Schimmel, Wasserschaden und fehlende Erneuerungen

Miese Instandhaltung in der Heimag-Siedlung

Renate Cullmann hat einen Wasserschaden und meint: „Den hätte man verhindern können.“
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Renate Cullmann hat einen Wasserschaden und meint: „Den hätte man verhindern können.“

Harlaching - In der Heimag-Siedlung wird in Sachen Reparaturen kein Finger gerührt. Jetzt langts den Mietern

Vor gut fünf Jahren kämpften die Mieter für den Erhalt der Heimag-Siedlung – jetzt gibt es neuen Ärger in der Wohnanlage an Säbener und Ehlersstraße. „Die Wohnungen werden nicht ordentlich instand gesetzt“, ärgert sich Renate Cullmann, die seit 2003 hier wohnt. Sie zweifelt nun daran, dass die Anlage überhaupt gerettet werden soll – obwohl die Stadt damals zugesichert hatte, die Anlage mindestens weitere 20 Jahre lang zu erhalten. Aber: „Die Vorgaben des Calcon-Berichts werden nicht eingehalten“, sagt Cullmann. Das ist ein Bericht, den die Gewofag 2014 in Auftrag gegeben hatte, um den Zustand des Gebäudes zu ermitteln. Eine Empfehlung lautete damals zum Beispiel, ein Blechteil am Kamin in der Ehlersstraße 20, in der Cullmann wohnt, zu erneuern. Doch nun ist das Blechteil völlig verrostet, berichtet Cullmann. „Und jetzt habe ich einen Wasserschaden in der Wohnung“, sagt sie verärgert. 

Das Wasser laufe über den Kamin in ihre Wohnung. Gerade wird es provisorisch getrocknet, im April soll der Schaden repariert werden. 

Das reicht der Mieterin aber nicht: „Jedes mal wenn es regnet, läuft bei mir das Wasser in die Wohnung. Das muss sofort behoben werden“, fordert sie. In Küche, Badezimmer und im Flur ist der Wasserschaden deutlich zu sehen. Die 69-Jährige geht noch weiter: „Außerdem fordere ich eine Mietminderung um 15 Prozent.“ Für Cullmann, die im Vorstand der Mietergemeinschaft ist, die gegründet wurde um gemeinsam gegen einen Abriss zu kämpfen, steht fest: „Hätte man sich an den Calcon-Bericht gehalten, wäre der Schaden gar nicht erst entstanden.“ 

An der Heimag-Siedlung gibt es einfach zu viele Probleme.

Sie ist nicht die einzige, die über schlechte Zustände in der Wohnung klagt. Der politische Wille, die Siedlung zu retten ist jedenfalls da, versichert der Vorsitzende des Bezirksausschusses Clemens Baumgärtner (CSU): „Wir wollten die Siedlung damals erhalten und werden uns auch in Zukunft wieder dafür einsetzen.“ Die Befürchtungen der Mieter, die Anlage werde nun doch abgerissen, räumt die Gewofag auf Hallo-Anfrage aus: „Die Heimag-Siedlung in Harlaching bleibt langfristig erhalten. Anderweitige Planungen gibt es nicht“, heißt es in der Stellungnahme. Demnach hat die Gewofag im vergangenen Jahr ein Sanierungspaket beschlossen, das bis 2020 umgesetzt werden soll. Es beinhaltet etwa, die Dachziegeln auszutauschen und die Kamine auszubessern. Als Grundlage für die Sanierung dient der Gewofag zufolge der Calcon-Bericht. Für Renate Cullmann ein schwacher Trost: „Es dauert sicher Wochen, bis die Reparatur in meiner Wohnung abgeschlossen ist“, sagt sie. hki

Streit um Schimmel-Wohnung

Yvonne Unger hat es satt. In ihrem Schlafzimmer schimmelt es so stark, dass sie seit mehr als zwei Jahren im Wohnzimmer schläft. „Wenn ich die Luft einatme, fühlt sich das an wie ein starkes Schneiden“, erzählt die Harlachingerin, die in der Heimag-Siedlung an der Säbener Straße wohnt. Es ist fast drei Jahre her, dass sie die Hausverwaltung Gewofag über den Schimmel informiert hat. Doch geändert hat sich bislang nichts. 

Zwar hatte die Gewofag ihr mehrfach angeboten, den Schaden mit Chemikalien reinigen zu lassen, doch das lehnte Unger ab. „Das reicht doch nicht, dann schimmelt es ja gleich wieder.“ Deswegen ist Unger auch aktiv: Seit zwei Jahren stellt sie in den Bürgerversammlungen des Bezirks Untergiesing-Harlaching immer wieder Anträge und fordert ein umfassendes Sanierungskonzept. Denn laut einem Schreiben, dass sie von der Gewofag bekommen hat, sind allein in Harlaching 26 Wohnungen betroffen. 

Dazu wollte die Gewofag auf Hallo-Anfrage keine Angaben machen. Stattdessen teilt sie mit: In der Heimag-Siedlung seien vier Fälle seit 2015 bekannt. Drei wurden bereits bearbeitet. Demnach liege das Schimmel-Problem auch nicht an der Bausubstanz. Vielmehr wirft die Gewofag der Mieterin vor, falsch zu lüften. Das sieht Unger anders: „Es hat schon vor meinem Einzug Schimmel-Probleme in der Wohnung gegeben.“ Inzwischen schimmelt es in jedem Raum der 62 Quadratmeter großen Wohnung. „Wenn die Ursache nicht bekämpft wird, kommt der Schimmel wieder“, sagt Hanno Lang-Berens, Energieberater der Verbraucherzentrale Bayern. „Aber es ist gut, wenn der Schimmel in einem ersten Schritt abgetötet wird.“ Denn die Schimmelsporen seien gesundheitsschädigend: Sie können Asthma und Allergien auslösen oder verstärken. Den Vorwurf einiger Mieter, die Wohnungen würden nicht fachgerecht saniert, weist die Gewofag zurück: „Für die Beseitigung von Schimmelschäden beauftragen wir ausschließlich zertifizierte Fachfirmen, die sich an alle gesetzlichen Regelungen und Empfehlungen des Bundesumweltamtes halten.“

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