Gemeinsame Lösung für Anwohner, Vereine, Polizei und Viertelpolitiker

Löwengebrüll: Ziehen die Anwohner jetzt vor Gericht?

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Jubelnde Massen im 60er-Stadion. Anwohner ärgern sich über Lärm und zugeparkte Straßen

Giesing – Bei den Nachbarn rund um das 60er-Stadion liegen die Nerven blank – Sie fordern einen Runden Tisch – findet der nicht statt, ziehen sie vors Gericht

Den Anwohnern des Grünwalder Stadions reicht’s: Fans pinkeln in ihre Gärten, beschmieren Hausmauern und an manchen Tagen ist es so laut, dass sie sich nicht mal aufs Lesen konzentrieren können – schildern zumindest die Bürger. „Wenn sich nichts tut und nicht endlich ein Runder Tisch stattfindet, gehen wir vors Gericht“, sagt Martin Meier, der seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Eine Nachbarin, die öffentlich gegen den Lärm protestierte, hat danach Morddrohungen erhalten“, erzählt er.

„Eine Klage könnte böse ausgehen“, warnt Clemens Baumgärtner, Viertelchef von Untergiesing-Harlaching (s.u.). „Lautsprecher, Musik und Trommeln sind sicher so laut, dass sie unzulässig sind.“ Er plädiert deswegen dafür, einen Runden Tisch zu veranstalten, bei dem Vertreter der Anwohner, der Vereine, der Polizei, der Viertelpolitiker und der Stadt gemeinsam eine Lösung finden sollen.

Wie der Bezirks­ausschuss am Dienstagabend über die Details eines solchen Runden Tisches entschied, war bis zum Redaktionsschluss noch unklar.

Kommt es zu einem solchen, soll dieser Mitte Februar stattfinden, wenn es nach Baumgärtner und den Anwohnern geht. Letztere haben nämlich ganz konkrete Forderungen: „Die Lautsprecher­anlagen müssen gedrosselt werden, das Trommeln gehört verboten und der Verkehr muss besser geregelt werden, die Parkplätze reichen nicht“, sagt Meier.

Er und seine Mitstreiter wohnen seit bis zu 40 Jahren im Viertel. Stören an dem Stadionbetrieb tun sie sich erst seit gut zwei Jahren. „Da muss sich etwas an den Lautsprecheranlagen geändert haben“, ist Meier überzeugt.

Der Lärmschutz sei bereits im vergangenen Jahr verbessert worden, heißt es indes auf Hallo­-Anfrage beim Referat für Bildung und Sport (RBS). Außerdem sei das Stadion als Spielstätte für die dritte Liga genehmigt und da gäbe es Vorgaben für Flutlicht und Lausprecheranlagen. „Die Vereine sind gehalten, den Einsatz von Flutlicht und Lautsprecheranlage auf ein Mindestmaß zu begrenzen“, teilt RBS-Sprecherin Christina Warta mit.

Den Umstand, dass viele Anwohner sich nicht ausreichend informiert fühlen, weist sie zurück. Bereits im Juli 2017 habe eine große Infoveranstaltung stattgefunden. Im Juni könnte es die nächste geben.

Hanni Kinadeter

„Stadt muss sich um Lärm und Verkehr kümmern“

Clemens Baumgärtner, BA-Vorsitzender in Untergiesing-Harlaching.

Clemens Baumgärtner, BA-Vorsitzender in Untergiesing-Harlaching:
„Eine Studie ist immer gut, wenn sie Klärung bringt und aufzeigt, wo sich etwas ändern muss. Trotzdem sehe ich sie mit Skepsis, nicht zuletzt, weil viele Anwohner sehr unzufrieden sind – da ist es schon etwas ungeschickt, eine Studie für einen solchen Ausbau in Auftrag zu geben, wenn nicht mal die aktuelle Situation zufriedenstellend ist. Ich denke, da muss sich strukturell etwas ändern: Erstmal sollte die Stadt den Verkehr, also An- und Abfahrt, regeln und die Lärmbelastung. Klar, für die Fans und die Vereine tut es mir leid, weil sie sich Mühe geben, aber den Anwohnern gegenüber ist das unfair. 

Es gäbe ganz einfache Mittel, die Situation zu verbessern. Etwa, wenn es das Parkhaus am Tierpark schon gäbe, könnten von dort aus Shuttle-Busse die Fans ins Stadion bringen. Klar, das Stadion ist wichtig, Giesing ohne das Grünwalder ist undenkbar. Aber die Anwohner darf man nicht vergessen.“

„Kein Grund zur Beschwerde“

Carmen Dullinger-Oßwald, BA-Vorsitzende von Obergiesing-Fasangarten.

Carmen Dullinger-Oßwald, BA-Vorsitzende von Obergiesing-Fasangarten:
„Von einem Ausbau des Stadions für 30 000 Zuschauer halte ich nichts – das ist für unser Viertel nicht verträglich. Ein kleine Aufstockung kommt eher in Frage. Derzeit können wir uns über das 60er-Stadion überhaupt nicht beschweren. Die Anhänger sind friedlich und auch die Polizei bestätigt jedes Mal, dass sie zufrieden mit dem Ablauf ist. Wir sind glücklich, dass die 60er wieder in Giesing spielen, das ist fürs Viertel sehr wichtig. Zum einen weil es familien- und frauenfreundlich ist, zum anderen ist es auch für die umliegenden Lokale und Läden gut.“

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