Eine Tafel für Schüchterne

Fasangarten: Engagierte Bürger wollen Lebensmittel für Bedürftigen nach Hause liefern

Ines Keller (links) und Carmen Nolte mit einem Kofferraum voller Lebensmittel für Menschen in Obergiesing-Fasangarten, die nicht viel Geld haben.
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Ines Keller (links) und Carmen Nolte mit einem Kofferraum voller Lebensmittel für Menschen in Obergiesing-Fasangarten, die nicht viel Geld haben.

Aus Scham und Angst trauen sich manche Hilfsbedürftige nicht zur Tafel, obwohl sie berechtigt wären. Die Foodsaverin Carmen Nolte möchte im Fasangarten einen Bringdienst einrichten.

Fasangarten - Carmen Nolte kennt die zwei Frauen nicht. Aber sie sorgt jede Woche für sie. Regelmäßig holen Nolte oder ihre Mitstreiter übriggebliebenes Essen vom Supermarkt ab, bringen es in die Apotheke in der Minnewitstraße und fahren wieder heim.

Irgendwann tauchen dort dann die zwei Frauen auf und nehmen die Lebensmittel mit. Anonym, ohne ihre Versorgerinnen zu treffen. Nur die Apothekerin weiß Bescheid.

„Viele Menschen gehen nicht zur Tafel für Bedürftige“, erklärt Nolte. „Sie haben zwar einen Berechtigungsschein, aber schämen sich für ihre Armut, haben Angst, dort gesehen zu werden.“ Nolte ist Foodsaverin, auf Deutsch Lebensmittelretterin.

Sie hat in diesem Bereich eine Ausbildung gemacht und erkennt, ob abgelaufene oder verschmutzte Lebensmittel noch genießbar sind. Mit ihrer Gruppe „Foodsaving Obergiesing“ bewahrt sie seit etwa sechs Jahren Nahrung, die noch gut ist, vor dem Müll.

Gründung von gemeinnützigem Verein

Nun will die engagierte 38-Jährige ihre Dienste für Menschen ausbauen, die sich nicht zur Tafel trauen, aber auch für solche, denen der Weg dorthin aus körperlichen Gründen unmöglich ist. „Ich denke, dass es hier mehrere solcher Fälle gibt. Gerade in jetziger Zeit kommt noch die Angst vor Corona hinzu, was die Situation verschärft.“

Mit engagierten Freunden und Bekannten, insgesamt etwa 20 Leuten, will Nolte bald einen gemeinnützigen Verein gründen, der Bringdienste für Bedürftige in der Umgebung anbietet. Alles ehrenamtlich. „Wir könnten dann Sponsoren gewinnen und uns etwa Lastenräder anschaffen.“

Ihren wichtigsten Sponsoren hat die Gruppe seit einigen Jahren: einen Supermarkt im Fasangarten. Filialleiterin Ines Keller steht hinter dem Projekt: „Wir wissen, dass es viele Bedürftige gibt und arbeiten auch mit der Tafel und anderen Organisationen zusammen.“

Informationen für Bedürftige

Wer die Dienste von Nolte, Keller und den anderen Helfern in Anspruch nehmen will, kann sich in der ABC Apotheke in der Minnewitstraße oder beim Hit am Auguste-Kent-Platz einen Infoprospekt mit den Kontaktdaten holen. Nolte ist zudem unter der Telefonnummer 92 56 86 48 erreichbar. 

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