Klinik-Katastrophe

"Besser als in Simbabwe"

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Notaufnahmen komplett belegt: „Initiative Klinikum Harlaching“ schildert schockierende Zustände in den Krankenhäusern – Engpässe bei der Versorgung an der Tagesordnung.

Die „Initiative Klinikum Harlaching“ schlägt Alarm: „Jetzt ist es soweit! Die Notaufnahmen Münchens (Foto: Symbolfoto) sind voll belegt und die Notfallbetten ausgelastet!“ Schockierende Zustände, auf die Ivena München, ein interdisziplinärer Versorgungsnachweis vom Rettungszweckverband München, hinweist. Ist alles voll, „wird zwangsbelegt“, sagt Rettungszweckverband-Geschäftsführer Roland Dollmeier – und das komme häufig vor: Notfall-Patienten müssten angenommen und im schlimmsten Fall auf den Gängen stationär untergebracht werden. Das bestätigt auch Notarzt Dr. Ulrich Heindl. Mittlerweile sei es normal, dass es in München nicht ausreichend Notfallbetten gibt: „Die Kliniken kennen diesen unzumutbaren Zustand seit Jahren, und es wird immer schlimmer“, so Heindl. Aber wenn die Kliniken bei Notfällen komplett ausgelastet sind, kann dann noch adäquat behandelt werden? „Man versorgt halt einen Patienten nach dem anderen“, so Mediziner Heindl. „Es ist auf jeden Fall besser als in Simbabwe.“ Paradox: In den Krankenhäusern werden Betten abgebaut (siehe Interview unten). Dabei müssten immer mehr Menschen in den Kliniken versorgt werden, so Heindl. Sind die Krankenhäuser maximal belegt, „müssen die Patienten mit ihren Betten eben auf die Gänge ausweichen, haben keinen Service – die Patientensicherheit ist gefährdet.“ Spätestens mittags seien die Notaufnahmen in der Regel voll. Und das, obwohl keine extremen Winter- und Glätteverhältnisse herrschen. Ein weiteres Mitglied der Initiative sagt: „Wir wollen doch eine Weltstadt mit Herz sein und nicht eine mit Schmerz.“ Die Initiative übt sich in Galgenhumor und weist darauf hin, dass die Münchner auf Kliniken im Umland ausweichen können. Aber: „Das ist in der Praxis gar nicht möglich, schließlich stehen auch dort immer weniger Betten zur Verfügung.“ Einen Überblick über die Belegung der Münchner Kliniken gibt Ivena München aus naheliegenden Gründen: Die Krankenhäuser geben hier ihr Patientenaufkommen täglich aktuell weiter, sodass die Leitstelle der Rettungskräfte über die Belegung informiert ist und gegebenenfalls einliefern oder auch zwangsbelegen kann.

Ines Weinzierl

"Sanierung gefährdet die Notfallversorgung" - Interview mit Reinhold Barbor.

Die „Initiative Klinikum Harlaching“ kämpft gegen den Abbau der Betten. „Ab 2017 sollen in Harlaching die bisher 760 Betten auf 550 reduziert werden“, sagt Initiative-Vorsitzender Reinhold Babor. Was die Folgen sind, erklärt er hier.

Herr Babor, wenn die Not­aufnahmen Münchens komplett belegt sind: Was hat das für Folgen?

Wenn die Notfallbetten belegt sind, sind sie belegt. Dann werden die Kliniken zwangsbeliefert und es kann dazu kommen, dass Patienten beispielsweise auf dem Gang in einem Bett geparkt werden. Es kann nicht sein, dass die Leitstelle trotz angeblich zu vieler Krankenhausbetten täglich mehrfach zu Zwangsbelegungen gezwungen wird.

Was sind die Gründe für die komplette Belegung?

Personal- und Bettenabbau sowie Einsparungen.

Warum werden Betten abgebaut, wenn die Nachfrage da ist?

Das Problem ist, dass die Kliniken auf die Münchner ausgelegt sind. Kommen jetzt aber auch Patienten aus dem Umland dazu, wird es eng.

Wie kann das verbessert werden? Die fünf städtischen Kliniken haben eine Geschäftsführung, daraus resultiert die geringe Eigenverantwortung der Kliniken. Wenn es beispielsweise um Personalentscheidungen geht, stehen lange Dienstwege an, deshalb kann nur sehr langsam agiert werden.

Könnte es passieren, dass im Intensivbereich oder in der Notfallversorgung Betten abgebaut werden? Das wäre eine Katastrophe. Das darf nicht passieren und bis jetzt ist auch nichts geplant. Die Angst ist aber, dass durch die Sanierung die Notfallversorgung gefährdet ist.

Ines Weinzierl

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