Keine Entscheidung zum Bahntunnel

Für die Ertüchtigung der Flughafenanbindung – auf dem Foto Oberbürgermeister Christian Ude und Stadtbaurätin Elisabeth Merk bei einem Ortstermin anlässlich der Vorstellung der Pläne für eine Express-S-Bahn zum Flughafen am Bahnhof Englschalking – kommt aus Sicht der Landeshauptstadt für den viergleisigen Ausbau im Münchner Nordosten nur eine Tunnelführung der Bahnstrecke (S8) im Bereich Daglfing-Johanneskirchen in Betracht. Foto: HALLO-Archiv/G.M.

Noch steht nicht fest, wie der 13. Stadtbezirk nach dem vierspurigen Ausbau der Gleise zwischen Daglfing und Johanneskirchen aussehen wird. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat die Entscheidung, ob die Gleise im Tunnel oder oberirdisch geführt werden sollen (HALLO berichtete), vertagt. Am 29. Februar soll die Angelegenheit erneut behandelt werden.

Für die Ertüchtigung der Flughafenanbindung kommt aus Sicht der Landeshauptstadt für den angestrebten viergleisigen Ausbau im Münchner Nordosten nur eine Tunnelführung der Bahnstrecke (S8) im Bereich Daglfing-Johanneskirchen in Betracht. „Nur dadurch kann eine nachhaltige, zukunftsfähige Lösung für die Lärm- und Querungsproblematik erreicht werden und können die Voraussetzungen für die künftige städtebauliche Entwicklung östlich der Bahnstrecke geschaffen werden“, heißt es im entsprechenden Beschluss des Stadtrats vom vergangenen Jahr. Kosten 490 bis 550 Millionen Euro müsste die Stadt für die Tunnelvariante auf den Tisch legen, denn kostenlos für die Kommune wäre nur die so genannte „Amtslösung“ mit oberirdischem Schienenverlauf und langen Lärmschutzwänden durch den 13. Stadtbezirk. Auch zusätzliche Planungskosten, über deren Umfang noch verhandelt werden soll, will die Stadt übernehmen. FDP schert aus Während sich niemand im Stadtrat auf die „Amtslösung“ einlassen will, liebäugelt die FDP inzwischen mit dem oberirdischen Ausbau, bei dem die Strecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen den Lärmschutz durch Integration in die Landschaft und Anlage großzügiger Grünverbindungen erhält. Das Grundprinzip dabei heißt: Radler und Fußgänger passieren die Bahnstrecke stets oberirdisch, motorisierter Verkehr wird darunter durchgeführt. Rund 125 Millionen Euro müsste die Stadt dafür zahlen. Auch die Stadtrats-Grünen wollen vor einer Entscheidung über die rund 500 Millionen Euro für den Tunnelbau erst einmal das 40-seitige Gutachten über den Streckenausbau auf dem Tisch haben. Bisher wurden den Stadträten nur neun Seiten daraus vorgelegt. BA-Vorsitzende nutzt Rederecht Angelika Pilz-Straßer (Grüne), die Vorsitzende des Bogenhauser Bezirksausschusses, nahm bei der Stadtratssitzung in der vergangenen Woche ihr Rederecht in Anspruch. Sie habe deutlich gemacht, dass der Bogenhauser Bezirksausschuss es für eine Fehlentscheidung halte, wenn große Wohnbaugebiete im 13. Stadtbezirk ausgewiesen würden (Entwicklungsmaßnahme München Nordost, Trabrennbahn Daglfing), die 12.000 Menschen ins Viertel brächten und dem Ausbau der Bahnstrecke nur mit Lärmschutzwänden begegnet werden solle. „Das wäre eine Schneise durchs Viertel!“ so Pilz-Straßer. Seit Jahren habe die Verwaltung auf Anträge nach barrierefreien Bahnübergängen stets mitgeteilt, erst beim viergleisigen Ausbau der Strecke kämen Unterführungen in Frage. Auch heiße es immer, weitere bauliche Entwicklungen seien erst möglich, wenn die Bahnübergänge barrierefrei seien. Der viergleisige Ausbau stehe bevor, ein städtebauliches Entwicklungsgebiet östlich der Trasse in der Prüfung. Enttäuschung „Ich bin enttäuscht von der Planungsvariante Gebhard, bei der die Strecke oberirdisch geführt und in die Landschaft integriert werden soll. Das überzeugt mich nicht! Ich glaube, an vielen Stellen ist das allein aus eigentumsrechtlicher Sicht gar nicht zu verwirklichen! Und der Lärmschutz durch Bebauung? Wofür? Sollen dort sozial Benachteiligte wohnen?“ „Was Ordentliches“ Andere profitierten vom Streckenbau auf Kosten des 13. Stadtbezirks, findet die BA-Vorsitzende. „Wir als Bezirksausschuss haben das Recht und die Pflicht zu fordern, dass hier was Ordentliches entsteht!“ so Pilz-Straßer. Am 29. Februar, wenn der Streckenausbau Daglfing-Johanneskirchen erneut auf der Tagesordnung des Münchner Stadtrats-Planungsausschusses steht, will die Bogenhauser Bezirksausschuss-Vorsitzende ihr Rederecht erneut ausüben. Gabriele Mühlthaler

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