Jeder kann ein kleiner Luther sein

Giesinger Thesenanschlag: Lutherkirche plant besondere Aktion zum Reformationsjubiläum

Vor ihrer Thesentür (v. li.): Pfarrerin Karin Wolfgang, Pfarrerin Verena Übler und Diakon Rainer Fuchs.
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Vor ihrer Thesentür (v. li.): Pfarrerin Karin Wolfgang, Pfarrerin Verena Übler und Diakon Rainer Fuchs.

Giesing: Vor 500 Jahren soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben. Nun können Münchner es ihm nachtun.

Leuchtend rot thront sie stolz am Hochufer der Isar, direkt am Giesinger Berg: die evangelische Lutherkirche. Seit zehn Monaten ist Rainer Fuchs (44) dort Diakon im täglichen Einsatz für knapp zehntausend Gläubige. Am Donnerstag, 29. Juni, stellt er sich und seine neue Gemeinde mit einer außergewöhnlichen Aktion ab 18 Uhr auf dem Odeonsplatz vor. Da 2017 für alle Protestanten ganz im Zeichen des großen Kirchenreformators Martin Luther steht, hat sich Fuchs für die Festveranstaltung mitten in München dazu etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Wie es schon Luther vor 500 Jahren tat, können dort die Gläubigen ihre ganz persönlichen Thesen öffentlich und für alle sichtbar an eine Tür schlagen. Das Motto der Giesinger Luther-Kirche zum Reformationsjubiläum am 29. Juni lautet passend: „Jeder kann ein kleiner Luther sein!“

Die Vorbereitungen der Giesinger Gemeinde laufen auf Hochtouren. Diakon Fuchs hat dem Hausmeister eine alte weiße Tür zur Aktion aus dem Kirchenkeller stibitzt. 500 Thesenzettel, auf die die Besucher am Odeonsplatz ihre Wünsche, Bitten und Hoffnungen schreiben können, liegen bereit. Fuchs’ neu entworfenes, leuchtendes lila Banner „Evvig Evangelisch in Giesing“ darf natürlich auch nicht fehlen – dort wo es steht, ist auch Diakon Fuchs zu finden. Er, der bekennende Rockabilly-Fan, ist nicht nur mit seinen vielen Tattoos und der markanten Haartolle eine Ausnahmeerscheinung. So wie er optisch aus dem Rahmen fällt, so aktiv ist er seit Jahren als Christ, besonders jetzt, im Reformationsjahr. Diese einmalige Aktion ist ihm besonders wichtig, denn er weiß: „Wir müssen uns als Kirche weiter reformieren.“

Am Kirchen-Stand vor Ort sind am Abend des 29. Juni aber nicht nur Fuchs selbst, sondern auch die Gemeinde-Pfarrerinnen Karin Wolfgang (60) und Verena Übler (51) anzutreffen. Sie sind offen für das Gespräch mit Bürgern, Besuchern, Gläubigen – und wollen neue Antworten finden: Was wünschen sich die Menschen heute von der Kirche, wie stellen sie sich Glauben in Zukunft vor? Welche Botschaft vermissen sie, welche Erwartungen haben sie an Kirche, was muss diese ändern, damit die Menschen am Glauben festhalten? Diakon Fuchs und die Pfarrerinnen sind sich einig: Ihr Beruf ist kein Bürojob. Er ist Berufung – ihr Einsatz gilt immer.

mjh

Los geht das große Luther-Fest am Donnerstag, 29. Juni, um 18 Uhr. Für Musik sorgen Live-Bands, Chor und Orchester – und die Gastredner Ex-OB Christian Ude und Oberkirchenrätin Susanne Breit-Keßler sind auch mit dabei. Weitere Infos: www.muenchen-evangelisch.de/luther-2017-im-dekanat.

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