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Keine Entwarnung für Dorfensembles

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Lebenswert finden viele Menschen im 13. Stadtbezirk die teils idyllischen Strukturen der ehemaligen Dorfkerne von Daglfing, Englschalking, Johanneskirchen und Oberföhring. Weil diese Bereiche unter Ensembleschutz stehen, konnte ein Wildwuchs der Bebauung bisher verhindert und die beschaulichen Orte inmitten des Großstadttrubels erhalten werden. Wie berichtet, plant das Landesamt für Denkmalpflege, den Ensembleschutz für drei Dorfkerne zu streichen und für Oberföhring drastisch zu beschneiden. Dagegen protestieren Bogenhauser Bezirksausschuss und städtische Denkmalschützer. Nun hat der Landesdenkmalrat Daglfing und Oberföhring besichtigt, eine Entscheidung soll im Sommer fallen.

Identität und Heimat verknüpfen viele Menschen mit ihrem nahen Umfeld. Liebenswerte und heimelige Siedlungsstrukturen sind besonders in gewachsenen Vierteln zu finden. Im 13. Stadtbezirk mit seiner Vielfalt unterschiedlichster Siedlungsformen sind auch dörfliche Bereiche vorhanden. Die alten Kerne von Daglfing, Englschalking, Johanneskirchen und Oberföhring gehören dazu. Mit kleinteiliger Bebauung rund um Kirche und Gottesacker sind sie kleine Oasen im Trubel der Millionenstadt. Dass nicht längst ehemalige Bauernhöfe und Siedlungshäuser hohen Wohnblocks weichen mussten, verdanken die alten Dorfkerne sicher der Tatsache, dass sie als Dorfensembles in der Bayerischen Denkmalliste aufgeführt sind. Tabula rasa Nun aber will das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege Tabula rasa machen und alles, was nicht wirklich alt und historisch ist, aus der Liste streichen. Die Dorfkerne von Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen gehören dazu, ebenso ein Großteil des Oberföhringer Zentrums. Gleich nachdem die Pläne der Behörde vor zwei Jahren bekannt wurden, protestierte der Bogenhauser Bezirksausschuss, auch die städtische Denkmalschutzbehörde sprach sich klar dagegen aus. Das Münchner Forum prangerte den geplanten, „unhistorischen Kahlschlag des Landesdenkmalamts“ an. Ortsbesichtigung Kürzlich machten sich Vertreter des Landesdenkmalrats, des Landesdenkmalamts, des Bogenhauser Bezirksausschusses und der städtischen Denkmalschutzbehörde vor Ort ein Bild. Frank Otto (SPD), der Planungssprecher des Bezirksausschusses, trug nochmals die Einwände des Gremiums vor, Ludwig Semmler vom städtischen Denkmalschutz unterstützte ihn. Auch Kreisheimatpfleger Gert Goergens sprach sich gegen die Pläne des Denkmalamts aus. Wenn der Ensembleschutz wegfalle, seien verträglich Veränderungen der Bebauung, wie beispielsweise an der Daglfinger Sambuga-straße, nicht mehr gewährleistet, erklärte Frank Otto im Gespräch mit der HALLO-Redaktion. Sein Eindruck bei der Begehung: „Im Denkmalamt hat sich etwas bewegt. In Oberföhring soll nun ein Teil des Isarhangs im Ensembleschutz bleiben“. Weiteres Vorgehen Der kleinteilige Häuserbereich südlich der Kirche, den der Bezirksausschuss unbedingt im geschützten Ensemble erhalten möchte, soll nach wie vor gestrichen werden. Wie der Landesdenkmalrat entscheiden wird, steht in den Sternen. Immerhin sollen bayernweit einheitliche Richtlinien zu Grunde gelegt werden. Vorerst wird wohl das Landesdenkmalamt eine neue Vorlage erarbeiten, die Landeshauptstadt und BA zur Stellungnahme zugeht. Der Denkmalrat will seine Entscheidung im Sommer fällen. Gabriele Mühlthaler

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