgerversammlung 2017 – der Saal im Hofbräukeller war derart überfüllt, dass die Versammlung verschoben wurde und draußen protestierten die Bürger scharenweise – war die Versammlung ziemlich ruhig. Aber auch diesmal gab es Reizthemen, die polarisierten, das größte darunter: Der Gasteig. 

Noch während BA-Chefin Adelheid Dietz-Will (SPD) ihren Vortrag über die aktuellen Projekte im Viertel hielt, rief eine Bürgerin dazwischen: „Warum wird der Gasteig nicht abgerissen, der ist doch scheußlich!“ Dietz-Will indes lobte die Pläne ausführlich. Kritik ernteten die Pläne allerdings auch von Anwohnerin Christina Opp-Forward. Sie fürchtet, der Gasteig werde ein „Eventpalast“. „Brauchen wir wirklich so eine Schickeria-Fassade“, fragte sie. Gegen die Scheiben würden nur Vögel prallen, im Sommer stehe die Glasfront direkt in der prallen Sonne – „und innen muss dann gekühlt werden.“ Die Haidhauserin beantragte, der Stadtrat möge eine „bescheidene und umsichtige Sanierung“ beschließen. 

Zunächste erntete sie Beifall und Jubel. Doch später wurde ihr Antrag abgelehnt. Grund dafür war möglicherweise auch das leidenschaftliche Plädoyer von Gasteig-Sprecher Michael Amtmann. Er geriet regelrecht ins Schwärmen, als er von der Dachterrasse sprach. „Die schönste Aussicht Münchens“, finde man dort. Ein Anblick, den er mit Münchnern und Touristen teilen will. Deswegen solle die Terrasse geöffnet werden und dort Gastronomie entstehen. „Der Gasteig ist das größte Kulturzentrum Europas“, betonte Amtmann. „Wir sind sehr stolz, der Gasteig ist absolut einzigartig.“ 

Zwischen 6000 und 10 000 Besucher strömen täglich in den Gasteig, die größte kommunale Bibliothek Deutschlands befinde sich dort. Die Sanierung soll vor allem das bringen: eine offene Architektur zur Stadt sowie eine Struktur, die die interne Zusammenarbeit fördert. 

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