Industriegebiet oder Erholungsfläche?

Der Bund Naturschutz (BN) fordert weiterhin im Gespräch mit Stadträten aller Parteien, dass das vorgesehene Baugebiet für gewerbliche und industrielle Nutzung im Zamdorfer Gleisdreieck am Hüllgraben nicht realisiert wird. Foto: privat

Ob eine der letzten großen Freiflächen im Münchner Osten mit Industriebetrieben zugepflastert oder als naturnahe Erholungsfläche erhalten wird, entscheidet der Planungsausschuss des Stadtrats am 8. Dezember. Vehement sprechen sich Bürger, Bund Naturschutz und die Bezirksausschüsse Bogenhausen und Trudering gegen die Bebauung aus, die Stadtratsfraktionen befinden sich noch im „Meinungsbildungsprozess“.

„Große Defizite an Freiflächen liegen im Münchner Osten und in der inneren Stadt vor“, heißt es im Grundsatzbeschluss zum gesamtstädtischen Konzept über Ausgleichsflächen in der Bauplanung, den der Stadtrat am 3. Februar getroffen hat. Weiter steht in der Beschlussvorlage: „Zur Entwicklung von Bereichen mit Niedermoorcharakter eignen sich prioritär die Flächen entlang des Hüllgrabens“. Gerade die prioritären Suchräume soll das Planungsreferat laut Stadtratsauftrag im Zusammenhang mit dem Ausgleichsflächenkonzept vertiefen und Schwerpunktbereiche herausarbeiten. Bisher allerdings folgt die Behörde diesem Auftrag nicht, soweit es das Gleisdreieck Hüllgraben betrifft. Wie berichtet, soll rund die Hälfte des 16,88 Hektar großen Areals mit Industrie zugepflastert werden. Als Ausgleichsmaßnahme für die Absiedlung der Betriebe entlang der Achse Hauptbahnhof/Laim/Pasing soll der Hüllgraben nun herhalten. Aus gut unterrichteten Kreisen aber hört man, dass die Firmen längst eine neue Bleibe gefunden haben. Warum also soll eine der wenigen, naturnahen Großflächen im Münchner Osten, die zudem noch als wichtige Frischluftschneise gilt, trotzdem geopfert werden? Als unverzichtbarer künftiger Standort für mittelständische Betriebe wird der Bereich in der Bauleitkommission nun gehandelt. Gegen Industriegebiet Nicht die Grünen im Stadtrat oder der Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder sind es, die den Bürgern in ihrem Kampf um den Erhalt des Naherholungsgebiets Hüllgraben beistehen. Die Bezirksausschüsse Bogenhausen und Trudering-Riem haben sich gegen das Industriegebiet ausgesprochen und der Bund Naturschutz fordert die Freihaltung des Hüllgrabens. „Die Fläche mit ihrem Fließgewässer erfüllt unersetzliche stadtklimatische Funktionen. Über sie wird die Stadt nicht nur mit Frischluft aus dem Umland versorgt, sondern es bildet sich dort nachts genau jene Kaltluft, die an heißen Sommertagen so dringend benötigt wird, um die Oberflächentemperaturen in der Stadt auszugleichen“, betont der Bund Naturschutz. Staub und Lärm Nicht Frischluft, sondern Staub- und Lärmemissionen seien hingegen zu erwarten, wenn der Bereich mit Industriebetrieben bebaut werde. Seit den 80er Jahren sei das Areal zwar für klassisches Gewerbe vorgehalten worden, wiederholt aber habe das Referat für Stadtplanung und Bauordnung das wertvolle Gebiet zu Recht auch als ökologische Ausgleichsfläche ins Spiel gebracht und zeitweise sogar unter Schutz gestellt. Der Bund Naturschutz weist auf den Beschluss vom Februar dieses Jahres hin, in dem ausgeführt wird, dass im Münchner Osten genau die Bereiche entlang des Hüllgrabens als aufwertungsfähige Flächen geeignet sind. Kein Ökokonto im Münchner Osten „Anders als im Münchner Westen gibt es im Osten kein Ökokonto, also eine größere Fläche, der die bei Bebauungen nachzuweisenden Ausgleichsflächen zugewiesen werden könnten“, kritisiert der Bund Naturschutz. Besonders im Osten der Landeshauptstadt aber stünden große Neubaugebiete, wie das an der Trabrennbahn, auf der Agenda. Gerade hier liege es nahe, den Hüllgraben endgültig als ökologische Ausgleichsfläche aufzuwerten. Das Stadtentwicklungskonzept „Perspektive München“ sehe vor, den Verbrauch an bisher unbebauten Flächen zu reduzieren, da die Sicherung der Ressource Boden einen hohen Stellenwert habe. In Gesprächen mit Vertretern der SPD und des Planungsreferats habe der Bund Naturschutz diese aber nicht davon überzeugen können, die Planungen zu verbessern. „Genau dieses Prinzip, nach dem die weitere Versiegelung der Stadt gestoppt werden sollte und stattdessen auf Umnutzung gesetzt wird, wird mit dieser Bebauung komplett unterwandert“, so Rudolf Nützel, der Geschäftsführer der BN.Kreisgruppe München. Noch im Entscheidungs- findungsprozess Stadtrat Robert Brannekämper (CSU) wäre es am liebsten, wenn das Hüllgraben-Dreieck unbebaut bliebe. Ob dies in der CSU-Fraktion Mehrheiten findet, kann Brannekämper noch nicht sagen. Wahrscheinlich werde man aber zumindest die Halbierung der geplanten Bebauung fordern. Auch bei den Grünen läuft noch der Abstimmungsprozess. Noch warte man auf Antwort auf eine Anfrage, ob überhaupt Bedarf für das Industriegebiet bestehe und welche vertraglichen Verpflichtungen die Stadt eingegangen sei, so Fraktionsmitarbeiter Josef Högl. SPD-Planungssprecherin Claudia Tausend war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Politiker antworten Bürgern nicht Keine Antwort auf ihre Bitte vom Sommer, das Hüllgrabendreieck als Naherholungsraum zu erhalten, hat bisher Brigitte Jais von den Politikern bekommen. Jais hatte im Mai mehr als 1200 Unterschriften gegen die Pläne an Bürgermeister Hep Monatzeder übergeben, dessen Büro später mitteilte, diese seien ans zuständige Referat weitergeleitet worden. Bis zum 8. Dezember muss sich Brigitte Jais wohl gedulden, dann wird sich zeigen, ob ihre Aktion den gewünschten Erfolg gebracht hat. Gabriele Mühlthaler Industriegebiet oder Erholungsfläche? Ob am Hüllgraben eine der letzten großen Freiflächen im Münchner Osten mit Industriebetrieben zugepflastert oder als naturnahe Erholungsfläche erhalten wird, entscheidet der Planungsausschuss des Stadtrats am 8. Dezember. Vehement sprechen sich Bürger, Bund Naturschutz und die Bezirksausschüsse Bogenhausen und Trudering gegen die Bebauung aus, die Stadtratsfraktionen befinden sich noch im „Meinungsbildungsprozess“. Wie ist Ihre Meinung? Soll das Areal in seiner jetzigen Form erhalten werden? Machen Sie mit bei unserer Umfrage unter www.hallo-verlag.de.

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