Grenzenlose Liebe

„Früher war ich ihr Mann, nun ihre Frau“ – eine hollywoodreife Liebesgeschichte zum Valentinstag

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Äußerlich kaum vorstellbar, aber Patricia Schüttler (links) war früher ein Mann. Nicht verändert hat sich allerdings die Ehepartnerin. Sie habe sich in den Menschen verliebt, nicht in den Mann, betont Partnerin Sandra.

Ihre große Liebe hielt auch, als nach 20 Jahren aus Patrick Patricia wurde. Eine hollywoodreife Liebesgeschichte, an der uns die Forstenriederin passend zum Valentinstag teilhaben lässt...

Bogenhausen – Diese Münchner Liebesgeschichte klingt wie ein Hollywood-Märchen. Drama, Tiefen, Höhen – und ein wenig unrealistisch. Die beiden sind seit 30 Jahren ein Paar, haben sich als Teenies kennen und lieben gelernt, geheiratet, sind nach München gezogen – und heute noch immer ein Liebespaar. 

Nur: Früher waren sie Ehemann und Ehefrau, heute sind sie beide Ehefrau. Tiefschwarze Wimpern klimpern, mit einem Schwung fliegt die blonde Mähne über die Schulter, am Hals funkelt ein kleines Herz. So ist Patricia Schüttler heute. Zumindest nach außen. 

Nicht im falschen Körper geboren

„Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich noch immer das.“ Patricia scrollt übers Handy, findet die passenden Fotos. Darauf zu sehen: Ein Mann mit dunklen Bartstoppeln. Ein Mann in Bundeswehr-Uniform. Ein Mann mit seiner Frau im Arm. 

Schüttler ist als Mann geboren worden, auch wenn sie das lieber anders ausdrückt: „Ich bin nicht im falschen Körper geboren. Ich habe mich nur mit dem Geschlecht, das mir bei der Geburt zugeteilt wurde, nicht identifiziert.“ 

Schon in jungen Jahren habe Patricia Schüttler gespürt, dass sie sich mit ihrem Geschlecht nicht identifiziert. Doch sie wollte dieses Gefühl nicht. Erst nach 20 Jahren stellt sie fest:. „Ich kann so nicht weitermachen.“ 

Gespürt hat sie das irgendwie schon immer, auch wenn sie nicht wusste, was los war. „Ich habe als Kind den Schwimm-Unterricht geschwänzt, das gemeinsame Umkleiden gehasst“, erzählt sie. 

Und ja, auch ein Klischee, aber es war so: „Ich war als Kind viel allein und habe die Chance schon damals genutzt, an Mamas Schrank zu gehen und die Kleider anzuprobieren.“ Doch Patricia Schüttler wollte dieses Gefühl nicht. 

„Ich habe gehofft, es wächst sich aus und hört auf.“ Sie geht deswegen sogar zur Bundeswehr. Erst Jahre später, nach 20 Jahren Ehe mit ihrer Partnerin, stellt Patricia Schüttler fest. „Ich kann so nicht weitermachen.“ 

Sie hat den Menschen geheiratet, nicht den Mann. 

Sie wartet bis kurz vor Weihnachten, beschreibt ihre Gefühle und Gedanken in einer langen E-Mail und schickt sie ihrer Frau. Schüttler, damals Zahnarzt mit eigener Praxis nahe des Rotkreuz­platzes, war überzeugt: „Das war’s.“ Aber es sollte anders kommen. 

Für Sandra, ihre Frau, stand fest: Sie hat den Menschen geheiratet, nicht den Mann. Und an der Liebe für diesen Menschen hat sich nichts geändert. „Heute witzelt sie manchmal, dass ich sie ‚zwangsverlesbischt‘ habe“, sagt Patricia Schüttler und lacht. 

Die beiden leben in Forstenried, viel geändert habe sich nicht. „Das sagt meine Frau zumindest immer“, erzählt Schüttler, die mittlerweile in der chirurgischen Lubos-Klinik in Bogenhausen tätig ist. 

Patricia hat vor knapp fünf Jahren damit begonnen, ihr Geschlecht anzugleichen. Ihre Partnerin Sandra hielt immer zu ihr – bis heute.

Wurden dort 2010 an etwa 80 Patienten geschlechtsangleichende Eingriffe vorgenommen, waren es 2019 über 1000 solcher Operationen an über 400 Patienten, erklärt Dr. Oliver Markovsky, Chefarzt des dortigen Transgenderzentrums. 

Schüttler begleitet viele der Patienten bei diesem großen Schritt. Am Valentinstag kommt sie dort selbst noch einmal unters Messer – eine Korrektur. Schlimm ist das für sie nicht. „Früher habe ich meiner Frau am Valentinstag immer Blumen geschenkt“, sagt sie. 

„Aber heute ist das für uns kein besonderes Datum – eigentlich ist jeder Tag wie Valentinstag. Und bei einem ist sie sicher: „Egal, wie viel meine Frau zu tun hat – sie besucht mich immer im Krankenhaus.“ Vielleicht ja mit Blumen. 

H. Kinadeter

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