Geschlossene Geschäfte, leere Straßen

Stirbt die Viertel-Vielfalt? - Auch im Münchner Osten haben Händler Angst vorm Aus

Christian Horn sorgt sich um den Charme des Viertels: In den Schaufenstern hängen Hinweise zum Lockdown. Ob beim Bild- und Rahmenhändler, Modeshops oder kleinen Restaurants. Auch der Leerstand zeigt sich: Einige Geschäfte sind bereits ausgeräumt, die Fenster abgeklebt.
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Christian Horn sorgt sich um den Charme des Viertels: In den Schaufenstern hängen Hinweise zum Lockdown. Ob beim Bild- und Rahmenhändler, Modeshops oder kleinen Restaurants. Auch der Leerstand zeigt sich: Einige Geschäfte sind bereits ausgeräumt, die Fenster abgeklebt.
  • Marie-Julie Hlawica
    vonMarie-Julie Hlawica
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Auch im Münchner Osten fürchtet man sich vor den Auswirkungen des Lockdowns. Das sagt der Sprecher der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden in Haidhausen.

Münchner Osten - Bei Christian Horn klingelt zur Zeit oft das Telefon, leider nie mit guten Nachrichten: „Die Händler in unserem Viertel sehen schwarz. Wenn nicht bald geöffnet wird, stirbt der Charme Haidhausens.“

Horn ist Sprecher der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden in Haidhausen, vertritt 45 Ladeninhaber. Für den Eigentümer des Kaufring-Hauses ist der Anblick der Weißenburger Straße ein Trauerspiel:

Viele Fronten vom Ostbahnhof bis zum Rosenheimer Platz sind von innen abgeklebt, Schaufenster ohne Auslagen und Dekoration, an jeder Ladentüre sind Lockdown-Hinweise für die Kunden angebracht.

Überall im Viertel sind Lockdown-Hinweise in den Schaufenstern.

Auch bei Sabine Pöbl, Inhaberin von „Keramik-Kunst und Pinselstrich“ sieht es im Fenster noch – statt wie sonst bunt und voll – recht leer aus: „Ich hoffe auf sinkende Inzidenzzahlen und dass wir am 8. März wieder aufschließen.

Auch wenn wir dann nur unter Auflagen Kunden in die Räume bitten dürfen.“ Momentan bietet sie Abholung und Beratung viermal pro Woche an der Ladentüre an.

„Ich gebe nicht auf. Ich habe in dieser Zeit so viel Zuspruch bekommen, sehe, dass die Menschen sich nach Kontakt und Kreativität sehnen.“ Ihr Glück außerdem, sagt Pöbl, dass sie nicht nur nette Vermieter, sondern auch eine bezahlbare Miete hat.

Horn kennt andere Fälle: „Die familiengeführten Unternehmen warten auf die Novemberhilfen, müssen an ihr Erspartes gehen und wissen nicht, wie sie Kredite zahlen sollen.“ Erst nach dem Lockdown wird man sehen, wer ihn wirklich überstanden hat.

Horn fürchtet, dass nach Schließungen Filialisten das Viertel erobern: „Dann stirbt die Vielfalt Haidhausens.“

mjh

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