Was dank der Medizin schon alles möglich ist

HIV: Sein Leben mit der Krankheit

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HIV – immer noch Tabuthema? Münchner Positive gehen mit Sportaktion an die Öffentlichkeit.

Schluss mit Stigma, Tabu und Ausgrenzung: Jetzt laden HIV-Positive zum Sportevent mit Gesunden ein.

Giesing – Maik Schoeneich ist 46 Jahre alt, aus Nymphenburg, Ingenieur und HIV-positiv. 2008 hat er die vernichtende Diagnose erhalten – ein echter Schock. „Ich dachte, jetzt ist es vorbei“, erinnert er sich. „Dass ich nie wieder glücklich sein kann, dass ich nie wieder arbeiten kann und dass ich sterbe.“

Maik Schoeneich ist ein waschechter Münchner.

Sport gegen Diskriminierung

Heute, elf Jahre später, sitzt er im Café, nippt an seinem San Pelegrino, und erzählt, dass er regelmäßig Krafttraining macht, Spinning liebt und sich für den Verein „Münchner Positive“ engagiert – ganz aktuell für eine Sportaktion.

Diese startet am Dienstag, 11. Juni, um 19 Uhr, mit einem Lauftraining an der Isar. Mittwochs soll dann in einer im Giesinger Anton-Fingerle-Bildungszentrum, Schlierseestraße 47, jede Woche ein zweites Training stattfinden. Am Mittwoch, 5. Juni, um 19.30 Uhr findet dazu vorab ein Infoabend im Club Harry Klein statt – unter anderem mit einer HIV-positiven Marathonläuferin. Ziel der Aktion: „Wir wollen aufklären, Diskriminierung abbauen und die Menschen zum Sport bringen – das ist gut fürs Immunsystem.“

Nicht mal im Krankenhaus will man Blut abnehmen

Diskriminierung kennt auch er: Etwa, wenn ihm im Krankenhaus keiner Blut abnehmen will. „Dabei bin ich dank Medikamenten gar nicht mehr ansteckend“, sagt er. Noch heute sitzt der Schock darüber tief, dass ihm der Arzt damals diese schlechte Botschaft überbrachte. Eigentlich war er wegen Grippe, Schlappheit und Durchfall zum Arzt gegangen.

Drei Jahre lang hat es gedauert, bis sich Schoeneich mit der Diagnose arrangieren konnte. „Mir hat die Selbsthilfegruppe gut getan“, sagt er. Statt sich – wie zu Beginn – in Schweigen zu hüllen und Zuhause zu verkriechen, outete er sich. Anfangs nur der Familie und Freunden gegenüber, später auch am Arbeitsplatz. Heute ist er sogar Botschafter der „Münchner Positiven“. „Man braucht das Selbstbewusstsein, sich hinzustellen und zu sagen: Ich bin HIV-positiv.“ Wenn man es für sich behalte, werde es eine Riesenbelastung.

„Heute bin ich nicht mehr anteckend - ich kann auch Kinder bekommen“

Anders als zu Beginn erwartet, lebt der 46-Jährige heute ein ganz normales Leben. „Ich bin super therapiert“, sagt er und zählt auf, was dank der Medizin möglich ist: HIV-Infizierte sind – wenn richtig behandelt – nicht mehr ansteckend, können also auch ohne Kondom Sex haben, können problemlos gesunde Kinder bekommen und wie jeder sporteln.

„Viele denken dann, sie dürfen sich nicht mehr anstrengen und hören auf Sport zu machen – das ist Quatsch.“ Etwa 4000 Menschen sind in München betroffen, zum Stammtisch der „Münchner Positiven“ kommen regelmäßig zwischen 15 und 20 Betroffene.

Obwohl Schoeneich chronisch krank ist, täglich Pillen schlucken und alle drei Monate zum Arzt muss, kann er dem Ganzen auch etwas Gutes abgewinnen. „Ich habe neue, enge Freundschaften geschlossen und setze mich viel bewusster mit meinem Leben auseinander.“ Wer ihn angesteckt hat, das kann Schoeneich nicht mit Sicherheit sagen. Aber: „Es spielt auch keine Rolle. Es ändert nichts daran“, sagt er gelassen. hki

Infos und Anmeldung zum Sport: www.muenchnerpositive.de

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