Der Vater des neuen Viertels

Architekt Björn Severin über seinen Siegerentwurf des Münchner Nordosten im Hallo-Interview

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Nachdem letzte Woche der Siegerentwurf fürs neue Viertel im Nordosten vorgestellt wurde, hat Hallo den Sieger des Ideenwettbewerbs Björn Severin interviewt. Was er zu seinem Entwurf sagt...

Bogenhausen – Architekt Björn Severin hat den Ideenwettbewerb zum Münchner Nordosten gewonnen – mit den Berliner Landschaftsarchitekten bbz. Welche Einwohnerdichte der 51-Jährige für machbar hält und wie er den Protesten gegenüber steht, verrät Severin hier. 

Herr Severin, wie haben Sie Ihren Erfolg gefeiert? 

Noch gar nicht richtig, privat ein wenig, aber mit den Kollegen und Mitarbeitern wird erst noch gefeiert – das bedarf einer gewissen Vorausplanung. 

Was hat Sie an dem Ideenwettbewerb gereizt? 

Für uns war das ein ganz besonderes Projekt, in dieser Größenordnung haben wir noch nie gearbeitet. So erging es aber auch den anderen Büros, mit denen ich beim Kolloquium gesprochen hatte. 

In welchen Dimensionen arbeiten Sie für gewöhnlich? 

Wir planen schon lange städtebauliche Projekte, aber gewöhnlich schwankt die Größe zwischen drei und 50 Hektar. Spannend an dem Entwicklungsgebot im Nordosten ist auch, dass wir für drei Szenarien Modelle und Pläne entwickeln konnten – für 10 000, für 20 000 und für 30 000 Einwohner. 

Architekt Björn Severin hat den Ideenwettbewerb zum Münchner Nordosten gewonnen.

Welche Variante empfehlen Sie? 

Tatsächlich sind alle drei denkbar. Selbst 30 000 Einwohner sind verträglich, wichtig ist es aber, genügend Freiräume zu lassen. Bei der Variante mit 10 000 bleiben eher zuviele Leerräume, welche sich aus der heutigen Struktur ergeben. Dies sorgt für Defizite bzw. Ineffizienz bei der sozialen wie verkehrlichen Infrastruktur und der Nahversorgung. 

Viele lehnen eine Erweiterung für 30 000 Einwohner ab. 

Ja, aber man braucht keine Angst davor haben, dass hier große Klötze hingebaut werden, wie auf Plakaten im Viertel zu sehen war. Die Fehler der 60er und 70er Jahre mit Großwohnsiedlungen im Stile des Bauwirtschaftsfunktionalismus’ werden nicht noch einmal passieren. 

Wie haben Sie sich ein Bild vom Münchner Nordosten gemacht? 

Ich bin durchs Viertel spaziert und habe vor allem viele Radltouren gemacht. So kann man die Zusammenhänge am besten entdecken, die Landschaftsräume und den Hüllgraben etwa. 

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Was hat Ihnen besonders gefallen? 

Der Charme des Nordostens liegt darin, dass es die alten Dorfkerne noch gibt. Den Dorfcharakter wollen wir erhalten. Unser Entwurf sieht vor, dass es Freiräume und Grünzüge um die Dörfer gibt. Die gewachsenen Strukturen dort sind unschlagbar, sie sollen bleiben und sich weiterentwickeln, so wie früher innerhalb ihres Rahmens. 

Das heißt konkret? 

Dass sie nicht vergrößert werden dürfen. Stattdessen haben wir neue Baufelder vorgesehen, die eigenständig sind. 

Was ist der Schwerpunkt Ihres Entwurfs – in wenigen Worten? 

Wir wollen konsequent zusammenhängenden Landschaftsraum erhalten. Die Zersiedlungsanzeichen, die es hier im Randbereich der Stadt gibt, sollen eingedämmt werden. Wir schaffen ein Stadtquartier mit Landschaftsanbindung, die bleiben soll, und großen landwirtschaftlichen Flächen – diese sind nur sinnvoll, wenn sie zusammenhängen. Ein zu kleines Patchwork macht keinen Sinn, deswegen bündeln wir sie im Außenraum. 

Nun gibt es aber gerade Landwirte, die die Planungen ablehnen – ebenso wie Eigentümer und Bürger. 

Das ist kein neues Phänomen und heute ganz normal. Im besten Fall kommt man ins Gespräch und arbeitet gemeinsam an einer Weiterentwicklung. Ich wünsche mir, dass wir eine gemeinsame Lösung finden. Denn es besteht Bedarf an Wohnraum in München. Und es ist nachhaltiger, diesen stadtnah zu schaffen, als in den Vororten. Sonst würde der Pendlerverkehr stark steigen – und das kann niemand wollen.

Hanni Kinadeter

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