Aus dem Iran nach München

Mode mit Mut

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Armin Mahnaz gibt nicht auf: Seit sie in einem Münchner Flüchtlingsheim lebt, näht sie Stoffe zusammen mit geistig behinderten Menschen.

Giesing - Armin Mahnaz hat einst die Trikots der Fußball-Nationalmannschaft designt. Dann floh sie nach München - und hilft jetzt anderen

Die Nähmaschine rattert, flink zieht Armin Mahnaz den Stoff unter der Nadel durch. Maria (kl. Foto) sieht der Designerin bewundernd zu. Die 60-Jährige lebt ihm Wohnheim der Lebenshilfe München. Sie hat eine Behinderung. Mahnaz will ihr zeigen, wie sie sich trotzdem ein eigenes Kleid schneidern kann. Stoffe, Farben und Knöpfe darf sie aussuchen, auch beim Schnitt kann sie mitreden. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Designerin mit Menschen mit Handikap zusammenarbeitet. Bereits in ihrem Heimatland hat sie Mode für Blinde und Taubstumme entworfen, die bei der Gestaltung mitbestimmen durften. Bekannt geworden ist die 40-Jährige allerdings für etwas anderes: „Ich habe die Trikots für die iranische Fußball-Nationalmannschaft designt“, betont sie. Immer, wenn der Iran auswärts an Spielen teilnimmt, gibt es ein Gastgeschenk für das jeweilige Land und zwar einen landestypischen Teppich, erzählt die Iranerin. Das Muster des Teppichs hat Mahnaz auf ein Kleid übertragen. Doch als sie dieses Kleid für die olympischen Spiele entwarf, gab es ihren Erzählungen zufolge Ärger: Der untere Teil des Rocks sollte aus Streifen mit den Flaggen aller Länder entstehen – einschließlich der israelischen Flagge. Als die Regierung davon Wind bekam, warf sie der Iranerin offenbar Sympathien zu Israel vor. 

„Man drohte mir“, erzählt Mahnaz. Aus Angst davor, gefoltert, eingesperrt oder gar getötet zu werden, floh sie nach Deutschland. Seitdem lebt sie in Allach im Flüchtlingsheim. Glücklich ist sie dort nicht. Ihren Sohn, den sie zurücklassen musste, vermisst sie sehr. „Sie weint sehr oft“, sagt Atefeh Kolaghitchi, die als Dolmetscherin mit zur Lebenshilfe gekommen ist. Doch jetzt will sie ihre Modeprojekte in Deutschland fortsetzen. Einen großen Traum hat sie noch: „Ich möchte für die deutsche Fußballmannschaft die Trikots entwerfen“, sagt Mahnaz. „Aber jetzt stehe ich noch ganz am Anfang.“ Im Flüchtlingsheim hat sie nicht mal eine Nähmaschine. Manchmal kommt sie in die Räume der Lebenshilfe in Giesing, um dort zu nähen. Dort hatte sie auch die Idee zu dem Projekt, gemeinsam mit Menschen mit Behinderung zu schneidern. Eine gute Aktion, die sie an ihre Arbeit in der Heimat erinnert. hki

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