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„Majostics“ des Max-Josef-Stifts verzaubern mit „Ein Stück Himmel unterTage“

„Wir dürfen ein zweites Mal leben“

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Mit ihrer Aufführung „Ein Stück Himmel unterTage“ konnten die „Majostics“ bereits im Juli in den Räumlichkeiten des Max-Josef-Stifts über 1000 Zuschauer begeistern.

„Sehnsucht hab’ ich wohl nach dem Glück? Nach dem Glück. Fragen möcht’ ich: Kommt es zurück?“ fragte das jüdische Mädchen Selma Meerbaum-Eisinger in einer Zeit, als das Glück für immer verloren schien. 

Ihr und allen anderen Kindern und Jugendlichen, die ihr Leben in der Nazizeit verloren haben, ist „Ein Stück Himmel unterTage“ gewidmet – Erinnerungsarbeit der ganz besonderen Art.

„So voll hätten wir unsere Kirche auch gerne mal zum Gottesdienst“, sagte Pfarrgemeinderatsvorstand Stephan Alof zur Begrüßung. Die Kirche St. Maximilian, die den „Majostics“ als Schauplatz für ihr Stück diente, drohte zu diesem Zeitpunkt aus allen Nähten zu Platzen, um alle Gäste unterzubringen, mussten noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden. 

Am Vertikaltuch stellten die Schülerinnen Seelen dar, die vom Himmel herabsteigen.

Mit ihrer Aufführung „Ein Stück Himmel unterTage“ konnten die Bewegungskünstlerinnen des Max-Josef-Stifts im Juli in den Räumlichkeiten ihrer Schule bereits über 1000 Zuschauer begeistern. Drei restlos ausverkaufte Abende gab es auch bei der Wiederaufführung anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht in St. Maximilian. 

Der Zirkusgruppe um Lehrerin Suzann Adams gelang dabei ein ganz besonderes Kunststück: Sie schufen eine Vorführung, die auf unglaublich sensible Art ein Gefühl für das Schicksal der jüdischen Kinder vermittelt ohne belehrend oder zu traurig zu werden. Dabei wird die Situation der Kinder aber gleichzeitig zu keiner Sekunde trivialisiert. Die Kinder haben die Hoffnung auf die Rückkehr des Glückes nie verloren und auch in ihrer schrecklichen Situation ein bisschen Glück erlebt. Diese Botschaft trägt „Ein Stück Himmel unterTage“ in die Welt hinaus. 

Vielseitige Bewegungskunst

Gesprochene Texte verknüpfen die einzelnen Darbietungen, bei denen die „Majostics“ die beeindruckende Vielfalt ihres Könnens unter Beweis stellen: Akrobatik, Jonglage, Einrad, Laufkugel und mehrere Nummern im Schwarzlicht. Traumhaft schöne Vertikaltuchdarbietungen, die die vom Himmel herabsteigenden Seelen darstellen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Programm. Begleitet werden die einzelnen Darbietungen nicht nur von  Musik, sondern auch von Projektionen auf eine Leinwand über dem Altar, den die „Majostics“ als Bühne nutzen. 

Völlig organisch greifen die einzelnen Elemente ineinander. Ballettmeister Patricio Martinez, der früher auch am Max-Josef-Stift Ballett unterrichtet hat, hat dem Stück ein Pas de Deux gewidmet. Tänzer Herbert Huber und seine Partnerin Lilo Roth, eine ehemalige Schülerin des Max-Josef-Stifts, haben den Tanz interpretiert.

Historische Vorbilder

Wiederkehrende Charaktere im Stück sind Selma Meerbaum-Eisinger und ihre erste große Liebe Lejser Fichmann. Sie sind historische Figuren, zu ihnen gesellen sich literarische Gestalten wie die kleine Lina aus „Jakob. Der Lügner“ oder der Ozeanpianist Novecento.

Besonders ergreifend ist die Geschichte von Josephle, der von seiner Mutter zu Pater Bims gebracht wird, um ihn in Sicherheit zu bringen. Seine Geschichte wird in „Das Kind von Noah“ von Eric-Emmanuel Schmitt erzählt. Pater Bims rettete 271 jüdischen Kindern das Leben, in dem er sie versteckte. Die „Majostics“ erzählen die Geschichte dieser Kinder als gefühlvolle Einradnummer, bei der den Zuschauern die ersten Tränen der Rührung in die Augen steigen.

Die „Majostics“ erzählten unter anderem die Geschichte vom kleinen Josephle, der von seiner Mutter in die Obhut von Pater Bims gegeben wird.

Großer Aufwand

Die Vorführung wirkt absolut professionell. Als Zuschauer könnte man fast vergessen, dass es sich bei den Artisten fast ausschließlich um Schülerinnen handelt. Bei ihrer Inszenierung hat die Deutsch- und Sportlehrerein Suzann Adams nichts dem Zufall überlassen: jahrelang hat sie ihre Idee zu dem Stück, dessen Planungen bis ins Jahr 2007 zurück gehen, verfolgt und Stück für Stück zu einem Ganzen zusammengefügt. Konzept, Choreographien, Musikauswahl und Regie hat sie in Personalunion gestemmt.

Hinter der Aufführung steckt auch technisch ein immenser Aufwand. Um die Vertikaltücher im Mittelschiff der Kirche aufhängen zu können, musste eine Traversenkonstruktion aufgebaut werden. Der Aufbau der Technik nahm allein mehrere Tage in Anspruch. Neben unzähligen Stunden ihrer Freizeit musste Suzann Adams auch die Herbstferien für die Vorbereitung der Aufführung opfern. 

Kunstvolle Keulenjonglage

Ein besonderer Höhepunkt ist eine Keulenjonglage mit 22 Akteuren, die mühelos die Positionen und von der Einzel- zur Partnerjonglage wechseln. Musikalisch untermalt wird die Szene von dem Lied „Geboren um zu leben“ von Unheilig, das so unwahrscheinlich gut dazu passt, als sei es extra für diese Vorstellung komponiert worden. Mit ihren durch die Luft wirbelnden Keulen werden die Jongleure zu einer Personalisierung des Glücks. In der Kulisse der Kirche wirkt die Jonglage noch ergreifender. Auch an dieser Stelle fließen Tränen der Ergriffenheit im Publikum. Als ein Abspann vor dem großen Finale Informationen über das weitere Schicksal der Figuren aus dem Stück gibt, könnte man in der Kirche eine Stecknadel fallen hören.

Gegen das Vergessen

„Wir dürfen ein zweites Mal leben“, ist ein zentraler Satz des Stückes. Die „Majostics“ lassen die Kinder und jungen Menschen, denen ihr Leben so früh schon geraubt wurde, wieder auferstehen und setzen ihnen mit ihrem Stück ein poetisches Denkmal, das nicht die Schuld thematisiert, sondern die Hoffnung und das Glück feiert. Ein Stück gegen das Vergessen, das gleichzeitig Hoffnung und Lebensfreude vermittelt – wirklich ein ganz besonderes Kunststück. –AL–


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