80 Jahre „Vier Dörfer für München“

Seit 1930 gehört sie zu München, die ehemalige politische Gemeinde Daglfing, mit ihren Ortsteilen Denning, Englschalking und Johanneskirchen, die allesamt dem Stadtbezirk Bogenhausen zugeschlagen wurden.

Unbemerkt würde das 80-jährige Jubiläum der Eingemeindung vorübergehen, hätte nicht der Verein NordOstKultur eine Ausstellung organisiert, die daran erinnert. Vom 10. April bis 2. Mai ist die Dokumentation der Eingemeindung „Vier Dörfer für München“ in den ehemaligen Räumen der Quellenapotheke, Ostpreußenstraße 26, zu sehen. Geöffnet ist täglich von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr. Vor 80 Jahren, als Daglfing mit seinen Ortsteilen Denning, Englschalking und Johanneskirchen zu München kam, endete die städtische Bebauung etwa dort, wo heute der Mittlere Ring verläuft. Erst nach dem Gemeindeedikt von 1818 wurde aus Daglfing, zu dem damals auch Zamdorf und Steinhausen gehörten, eine Gemeinde. Bei der Schaffung selbstverwalteter Gemeinden waren diese Dörfer und Weiler zwischen den bedeutenderen Orten Bogenhausen, Oberföhring, Trudering und Aschheim übrig geblieben und in dem zusammengewürfelten Siedlungshaufen konnte sich kaum Gemeinschaftsgefühl entwickeln. So brachen Zamdorf und Steinhausen schon 1875 aus dem Verbund aus und erreichten die Umgemeindung nach Berg am Laim, das ab 1913 zu München gehörte. Daglfing unternahm 1911 den ersten erfolglosen Versuch, nach München eingemeindet zu werden, erst 1930 durfte sich die Gemeinde dann Teil der Landeshauptstadt und des Stadtbezirks Bogenhausen nennen. Auch die ehemaligen Daglfinger Ortsteile Zamdorf und Steinhausen wurden von Berg am Laim nach Bogenhausen übertragen, so dass die alten Nachbarorte, wie früher, eine Einheit bilden. 3000 Bürger mehr zählte der ehemalige 29. und heutige 13. Stadtbezirk nach der Eingemeindung und, was viel wichtiger war, seine Fläche vergrößerte sich auf das Dreifache. Heute lebt ungefähr die Hälfte der Bogenhauser (35.000 Bürger) östlich der Cosimastraße im Bereich der ehemaligen Gemeinde Daglfing. Daglfing Schon im Jahre 839, also lange vor München, wurde „Tagolfingas“, das heutige Daglfing, erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf war bis zur Säkularisation Teil der Grafschaft Ismaning im Hochstift Freising. In Daglfings dörflichem Kern, den das Denkmalamt aus der Liste geschützter Ensembles streichen will, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nur wenige Neubauten wurden in den vergangenen Jahrzehnten rund um den Maibaum errichtet, wie eh und je beginnt das flache Land noch immer gleich hinter der Kirche St. Pillippus und Jakobus aus dem 9. Jahrhundert, die im Jahre 1725 ihre heutige Gestalt erhielt. Leben in den stillen Ort kam 1902 mit Bau der Trabrennbahn, die den Namen Daglfing in ganz Deutschland bekannt machte. Nach Jahrzehnten der Blüte musste der Trabrennverein vor wenigen Jahren wegen fallender Wettumsätze und Verschuldung das Gelände verkaufen. Eine große Wohnsiedlung soll in diesem Bereich entstehen, auch die weiten Freiflächen Richtung Johanneskirchen werden wohl überplant, sobald die Bahnschranken in den ehemaligen Ortsteilen von Daglfing durch Unterführungen ersetzt worden sind. Englschalking 1231 findet sich die erste urkundliche Erwähnung Engl-schalkings, das schon lang zuvor besiedelt war. Den Namen erhielt das Dorf durch den Grundbesitzer Engelschalch, was so viel wie „strenger Knecht“ bedeutet. Wie Daglfing gehörte Englschalking von 1319 bis 1892 zum Hochstift Freising, das Kirchlein St. Nikolaus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Mit Bau der ersten Schule an der Schnorr-von-Carolsfeldstraße im Jahre 1896 entwickelte sich Englschalking zum zentralen Ort der Gemeinde Daglfing. Ziegeleien prägten im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Ortsbild. Mit Beendigung der Ziegelproduktion wurde aus dem ehemaligen Ziegelland Bauland. Um 1960 wurde die Siedlung Fideliopark mit hohen Wohnblocks und einem 19-geschossigen Punkthaus gebaut – das Umfeld des Englschalkinger Dorfkerns, der auch auf der Streichliste des Landesamts für Denkmalpflege steht, verlor sein dörfliches Gesicht. Eine weitere Großsiedlung, der Cosimapark, steht sei 1968 im Westen von Englschalking. Johanneskirchen Das älteste Zeugnis dieser Gegend stammt aus dem Jahr 750. Die Kirchenburg St. Johan Baptist war die erste Pfarrkirche der Urpfarrei Föhring, ihr heutiger Bau stammt aus dem 13. Jahrhundert. Südlich von Johanneskirchen erstreckte sich zur Bajuwarenzeit ein weitläufiges Siedlungsgebiet, das bei Neubauvorhaben in den vergangenen Jahren teils ausgegraben wurde. Johanneskirchen wird durch die Bahnlinie getrennt, im Westen liegt der städtisch geprägte Bereich mit bis zu 15-stöckigen Wohnhäusern, östlich findet sich der immer noch ländliche Dorfkern inmitten eines Rings von Siedlungshäusern. Dahinter beginnt das überwiegend landwirtschaftlich genutzte Johanneskirchner Moos. Auch das Dorfensemble Johanneskirchen will das Denkmalamt von der Schutzliste streichen. Denning „Tenningen“, das heutige Denning, taucht als Ort erstmals im Jahr 1200 urkundlich auf. Nachdem die Lehmschicht des ehemaligen Ziegellandes abgebaut war, begann 1928 eine rege Siedlungstätigkeit. Um 1930 wurde am heutigen „Platz der deutschen Einheit“ ein römischer Gutshof mit Badegebäuden ausgegraben, vom alten Weiler steht nur noch der Kernhof, der demnächst abgerissen werden soll. Inzwischen hat sich Denning mit seiner Einfamilienhaus-Bebauung zum hochwertigen Wohnquartier entwickelt und die Ostpreußenstraße mit über 100 Geschäften, Lokalen und Dienstleistern zur beliebten Einkaufsmeile. Gemeinsam mit dem angrenzenden Fideliopark ist sie die östliche Quartiersmitte des Stadtbezirks. Ausstellung und Exkursionen Unbemerkt soll das 80-jährige Eingemeindungsjubiläum von Daglfing nicht an den Bürgern vorbeigehen, findet Roland Krack, der Vorsitzende des Vereins NordOstKultur und hat deshalb eine Ausstellung in den ehemaligen Räumen der Quellenapotheke, Ostpreußenstraße 26, organisiert, die vom 10. April bis 2. Mai läuft und täglich von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist. Zudem richtet NordOstKultur einige Begleitveranstaltungen aus (siehe Kasten). Gabriele Mühlthaler

Auch interessant:

Meistgelesen

Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
München Südost
Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
Kritik am Staat Katar - Münchner Aktivisten und Journalisten rufen zum Protest auf
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
München Südost
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
Wegen Raumnot: Neue Schule am Klinik-Gelände?
Wird’s am Candidplatz schick?
Wird’s am Candidplatz schick?
Abschied vom Sterne-Restaurant
München Südost
Abschied vom Sterne-Restaurant
Abschied vom Sterne-Restaurant

Kommentare