Mehr als nur fliegende Hände

Am GMU Oberföhring kann man Gebärdensprache erlernen. Foto: privat

Gebärdensprache ist die Sprache gehörloser Menschen. Sie besteht aus Mimik, speziellen Handformen in Kombination mit Bewegungen des Oberkörpers und dem Mundbild.

Erklären, witzeln, schreien, argumentieren, flüstern und vieles mehr: Mit Gebärdensprache ist alles möglich. Sie hat eine eigene Grammatik, ist national unterschiedlich und in Bayern etwas anders als an der Nordseeküste: Sie besitzt also sogar Dialekte. Trotz der vielen Besonderheiten, begann man sich ihr aber erst gegen 1960 auf wissenschaftlicher Basis zu nähern. Nicht selbstverständlich Was viele nicht wissen: Gebärdensprache war im Unterricht Gehörloser lange Zeit verboten und ist bis heute keineswegs selbstverständlich. Beim Mailänder Kongress im Jahr 1880 verbannte man sie aus den Schulen. Es sollte beinahe ein Jahrhundert dauern, bis man begriff: Der Einsatz von Gebärdensprache fördert die Wissensvermittlung und schadet ihr nicht. Bis dato stand das Erlernen der deutschen Lautsprache vor allem anderen. Dabei wurde in Kauf genommen, dass Gehörlose in verschiedenen Bildungsinstitutionen immer wieder auf Barrieren stoßen und ausgegrenzt werden. Ein Meilenstein war das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland am 26. März 2009. In Artikel 24 wurde das Recht Gehörloser festgeschrieben, Unterricht in einer Sprache zu haben, die sie am besten verstehen – der Gebärdensprache. Daher fand in Saarbrücken der erste internationale Fachkongress „Bildung durch Gebärdensprache“ statt. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. organisierte dort ein Forum, bei dem erste Schritte in Richtung eines nationalen Bildungskonzepts für lebenslanges Lernen in Gebärdensprache unternommen wurden. Vorurteile aufgreifen Verbreitete Vorurteile gegenüber Gehörlosen aufgreifen und Aufmerksamkeit erregen, war auch das Ziel einer prämierten Kampagne mit dem Motto „Wir können alles, nur nicht hören“ (www.wir-sind-nicht-stumm.de). Aussagekräftige Plakatwände wurden am Münchner Hauptbahnhof und in fünf anderen deutschen Großstädten gezeigt. Auch in Form der beliebten CityCards wurde das Thema publik gemacht. Gebärdensprachschule Die neu eingerichtete Gebärdensprachschule des Gehörlosenverbandes München und Umland e.V. (GMU) an der Lohengrinstraße 11 bietet ein umfangreiches und vielseitiges Kursangebot. Egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Fachpersonal, egal ob hörend oder gehörlos – im Gruppen- oder Einzelunterricht werden den Teilnehmern verschiedene Lerninhalte geboten. Auch Firmen können für ihre Mitarbeiter spezielle Kurse buchen. Der nächste Kurs beginnt am 14. September. Mehr Informationen gibt es unter www.gmu.de.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
München Südost
Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
München Südost
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
Wird’s am Candidplatz schick?
Wird’s am Candidplatz schick?
Abschied vom Sterne-Restaurant
München Südost
Abschied vom Sterne-Restaurant
Abschied vom Sterne-Restaurant

Kommentare