Skandalöser Freikauf

Deshalb lehnen Bürger die Aufwertung des Kroneparks ab

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Eine Ruheoase für Familien und Kinder: Der Kronepark.

Au/Giesing – Zahlreiche Anwohner fürchten um ihr Idyll: Gerüchten zufolge soll der Kronepark am Nockherberg ein Eventtreff werden – Was die Bürger wollen und was Stadt und Bauherr sagen, lesen Sie hier

Für die einen ist es ein Riesengeschäft, für die anderen Grund zur Sorge: Der Neubau des Luxusquartiers am Nockherberg. Sorge deswegen, weil es mit dem Bau von 1500 Wohnungen im Viertel deutlich enger wird. So eng, dass die Bayerische Hausbau Grünflächen schaffen muss, wo sich Jugendliche künftig aufhalten können – müsste besser gesagt; weil es nicht genügend Ausgleichsflächen gibt, hat sie mit der Stadt vertraglich geregelt 4,3 Millionen Euro zu bezahlen, statt mehr Grün einzuplanen.

Adelheid Dietz-Will ( SPD), Vorsitzende des Bezirksausschusses Au-Haidhausen.

Für die Anwohner ein echtes Unding: „Dass sich Paulaner auf Kosten von uns allen freikaufen will, ist skandalös“, wetterte etwa Angelika Luible jüngst auf der Einwohnerversammlung. Zu dieser hatten die Vorsitzenden der Bezirksausschüsse (BA) Au-Haidhausen und Obergiesing Fasangarten – Adelheid Dietz-Will (SPD) und Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne) – geladen, um mit Anwohnern zu diskutieren, was geschehen soll.

Noch ist es idyllisch, friedlich und ruhig auf dem Gelände. Eine Aufwertung könnte das rasch ändern.

Derzeit ist nämlich geplant: Statt ein Grundstück zur Verfügung zu stellen, bietet der Bauherr eine Summe von 4,3 Millionen Euro, die in mehrere Grünflächen fließen soll. Geplant für den Kronpark ist ein Volumen von zwei Millionen Euro, mit dem der Spielplatz sowie die Wege zur Unteren Au „aufgewertet“ werden sollen. Denkbar sei demnach etwa eine Gelegenheit zum Fußballspielen. Doch das stößt einigen Anwohnern bitter auf.

Neuer Quartierspark mit 14 000 Quadratmetern entsteht

„Das ist die einzige Ruheoase für unsere Kinder“, sagt etwa eine Anwohnerin, die in fünfter Generation in der Aignerstraße wohnt. „Ich insistiere ganz stark darauf, dass hier kein Eventding mit Beachvolleyball-Platz oder Ähnlichem entsteht.“ Darin sind sich die Giesinger und Auer einig, wie die Abstimmung später zeigt. Sie entscheiden mit großer Mehrheit: Der Park soll bleiben, wie er ist, wenn es nach ihnen geht, bis auf kleinere Sanierungen etwa der Wege.

Anwohner Max Brandl fürchtet, dass es hier künftig „zugeht wie an der Isar“.

Während Vertreter des Baureferats betonten: „Wir wollen Sie nicht zwangsbeglücken am Kronepark“, heizt sich die Stimmung unter den Anwohnern auf, manche tun ihren Unmut über Paulaner kund.

Dabei stellt ein Sprecher der Hausbau zumindest gegenüber der Presse klar: „Mit Paulaner hat das nichts zu tun.“ Und er betont, dass die Bayerische Hausbau – wie Paulaner Teil des Schörg­huber-Imperiums – eher dafür sorge, dass das Viertel grüner werde, etwa, da es einen zusätzlichen Quartiersplatz mit 14 000 Quadratmetern nahe des Regerplatzes schaffe.

Trotz kleinerer Schäden und Schmierereien: Der Spielplatz im Kronepark ist eine große Attraktion für Kinder.

Doch das Argument der Aufwertung dürfte einige Anwohner nicht gerade beruhigen: So fürchtet etwa Max Brandl, dass es hier künftig „zugeht wie an der Isar“. Er schlägt vor, den Mariahilfplatz stattdessen umzugestalten.

Tatsächlich ist der Park sogar ein historisches Kleinod: benannt nach der Circus-Familie Krone, in deren Besitz der Park zuletzt war, galt der Kronepark schon 1870 als eine grüne Oase mitten in der Stadt, als Mäzen Franz Xaver Schmederer ihn von Karl Effner hatte anlegen lassen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert: Auf der knapp zwei Hektar großen Anlage zwitschern Vögel, blühen Forsythien leuchtend gelb, dazwischen schlendern Senioren und spielen Kleinkinder im Sand.

Hanni Kinadeter

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