U-Bahnstation Silberhornstraße

24 Mal Poesie im Untergrund

Einen Adventskalender der anderen Art gibt es heuer an der Silberhornstraße.

Es gibt Adventskalender mit Schokolade, es gibt Adventskalender mit Spielsachen und es gibt Adventskalender mit Poesie – so wie in der Obergiesinger U-Bahnstation Silberhornstraße. Bereits zum zweiten Mal veranstaltet die Künstlerin Katharina Schweissguth vom Verein Poesieboten den poetischen Adventskalender. Vom 1. bis zum 24. Dezember schreibt jeden Tag ein anderer Dichter seine Verse in eines der weißen Kästchen auf dem riesigen Plakat. Heuer findet die Aktion im Rahmen des Werner-Schlierf-Jahres statt, mit dem Giesing einen seiner bekanntesten Söhne, den Schriftsteller Werner Schlierf, ehrt.

Auf dem Weg zur Arbeit ein paar Verse im Untergrund lesen – ein besinnlicher Moment in den Wochen vor Weihnachten. „Für mich persönlich ist die Vorweihnachtszeit sehr hektisch und stressig“, sagt Schweissguth. „Und genau da, wo der Stress im Alltag am größten ist, wollte ich den Menschen die Möglichkeit geben, auf poetische Art und Weise inne zu halten.“

Die Freude der Menschen beim Lesen der Gedichte und die positive Rückmeldung haben die Initiatorin bei der Premiere 2014 begeistert. Ein Gedicht von damals ist Schweissguth besonders in Erinnerung geblieben: „Advent, Advent, Frieden brennt, Welt rennt, Menschen in Not, morgen tot. Nachgedacht? Hilfe bracht! Heilige Nacht!“ Oft ist es aber auch ganz einfach die Spontanität der Menschen, die die Aktion zu etwas Besonderem macht. So erinnert sich die Künstlerin an einen Passanten, der das Plakat beim Vorbeigehen mit dem Karl Valentin-Zitat „Ich bin froh, wenn die staade Zeit vorbei ist, dann wird’s vielleicht wieder ruhiger“ verschönerte – und so die versammelte Menschentraube zum Lachen brachte.

Beim unterirdischen Adventskalender allein bleibt’s heuer aber nicht: Am Montag, 5. Dezember, schaut der poetische Nikolaus von 17 bis 19 Uhr vorbei und verteilt seine Gedichte an Groß und Klein. Gleichzeitig können Poesie-Fans ihre Zeilen bei einem Gedichte-Flashmob selbst vortragen. „Die U-Bahnstation verwandelt sich dann für ein paar Stunden in eine einzigartig Poesiewelt für jedermann“, sagt Schweissguth. Teresa Seeger

Wer gerne eines der poetischen „Türchen“ schmücken möchte, kann sich bis Ende November per e-Mail an info@poesiebriefkasten.de melden. Weitere Infos zum Verein und seinen Aktionen gibt es online unter www.poesiebriefkasten.de.

Auch interessant:

Meistgelesen

Radfahrerin missachtet Vorfahrt - es kommt zum Zusammenstoß mit einem zivilen Polizeifahrzeug
Radfahrerin missachtet Vorfahrt - es kommt zum Zusammenstoß mit einem zivilen Polizeifahrzeug
Ihr Plan: Wohnen bei den Toten
Ihr Plan: Wohnen bei den Toten
Die Schäffler tanzen in der Ostpreußenstraße
Die Schäffler tanzen in der Ostpreußenstraße

Kommentare