Die Giesinger Schlacht lebt auf

Ende der Räterepublik: 100 Jahre später werden die Kämpfe reinszeniert

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In der Räterepublik setzten sich Revolutionäre für Grundrechte ein. Tine Hagemann (von links), Manuel Boecker und Dorothea Schröder gedenken ihrer nun.

Dorothea Schröder organisiert mit ihren Mitstreitern einen Marsch durch Giesing – um der Gefallenen der Straßenkämpfe zu gedenken, die für ihre Grundrechte kämpften. Wie sie das schaffen wollen...

Obergiesing – Die Revolution endete in einem Blutbad. Während die Freikorps wüteten und am ersten Mai 1919 München einnahmen, harrten die Revolutionäre in Giesing länger aus. „Giesing war die letzte Bastillon“, sagt Dorothea Schröder. „Hier endeten die Schlachten einen Tag später.“

Um der etlichen Gefallenen zu gedenken – die Zahl der Todesopfer in München bewegt sich Experten zufolge zwischen 580 und 2000 – veranstaltet Schröder mit ihren Kollegen ein „Reenactment der Giesinger Schlachten“, pünktlich zum 100. Jahrestag an dem die bayerische Räterepublik blutig niedergeschlagen worden war.

Das Reenactment ist der Abschluss einer städtische geförderten Veranstaltungsreihe, die das Team „Aka Nyx“ seit November organisierte. „Wir wollen an die Geschichte erinnern und den Orten und den Gefallenen Denkmäler widmen“, sagt Schröder, die das Projekt leitet.

Am Samstag, 4. Mai, will die Gruppe durch Giesing ziehen und zeigen, wo das Viertel Schauplatz der brutalsten Kämpfe wurde: entlang der tegernseer Landstraße, um die Heiligkreuzkirche herum und beim Ostfriedhof.

Die Giesinger konnten der Belagerung unter anderem wegen ihrer ausgefeilten Strategie so lange standhalten, berichtet Schröder. Denn die Rotgardisten sind sogar in die Kanalisation abgestiegen, um an anderer Seite wieder zuzuschlagen.

Brutale Freikorps stürmten die Häuser in Giesing

Alle, die als Revolutionäre galten, oder einfach nur irgendwie verdächtig erschienen, befanden sich damals in Lebensgefahr. „Es galt das Standrecht – sprich: die weißen Freikorps durften erschießen, wen sie für verdächtig hielten“, sagt sie. „Ganz ohne eine gerichtlichen Prozess.“ Die Korps stürmten etwa Giesinger Häuser und fragten die Kinder, wer nicht zum Haushalt gehörte. „Kinder lügen halt nicht und haben erzählt, wer nicht zur Familie gehört“, erzählt Schröder. Für den Betroffenen ein Todesurteil.

Wie genau die Gruppe „Aka Nyx“ die Giesinger Schlachten darstellen wird, das will die Projektleiterin nicht veraten. Nur so viel: „Es soll auf jeden Fall theatralisch werden. Wir beginnen mit lautem Krach und werden dann immer leiser“, sagt sie. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Ostfriedhof. „Dort wurden alle Leichen hingebracht – sowohl von den Weißen als auch von den Roten“, berichtet sie. Die Angehörigen konnten dann nach vermissten Verwandten suchen.

Hanni Kinadeter

Samstag, 4. Mai, 18 Uhr, Treffpunkt vor dem Kulturzentrum Giesinger Bahnhof, Giesinger Bahnhofplatz 1, Eintritt frei; Anmeldung unter: www.aka-nyx.de

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