Nutzung für Recycling im Gleisdreieck umstritten

Bauschutt am Hüllgraben?

Das künftige Industrie- und Gewerbegebiet im Gleisdreieck Hüllgraben ist nach Ansicht der städtischen Planer für Bauschutt-Recyclingbetriebe wenig geeignet. 

Das Wirtschaftsreferat hingegen sieht hier einen der letzten Standorte innerhalb des Münchner Burgfriedens, auf dem Bauschutt-Recycling möglich wäre. Gegen diese Nutzung hat sich der Bogenhauser Bezirksausschuss klar ausgesprochen, während die Truderinger Kollegen der Sache offen gegenüberstehen.


Nicht nur wiederverwendbares Material, sondern auch Lärm und Staub produzieren Boden- und Bauschutt-Recyclinganlagen. Weil ein mittlerer Betrieb rund 5 Hektar Fläche benötigt, haben sich die Firmen vor allem im Münchner Umland angesiedelt, wo noch Grundstücke vorhanden und wesentlich günstiger zu haben sind, als in der Landeshauptstadt. Etwa 4,6 Millionen Tonnen recyclingfähiges Material fällt in München pro Jahr im Durchschnitt an, 240.000 Tonnen davon werden im Stadtgebiet verarbeitet.

Weit unter Schnitt

Diese Recyclingquote von 5,2 Prozent liegt weit unter dem Schnitt von 30 Prozent, die Münchner Bauschutt-Recyclingfirmen im Jahr 2006 als Ziel für eine markfähige Größe künftiger Recycling-Aktivitäten nannten. Dies würde einen zusätzlichen Flächenbedarf von 30 Hektar auslösen. Rein rechnerisch müssten sechs Anlagen-Standorte mit mindestens 5 Hektar geschaffen werden, damit sich entsprechende Betriebe ansiedeln könnten. Eine Untersuchung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung hat allerdings ergeben, dass München eigentlich keine geeigneten Flächen mehr im Angebot hat. Acht potentielle Standorte wurden dennoch genauer unter die Lupe genommen, darunter auch das Gleisdreieck Hüllgraben zwischen A94, Bahnlinie München-Mühldorf und S-Bahnlinie München-Ismaning, wo ein neues Industrie- und Gewerbegebiet ausgewiesen wurde.

Konflikte

Gewerbe- und Industrieflächen für Betriebe, welche wegen Umstrukturierung von Bahnflächen an der Achse Hauptbahnhof-Laim-Pasing abgesiedelt werden müssen, hat die Stadt im Gleisdreieck Hüllgraben geschaffen. Eine Bauschutt-Recyclinganlage allerdings wäre dort nach Ansicht der Stadtplaner problematisch wegen der unmittlbaren Nähe zu Biotopen und ökologisch wertvollen Flächen. Zudem erwartet man Konflikte, weil die südlich gelegenen Siedlungen durch Staub und Lärm gestört würden.

Gelegen

Den Bogenhauser Bezirksausschuss-Politikern kommt das gelegen, denn sie halten ein Boden- und Bauschutt-Recycling im Hüllgraben-Dreieck für nicht vertretbar und akzeptierten auch das Ersatz-Standort-Konzept nur mit Bauchschmerzen. Locker sehen das hingegen die Kollegen aus dem Truderinger Bezirksausschuss, sie stehen einer Bauschutt-Recyclinganlage offen gegenüber.

Wirtschaftsreferat

Anders als das Planungsreferat möchte das Haus von Wirtschaftsreferent Dieter Reiter den Recycling-Standort Hüllgraben-Dreieck noch nicht ganz aufgeben. Falls das neue Industriegebiet nicht durch die vorgesehene Umsiedlung von Betrieben ausgelastet werde, sollten die Flächen für andere gewerbliche Nutzung im Sinne Bauschutt-Recycling bereitgestellt werden, erklärt das Referat für Arbeit und Wirtschaft in seiner Stellungnahme.

Standort „An der Point“

Beinahe im Außenbereich liegt das Areal „An der Point“ in Riem, das im Flächennutzungsplan als Ver- und Entsorgungsfläche dargestellt ist. Dort allerdings wollen weder die Stadtplaner noch der Truderinger Bezirksausschuss eine Bauschutt-Recyclinganlage ansiedeln. Das Gelände soll „wegen seiner Nähe zur Messe und einem High-Tech-Gewerbegebiet attraktiver gestaltet werden“, so die Begründung.

Demnächst sollen die Ausführungen zu möglichen Standorten für Bauschutt-Recyclinganlagen in München dem Stadtrat vorgelegt werden.    Gabriele Mühlthaler

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