Protzvilla verdrängt Diven-Kleinod

Villa von Margot Hielscher in München weicht Millionenbau – Neffe und Anwohner sind verärgert

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Drei Jahre lang steht der Bungalow von Margot Hielscher bereits leer und verfällt. Wann der Abriss beginnt ist noch unklar. Bekannt ist hingegen, dass auf dem Grundstück eine Luxusvilla entstehen soll.

Drei Jahre lang steht der Bungalow von Margot Hielscher leer und verfällt. Wann der Abriss beginnt ist unklar. Bekannt ist, dass auf dem Grundstück eine Luxusvilla entstehen soll.

  • Die Villa von Margot Hielscher in Bogenhausen soll abgerissen werden.
  • Anwohner hatten Denkmalschutz für die Villa gefordert.
  • Peter von Schall-Riaucour will seiner Tante auf andere Art gedenken.

Der Herzogpark in Bogenhausen ist als Münchens Nobelgegend bekannt. Entlang der Isar reihen sich hier die Anwesen. In Kürze soll in der Gegend auch die teuerste Villa Münchens stehen: zum Kauf für 38,3 Millionen Euro mit 22 Zimmern, zwei Pools und Luxus-Spa. Laut Inserat gelegen auf dem „schönsten Grundstück des Herzogparks“, direkt an den Isar­auen – und da, wo bis 2018 die Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin Margot Hielscher lebte. 

Margot Hielscher

Hielscher Villa in München wird abgerissen - Es soll ein weiterer Nobelbau in Bogenhausen entstehen

„Geschichte wird hier für eine Protzvilla plattgemacht“, empört sich Hielschers Neffe, Peter von Schall-Riaucour. „Was hier entsteht, hat nichts mit meiner Tante zu tun, die in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist. Sie war keine Angeberin.“ Der Planegger hätte sich die Restaurierung des Hauses an der Gustav-Freytag-Straße 2 gewünscht. 

Bilder von der Hielscher Villa

Die Villa von Margot Hielscher in Bogenhausen soll abgerissen werden.
Die Villa von Margot Hielscher in Bogenhausen soll abgerissen werden. © rea
Als Schauspielerin stand Hielscher in mehr als 60 Filmen vor der Kamera, als Schlagersängerin trat sie gleich zweimal für die Bundesrepublik beim Grand Prix an und im BR war sie eine der ersten weiblichen Talkerinnen mit eigener Sendung.
Als Schauspielerin stand Hielscher in mehr als 60 Filmen vor der Kamera, als Schlagersängerin trat sie gleich zweimal für die Bundesrepublik beim Grand Prix an und im BR war sie eine der ersten weiblichen Talkerinnen mit eigener Sendung. © privat
Seit drei Jahren steht der Bau aus den 50ern leer und verfällt zusehends.
Seit drei Jahren steht der Bau aus den 50ern leer und verfällt zusehends. © rea
Einst gingen hier neben der Filmdiva auch Promis wie Heinz Rühmann oder Leonard Bernstein ein und aus.
Einst gingen hier neben der Filmdiva auch Promis wie Heinz Rühmann oder Leonard Bernstein ein und aus. © rea
Emanuel Rüff hat sich für den Erhalt der Hielscher-Villa eingesetzt.
Emanuel Rüff hat sich für den Erhalt der Hielscher-Villa eingesetzt. © rea
In Büchern sieht man noch den alten Glanz des Anwesens.
In Büchern sieht man noch den alten Glanz des Anwesens. © rea
Gegenüber der Villa will Hielschers Neffe eine Büste für die Grande Dame aufstellen lassen.
Gegenüber der Villa will Hielschers Neffe eine Büste für die Grande Dame aufstellen lassen. © rea

Doch darauf hat er keinen Einfluss: Ihren Bungalow hatte Hielscher schon zu Lebzeiten für eine Leibesrente an einen Bauträger verkauft. Abriss und Neubau wurden im Februar von der Lokalbaukommission genehmigt. Wann tatsächlich die Abrissbirne kommt, ist aber noch nicht bekannt. Hielschers Neffe ist nicht der einzige, der den Bungalow erhalten will. 

Anwohner fordern Denkmalschutz für Villa von Margot Hielscher

Die Anwohner Eugen Rabold und Emanuel Rüff hatten bereits kurz nach dem Tod der Grande Dame Denkmalschutz für das Gebäude gefordert – aus architektonischen Gründen. „Es ist vielleicht das einzige Gartenhofhaus in ganz München“, erklärt Rüff.

Der Anwohner Emanuel Rüff forderte, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.

Damit bezeichnet man meist einstöckige Wohnhäuser, die winkelförmig gestaltet sind und von zwei Seiten einen Garten oder ein Atrium umschließen. In Westeuropa entstanden sie vor allem in den 1960er Jahren. Hielschers Villa im Herzogpark wurde von 1953 bis 1954 gebaut – entworfen wurde sie von Paul Stohrer. In Stuttgart stehen mehrere Gebäude des Architekten unter Denkmalschutz. „Unsere Forderung war also keineswegs überzogen“, so Rüff

Anders sieht es das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege: „Die Architektur des kleinen Wohnhauses hat für sich genommen keine herausragende Wertigkeit im Vergleich zu anderen Wohnhausbauten der 1950er-Jahre in München“, so die Behörde auf Hallo-Nachfrage. 

Stattdessen einen „kitschig historisierenden Palast“ zu akzeptieren, sei laut Rüff aber nicht nur architektonisch fragwürdig. „Dann steigen die Bodenrichtpreise im Herzogpark endgültig so an, dass hier kein normaler Mensch mehr ein Haus kaufen kann.“

Peter von Schall-Riaucour plant eine andere Form der Ehrung

Abgelehnt wurde die Umbenennung eines Teils der Gustav-Freytag-Straße in Margot-Hielscher-Weg. Laut Kommunalreferat gibt es Umbenennungen nur in begründeten Fällen – etwa, wenn Geehrten Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. 

Ende 2019 wurde aber beschlossen, eine neue Straße in Lochhausen nach Hielscher zu benennen. „Mit Lochhausen hat Tantchen nie etwas zu tun gehabt“, sagt ihr Neffe, Peter von Schall-Riaucour. Stattdessen plant er eine Büste an einer Parkbank gegenüber von Hielschers Villa. Nach Beginn der Abrissarbeiten will er darüber mit dem Investor sprechen.“

Nach dem Tod Hielschers setzte ihr Neffe – Peter von Schall-Riaucour – dem Multitalent ein Denkmal: mit einem Filmpreis.

Romy Ebert-Adeikis

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