»Hier stirbt ein Stück Alt-Giesing«

Kampf um das Kutscherviertel: Die einst denkmalgeschützten Häuser in der Birkenau sollen abgerissen werden

Untergiesing Es ist eine andere Welt – mitten in München. Kopfsteinpflaster, Straßenlaternen aus der Jahrhundertwende, schmale Straßen, kleine Häuschen – teilweise verfallen, teilweise wunderschön hergerichtet. „Das Viertel hat so ein charmantes Flair, dass hier wochenends viele Münchner spazieren gehen“, erklärt Anwohnerin Clara Bilas. Nun ist die Idylle gefährdet: Das Haus 12 wurde Ende 2009 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) von der Denkmalliste gestrichen, jetzt sollen Birkenau 10 und 12 abgerissen werden. Stattdessen soll hier ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage entstehen. Alfred und Karin Hierl wurden zum August aus ihrer Polsterei-Werkstatt in der Birkenau 10 gekündigt. „Auch unsere Obermieter und der Schrott­händler in der Birkenau 12 müssen raus“, klagt Hierl. Die Anwohner fürchten jetzt, dass noch mehr der kleinen Herbergshäuschen von der Denkmalliste gestrichen und durch große Häuser ersetzt werden – momentan gilt der Denkmalschutz noch für die Adressen Birkenau 17, 18, 19, 22, 25, 27/29 und 31. Außerdem fordert der Bezirksausschuss, die kürzlich von der Liste gestrichenen Gebäude wieder aufzunehmen. Doch Dr. Burkhard Körner vom BLfD verteidigt die Entscheidung: „Verschiedene bauliche Maßnahmen haben zu einer erheblichen Reduzierung des historischen Bestandes geführt und auch die städtebaulich veränderte Umgebung rechtfertigt keine Denkmaleigenschaft mehr.“ Die Giesinger, darunter Steffen Marx vom Giesinger Bräu und Günther Hahn, sehen das anders: „Mit diesen Häusern stirbt ein Stück Alt-Giesing“, beklagen sie. „Diese Siedlung erzählt die Geschichte des Viertels“ (siehe auch Kasten). „Es geht doch nicht darum, ob an dem Haus alles noch original ist, sondern um den unverwechselbaren Charakter, den man hier immer noch spürt“, betont Anwohnerin Andrea Wenzel-Thiele, die einen Antrag auf Ensembleschutz für die Birkenau stellte. Doch auch hier kann Körner wenig Hoffnung machen: „Die Birkenau ist durch Neubauten so gestört, dass hier kein Ensemble aus der Zeit der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr ausgewiesen werden kann, es gibt nur noch wenige zusammenhängende Bereiche.“ Gerade um diese wenigen Bereiche zu erhalten, macht sich auch das Ehepaar Dr. Alexander und Clara Bilas stark, schrieb Protestbriefe an Lokalbaukommission, Stadtheimatpfleger und an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege: „Wir lieben diese Ecke – man darf hier nicht noch mehr Bebauungssünden zulassen“. Maren Kowitz

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