Architekten sollen Ideen in einem offenen Wettbewerb einreichen

Neuer Rückenwind für SEM-Nordost: Nun doch grünes Licht für Münchens neues Mega-Viertel?

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Mega-­Baustelle: So sieht es gerade im neuen Viertel Freiham aus – bald auch im Münchner Nordosten?

München – Die Stadt braucht dringend neuen Wohnraum: Dieser soll dank SEM im Münchner Nordosten entstehen – zu Ärger vieler Anwohner. In einem offenen Wettbewerb sollen jetzt erste Gestaltungsideen reifen 

Platz für Pferde, einen Badesee und 30 000 Bewohner: Das soll das neue Viertel im Münchner Nordosten vereinen. Der Stadtrat hat nun den Startschuss für den Ideenwettbewerb gegeben – treibt somit das umstrittene Projekt der Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) im Nordosten voran. EU-weit wird in einem offenen, zweistufigen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb ein Siegerentwurf gesucht. Dem Beschluss gingen Proteste von Bürgern und zahlreiche Änderungsanträge der Viertelpolitik voraus (Hallo berichtete).

Der Eckdatenbeschluss schreibt für den Wettbewerb vor, dass Baumöglichkeiten für verschiedene Einwohnerzahlen zwischen 10 000 und 30 000 dargestellt werden. Die Politik will aus den Fehlern bei früheren Großprojekten wie dem Prinz-Eugen-Park lernen. „Spätestens zeitgleich mit dem Bezug der Wohnungen“ soll laut Beschluss die Infrastruktur für Verkehr, Soziales, Schulen und Handel in Betrieb gehen.

Ulrike Fukas von Steidle Architekten.

Die genaue Auslobung des Wettbewerbs steht noch nicht fest. Der Eckdatenbeschluss fordert ein innovatives Mobilitätskonzept für ein autofreies Stadtquartier. Im Klartext: Ein engmaschiges Radwegenetz mit schnellen Verbindungen muss entstehen und der ÖPNV ausgebaut werden. Die U4 soll zur Messestadt West verlängert werden, die S-Bahn im Tunnel verschwinden. Ein neuer Badesee könnte den Riemer See entlasten. Wertvolle Biotopflächen müssen erhalten werden, zum Beispiel ein im Zuge dessen renaturierter Hüllgraben. Der Verlauf der historischen Salzstraße könnte als Vorbild für grüne Zäsuren dienen.

Der Stadtrat hat entschieden, am Samstag, 16. März, sind die Bürger eingeladen, sich in die Planung einzubringen. Ort und Zeit der Veranstaltung werden noch bekannt gegeben. Was sich die Bürger wünschen, wird an die Architekten bei der Auslobung weitergegeben: „So können wir Architekten die Beweggründe der Bürger nachvollziehen“, erklärt Ulrike Fukas von Steidle Architekten das weitere Prozedere. Das Münchner Architekten-Büro belegte beim zweiten Teil des Wettbewerbs für Freiham den dritten Platz.

„Bürgerbeteiligung ist bei Großprojekten üblich. Die Ideen der Bürger werden gerne aufgenommen. Gleichzeitig schafft es beim Bürger ein Bewusstsein für die städtebaulichen Maßnahmen.“ Ende März startet laut dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Ideenwettbewerb mit unbegrenzter Teilnehmerzahl. Daraus wählt ein Preisgericht bis zum Sommer zehn Entwürfe aus – dann will sich auch OB Dieter Reiter zum Thema äußern.

Anschließend sind wieder die Bürger eingeladen, den Architekten ihre Anregungen für die Überarbeitung zu schildern. In der ersten Jahreshälfte 2020 soll ein zweites Preisgericht drei Favoriten küren, über die der Stadtrat nach einer erneuten Bürgerbeteiligung entscheidet.

Sabina Kläsener

Die öffentliche Bürgerveranstaltung findet am Samstag, 16. März, statt.

Neues Viertel für München: Die SEM-Nordosten

Die markierten Bereiche befinden sich im Umgriff der SEM-Nordosten.

600 Hektar groß, östlich der Flughafenlinie zwischen Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen gelegen: Das soll das neue Viertel im Münchner Nord­osten werden. Es ist die einzig verbliebene Möglichkeit, um ein neues Viertel auf Stadtgebiet zu errichten. 

Landwirte drohen mit Aufstand, Anwohner formieren sich zum Widerstand. Bisher ist der Großteil des Gebiets nicht in städtischem Eigentum. Doch Enteignungen sind für die Politiker vom Tisch. Stattdessen würden Grundstücke, die nicht verkauft werden möchten, aus der Planung herausgenommen. 

Mit einem Baubeginn wird frühestens 2030 gerechnet.

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