Handwerk-Spezial

Kaufen war gestern: Das Haus der Eigenarbeit

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Haidhausen: Ob Möbel, Geschirr oder Kleider – im Haus der Eigenarbeit kann man mit Hilfe vom Profi fast alles selber machen.

Eine Säge heult auf. Ein Mann teilt ein quadratisches Holzbrett in zwei Stücke. „Ich lerne das gerade erst“, sagt der 30-Jährige, der zum ersten Mal im „Hei“ ist, dem Haus der Eigenarbeit in der Wörthstraße. Hier werden Laien zum Heim- oder Hobby-Handwerker. Das Werkeln verbindet – jeder ist per Du. 

Ob Töpfern, Schreinern oder Schweißen – im Haus der Eigenarbeit stehen acht Werkstätten bereit, für Laien wie für Profis. Geleitet wird das „Hei“ von Matthias Dorsch.

Ob Schaukel, Massivholztisch, Sessel oder Kleiderschrank – „hier ist alles möglich“, verspricht Matthias Dorsch, Schreiner und Werkstattleiter im „Hei“. „Manchmal dauert es zwar ein bisschen, aber am Ende des Tages hat hier bislang noch jeder das gebaut, was er wollte.“

Er selbst hat hier schon zwei Hochbetten für seine Töchter gezimmert – eines in Form eines Elefanten, die Leiter zum Hochklettern sieht aus wie ein Rüssel. Und eines mit „Prinzessinnen-Verzierung“, also mit Krone und majestätisch geschwungenem Rahmen. Weniger verschnörkelt wird Luigis Werk: Er bohrt gerade kleine Löcher in ein Rohr, an das er Haken befestigen will. „Ich brauche etwas, womit ich Taschen aufbewahren kann“, erzählt der 79-Jährige, der seit Jahren immer wieder ins „Hei“ kommt, um etwas zu zimmern, bohren, bauen, schleifen oder schweißen. Auch Peter (links unten), der am Tisch gegenüber sitzt, kommt immer wieder her. Gerade misst er Holz ab – er will eine neue Hülle für seinen Verstärker bauen. „Die alte Hülle ist schon ganz abgenutzt.“

Etwas ruhiger geht es ein Stockwerk höher zu. Hier sitzt Johanna konzentriert vor der Drehscheibe, flink formen ihre Hände aus einem Klumpen Ton eine Schale. „Das soll ein Set werden“, erzählt die 35-Jährige. Fünf Schalen stehen schon im Regal neben ihr, es fehlen nur noch Glasur und Brennung. „Der Grundton soll weiß werden, darauf ein filigranes Muster.“ Das Töpfern liegt gerade im Trend. „Die Keramikwerkstatt erfährt eine echte Renaissance“, sagt Dorsch. „Zur Zeit haben wir dreimal so viel Kurse wie früher.“

Überhaupt ist es mit dem Do-it-Yourself so eine Sache: „Heute ist das total in – früher hielten viele das für öko“, erzählt der Werkstattleiter. Damals waren Reparier-Kurse sehr gefragt. Doch das hat sich längst geändert. „Die Leute bauen ihre Möbel gerne selber“, sagt er. Die Stücke seien etwas ganz besonderes, individuell gestaltet und selbst designt. Den Hype erklärt sich Dorsch so: „Mit der Digitalisierung sehen viele in ihren Bürojobs kaum noch die Ergebnisse ihrer Arbeit. Hier hält man am Schluss etwas in den Händen.“ Das erfüllt jeden mit Stolz. Hanni Kinadeter

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