Schaden im fünfstelligen Bereich

München: Fortsetzung des Graffiti-Kriegs auf Gottesmauer

Die historische Mauer bei St. Anna Kircherl wird immer wieder mit Graffiti beschmiert.
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Die historische Mauer bei St. Anna Kircherl wird immer wieder mit Graffiti beschmiert.

Schon wieder Graffiti-Schmiererei am St Anna-Kircherl. Unklar ist, wer Reinigung der historischen Mauer bezahlt – BA will FC Bayern München und TSV 1860 mit einbeziehen

  • Graffiti werden auf die historische Mauer des St. Anna-Kircherl geschmiert.
  • Es waren Fans des FC Bayern und TSV 1860 München.
  • Der Schaden liegt im fünfstelligen Bereich.

Update: 01. Oktober 2020

Schon wieder eine Schmier-Attacke auf die historische Mauer beim St. Anna Kircherl am Harlachinger Berg. Es ist die siebte in Folge, zuvor hatten rivalisierende Fanlager vom TSV 1860 und vom FC Bayern im Wechsel die Mauer besprayt.

„Das ist ein Skandal“, ärgert sich Ferdinand Brinkmöller, zweiter Vize im BA 18 (CSU). Er hat erneut einen Ortstermin organisiert, der an diesem Donnerstag, 1. Oktober, 15.30 Uhr stattfindet. „Das Gestein ist saugfähiges, poröses Kalkgestein, das kann man nicht so einfach reinigen wie Beton“, sagt er. Einen Naturstein-Experten samt Gutachter hat er ebenfalls für Donnerstag geladen.

Ferdinand Brinkmöller, zweiter Vize im BA 18, ist verärgert: Jetzt ist das siebte Graffito auf der Mauer. Er fordert eine schnellstmögliche Reinigung sowie Mithilfe von den Fußballvereinen.

Die Kosten für eine Reinigung könnten im fünfstelligen Bereich liegen, wer das bezahlt ist bislang unklar. „Ich finde, die Vereine sollten auf jeden Fall etwas beisteuern“, sagt Brinkmöller. „Im ganzen Viertel sind Schmierereien von beiden Fanseiten. das wirkt abstoßend.“ Er verlangt außerdem, dass die Stadt die Mauer so schnell wie möglich reinigt, damit die Schmierereien ein Ende nehmen. „Sonst gibt es immer mehr Trittbrettfahrer.“

Graffiti-Krieg auf Gottesmauer zwischen FC Bayern und TSV 19860 in München

Auf eine Anfrage der Hallo äußerten sich die Fanbeauftragten des FC Bayern nicht. Von Seiten des TSV 1860 hieß es hingegen: „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder über unsere Fanbeauftragten und das Fanprojekt auf die Multiplikatoren in Fankreisen eingewirkt, diese Sachbeschädigung zu unterlassen.“, sagt Sprecher Rainer Kmeth.

Er verurteilt die Schmierereien deutlich:

Eine historische Mauer oder andere Flächen zu beschmieren hat nichts mit Fan-Dasein zu tun, sondern ist ausschließlich eine Zerstörung von fremdem Eigentum, die wir nicht gutheißen.

Rainer Kmeth

Brinkmöller hingegen überzeugt das nicht: „Der Appell war bislang leider ziemlich erfolglos.“ In der nächsten BA-Sitzung will der Viertelpolitiker einen Antrag dazu einbringen. Auch SPD-BA-Kollegin Violetta Rosendahl hatte zuvor bereits dazu aufgerufen, Beobachtungen zu den Graffiti dem BA mitzuteilen. Denn eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei blieb demnach bislang ohne Ergebnisse.

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Erstmeldung: 10. September 2020

Der Pfarrvikar Anton Hagl ist hörbar genervt. „Im März hat es angefangen“, erzählt er. Erst haben Fans des TSV 1860 ein Graffito auf die kleine historische Mauer beim denkmalgeschützten St. Anna-Kircherl am Harlachinger Berg geschmiert. Dann FC Bayern-Fans darüber gesprayt, dann wieder Sechzger – und so weiter, insgesamt ganze sechs Mal übereinander. 

Graffiti-Krieg am St. Anna Kircherl - FC Bayern gegen TSV 1860 München

Eine Anzeige gegen Unbekannt blieb erfolglos. Versuche, mit den rivalisierenden Fangemeinschaften bei einem gemeinsamen Treffen eine Lösung zu finden, ebenso. Jetzt schaltet sich der BA 18 ein. „Wer etwas gesehen hat, soll sich bitte melden“, sagt Violetta Rosendahl (SPD) mit Nachdruck, sie leitet den Unterausschuss Kultur, Sport und Vereine im Gremium. 

„Der Schaden liegt schon bei 20 000 Euro.“ Auch die Sitzbänke beim nahegelegenen Claude-Lorrain-Denkmal seien immer wieder von den verschiedenen Fanlagern beschmiert worden. 

Hinzu kommt: Die Mauer sei aus „Nagelfluhgestein“, erklärt der Vikar, ein empfindliches Material, das man nicht mit Dampfdruckstrahlern säubern kann. Er vermutet: Da die Mauer gut sichtbar ist, wenn man den Berg beim Tierpark hochfährt, tragen die Fans hier ihre Streitereien aus. Doch die denkmalgeschützte Kirche sei ein Kleinod, hier störe jedes Graffito besonders.

St. Anna-Kircherl am Harlachinger Berg

hki

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