Künstlerleben im Hildebrandhaus

Anlässlich des 100. Geburtstags von Rolf Nida-Rümelin, der am 16. Juni 1910 in Starnberg geboren wurde, erinnert die Landeshauptstadt im städtischen Literaturarchiv Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23, am Donnerstag, 17. Juni, um 19 Uhr an das Künstlerleben im Hildebrandhaus.

Rolf Nida-Rümelin erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater, dem Bildhauer Wilhelm Nida-Rümelin, in München. Danach besuchte er die Staatsschule für Angewandte Kunst (jetzt Akademie) in Nürnberg, wo er sich mit vielfältigen Materialien wie Holz, Stein, Keramik, Bronze und Gips künstlerisch auseinandersetzte. Daneben fertigte er Intarsienarbeiten und erlernte die Stuck- und Freskotechnik. Von 1930 bis 1931 besuchte er die Akademie Berlin bei Ludwig Gies. 1931 kehrte er nach München zurück und nahm sein Bildhauerstudium an der Akademie der Bildenden Künste bei Bernhard Bleeker auf Von 1933 bis 1939 arbeitete er als selbstständiger Bildhauer in München. Es entstanden zahlreiche Skulpturen, Porträts und Porträtmedaillen, Kleinplastiken, Ölbilder, Aquarelle und die Fresken für das ehemalige Deutsche Jagdmuseum in München (lebensgroße Eiszeittiere). 1939 wurde Nida-Rümelin zum Kriegsdienst eingezogen. 1945 gelang ihm die Flucht aus russischer Gefangenschaft und er war nach Kriegsende wieder als freischaffender Bildhauer in München tätig. Kunstpreis Rolf Nida-Rümelin hat in seinem umfangreichen Werk – für das ihm 1983 der Schwabinger Kunstpreis verliehen wurde – unter anderem für den Stadtbezirk 13 (Bogenhausen) die Skulptur „Vogelschwarm” (Oberföhring, 1971), den Brunnen „Radschlagender Pfau“ (Bogenhausen – Herzogpark, 1973) und die Bronzestatue „St. Emmeram“ (Oberföhring – St. Emmeram, 1979) geschaffen. 1990 wurde ihm die Medaille „München leuchtet” verliehen. Das Hildebrandhaus Von 1945 bis 1969 arbeitete und wohnte er, ab 1951 zusammen mit seiner Familie, im Hildebrandhaus in Bogenhausen. Das Hildebrandhaus, heute Sitz der Monacensia, ist eine der vier großen Künstlervillen Münchens. Der Bildhauer Adolf von Hildebrand ließ es 1898 nach eigenen Plänen als Atelier und Wohnhaus für seine Familie errichten. Von Anfang an gestalteten Adolf von Hildebrand und seine Frau Irene es auch zu einem Treffpunkt des kulturellen Lebens in München. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war der Sohn und Erbe Dietrich von Hildebrand zur Emigration gezwungen, das Hildebrandhaus wurde zum Zeugen eines düsteren Kapitels deutscher Geschichte. Kunst, Kultur und Philosophie Nach dem Krieg mietete Rolf Nida-Rümelin das große Atelier im Hildebrandhaus und lebte und arbeitete dort von 1951 bis 1969 mit seiner Familie. Im Atelier fanden nun Kammerkonzerte und Diskussionen über Kunst, Kultur und Philosophie statt. Als das Hildebrandhaus 1969 der damaligen Spekulationswut zum Opfer fiel und der Abriss drohte, beteiligten sich engagierte Bürger am Kampf für den Erhalt des wertvollen Kulturguts, mit dabei waren Rolf Nida-Rümelin, Walter Grasser, Florian Sattler, Erich Schosser, Hans Joachim Ziersch und viele andere. Zur Erinnerung an Rolf Nida-Rümelin sprechen am Donnerstag, 17. Juni, um 19 Uhr in der Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23, Professor Dr. Julian Nida-Rümelin, Sohn von Rolf Nida-Rümelin und Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Univer-sität München, und der Kunsthistoriker Professor Dr. Andreas Kühne. Über das Künstlerleben im Hildebrandhaus und über den Kampf um den Erhalt der Künstlervilla unterhalten sich Dr. Walter Grasser, Rechtsanwalt, Stadtdirektor a.D. und damals Rechtsrat im Rechtsamt der Landeshauptstadt München, Florian Sattler, Urenkel von Adolf von Hildebrand und damals Radioredakteur, und Professor Dr. Julian Nida-Rümelin, damals Bewohner des Hildebrandhauses. Das Gespräch wird moderiert von Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia. Der Eintritt ist frei.

Meistgelesen

Wenn das Kind stirbt
München Südost
Wenn das Kind stirbt
Wenn das Kind stirbt
Wiedereröffnung 2022 mit Lesecafé, neuem Konzept und modernen Räumen
München Südost
Wiedereröffnung 2022 mit Lesecafé, neuem Konzept und modernen Räumen
Wiedereröffnung 2022 mit Lesecafé, neuem Konzept und modernen Räumen
Kulturelles Sommerfest in der Au: Wir-Gefühl im Viertel stärken
München Südost
Kulturelles Sommerfest in der Au: Wir-Gefühl im Viertel stärken
Kulturelles Sommerfest in der Au: Wir-Gefühl im Viertel stärken
Im Land der Feen und Elfen
Im Land der Feen und Elfen

Kommentare