Bahn erteilt Tunnel-Absage

Umstrittenes Großprojekt des Münchner Nordostens: Bürger verärgert über DB-Empfehlung

Die Initiative sammelt Unterschriften für ihre Forderungen: einen Tunnel für den Gleisausbau, eine bessere Anbindung des Nordostens sowie einen Nordring.
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Die Initiative sammelt Unterschriften für ihre Forderungen: einen Tunnel für den Gleisausbau, eine bessere Anbindung des Nordostens sowie einen Nordring.

Das umstrittene Großprojekt des Münchner Nordostens ist heute im Mobilitätsausschuss der Stadt. Bürger sind über die DB-Empfehlung verärgert. Die Stadt hält an einer unterirdischen Erweiterung weiterhin fest...  

Bogenhausen – Ein echtes Aufregerthema steht beim Mobilitätsausschuss der Stadt am heutigen Mittwoch auf der Tagesordnung: Die Bahnstrecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen soll ausgebaut werden. Derzeit verlaufen dort zwei Gleise, in Zukunft sollen es vier werden – weil dort mehr Güterzüge sowie eine Express-Bahn zum Flughafen fahren sollen.

Während Stadt und Anwohner einen Tunnel fordern, hat die Bahn nun bekannt gegeben, dass sie diesen ablehnt und stattdessen ebenerdige Gleise favorisiert. Die DB Netz hält das für die beste Lösung, unter anderem, weil es die günstigste ist. Die Kosten dafür sollen 893 Millionen betragen.

Zum Vergleich: Der Tunnel, den Anwohner, Bürgerinitiativen, der Bezirksausschuss und nicht zuletzt Stadtrat und Oberbürgermeister Dieter Reiter bevorzugen, soll 2,4 Milliarden Euro kosten. Die Bahn will nur die ebenerdige Variante intensiv untersuchen.

Bund finanziert nur die günstigste Lösung

Eine genaue Vorplanung zum Tunnel müsste die Stadt selbst bezahlen – das Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereits mitgeteilt. Der Bund werde demnach nur die günstigste Lösung finanzieren.

Die SPD hat schon vor dem Mobilitätsausschuss bekannt gegeben: Sie befürwortet es, eine alternative  Untersuchung für eine Tunnellösung mit zu finanzieren, wenn der Mobilitätsausschuss am Mittwoch zustimmt. 

Die Kosten dafür liegen bei sechs Millionen Euro. Auch die früherer BA-Chefin aus Bogenhausen, Angelika Pilz-Straßer, die inzwischen Grünen-Stadträtin ist, hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für einen Tunnel ausgesprochen – ebenso wie ihre BA-Kollegen.

Bürgerinitiative und Verwaltung fordern eine gründlichere Untersuchung

Klaus-Walter Kroell, Vorsitzender der Daglfinger Bürgerinitiative „Bahntunnel jetzt“ , würde das begrüßen. „Wir kämpfen seit Jahren für einen Tunnel“, sagt er. „Die Bahn hat uns alle vor den Kopf gestoßen“, ärgert er sich. Die Initiative sammelt Unterschriften für ihre Forderungen: einen Tunnel für den Gleisausbau, eine bessere Anbindung des Nordostens sowie einen Nordring.

„Und wir sind im permanenten Gespräch mit der Politik“, sagt Kroell, der bereits beim parlamentarischen Staatssekretär in Berlin vorgesprochen hat und sich demnächst im Landtag für die Belange seiner Bogenhauser Mitstreiter einsetzt.

Auch die Verwaltung hält eine gründlichere Untersuchung für sinnvoll: Sie bemängelt in ihrer Vorlage unter anderem, dass die Bahn den Baugrund nicht untersucht, sondern lediglich Annahmen dazu getroffen hat. Diese Annahmen sind aber mitunter ein Grund dafür, das sowohl Tunnel als auch Trog um ein Vielfaches teurer wären.      

Zweites Projekt: Kurven und Spange

Die Bahn will nicht nur die Strecke nach Johanneskirchen ausbauen, sondern plant drei weitere Projekte im Osten: Die Daglfinger Kurve, die Truderinge Kurve und die Truderinger Spange.

Die Spange meint einen zwei­gleisigen Ausbau der Strecke zwischen Trudering und Dagl­fing, die Kurven sollen mehr Verkehr möglich machen – vor allem für die Güterzüge, die über den viergleisigen Ausbau kommend weiter in den Süden fahren sollen. Die SPD/Volt-Stadtratsfraktion teilt nun verärgert mit:

„Das Bundesverkehrsministerium wollte schon vor Wochen eine Entscheidung für eine der drei Varianten veröffentlichen – ohne Rücksprache mit der Stadt zu halten.“

Bürgerinitiative „Bahntunnel Jetzt“ – Podiumsdiskussion nun verschoben

Die Pläne der Bahn sehen den Bau einer Daglfinger (in der Grafik rot) und einer Truderinger Kurve (orangefarben) vor. Für die Variante, die die DB vorschlägt, müsste der Hachinger Bach in ein unterirdisches Rohr verlegt werden.

Nach Protest von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) habe das Ministerium den Plan zurück gezogen. „Bis dato fehlten der Landeshauptstadt jegliche prüfbare Unterlagen. Ebenso hat die Bahn entgegen aller Ankündigungen die Bürger am Verfahren nicht beteiligt“, echauffiert sich die Fraktion weiter.

BI-Chef Klaus-Walter Kroell empfindet das Verhalten der Bahn als „arrogant“. „Die Bahn ignoriert einfach alles“, ärgert er sich. Auch die Stadt fordert weiterhin eine Beteiligung der Bürger. Schon vor dem Mobilitätsausschuss des Stadtrats hat die SPD/Volt-Fraktion verkündet, dass sie die von der Bahn vorgelegten Untersuchungen nicht akzeptiert.

Stattdessen verlangt sie weitergehende Analysen, die dem Stadtrat vor einer endgültigen Entscheidung präsentiert werden sollen. Ausgerechnet die Studien, die die Belange der Bürger – die Sorge um Lärm und Erschütterungen durch den stärkeren Schienenverkehr – betreffen, seien unzureichend.

 hki

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