„Da geht Vertrauen in die Menschen verloren“

Einbruchsserie in Oberföhring: Schmuck weg, Wohnung verwüstet – ein Betroffener berichtet

Martin Tscheu ist erschüttert: Während er mit seiner Frau in Berlin urlaubte, raubten Diebe seine Wohnung aus.
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Martin Tscheu ist erschüttert: Während er mit seiner Frau in Berlin urlaubte, raubten Diebe seine Wohnung aus.

Bogenhausen: „Plötzlich beobachtet man Unbekannte in der Straße ganz misstrauisch.“

Martin Tscheu und seine Ehefrau lassen sich gerade in Berlin auf einer Hochzeit das Festessen schmecken, die Herbstsonne leuchtet – als plötzlich das Handy klingelt. „Bei uns wurde eingebrochen“, sagt Martin Tscheu erschrocken zu seiner Frau. Die Feierlaune ist im Keller.

Zurück in München erwartet das Oberföhringer Ehepaar ein Horrorszenario: Die komplette Wohnung ist verwüstet. Papierkram, Bücher und Kabel liegen am Boden. Die Schubladen stehen offen, die Schränke wurden aufgerissen, der Inhalt liegt kreuz und quer über dem Boden verteilt. „Sie haben unsere ganze Wohnung durchwühlt“, sagt Tscheu entsetzt. Er ist nicht das einzige Opfer. Binnen weniger Stunden sind die Täter offenbar in mehreren Wohnungen in Bogenhausen eingebrochen. „Bei unseren Nachbarn gegenüber im fünften Stock wurde am selben Tag eingebrochen“, berichtet Tscheu. Auch eine Straße weiter seien Einbrüche gemeldet worden. An der Haustür hängt seitdem ein Zettel auf dem die Anwohner gewarnt werden. Die Polizei vermeldet einen weiteren Einbruch in der Denninger Straße – und zählt insgesamt sechs Taten an diesem Tag in dieser Ecke Bogenhausens. „Vermutlich war eine Bande am Werk“, ist zumindest der Oberföhringer überzeugt. „Profis waren das jedenfalls nicht“, steht für ihn fest. Während die Einbrecher Laptop und eine wertvolle Keramikfigur stehen ließen, packten sie etwa zwei Porzellanpuppen ein, die für das Ehepaar Tscheu lediglich ideellen Wert hatten. Ansonsten hatten die Täter es offenbar auf Schmuck und Bargeld abgesehen.

Neben dem materiellen Schaden ist vor allem das Sicherheitsgefühl verloren gegangen

Einen Ring, ein Armband und eine kostbare Uhr haben sie aus Tscheus Wohnung gestohlen – alles Gegenstände von emotionaler Bedeutung für die Oberföhringer. „Das waren lauter Geschenke“, erzählt Tscheu, der auch Kommunalpolitiker ist. Der Wert liegt bei etwa 1000 Euro, außerdem musste die Tür der Wohnung ausgewechselt werden. Doch was für den Oberföhringer viel schlimmer ist: „Da geht das Vertrauen in die Menschen verloren. Plötzlich achtet man darauf, ob Unbekannte in der Straße sind und beobachtet sie.“ Direkt nach dem Einbruch wollten weder er noch seine Frau in der Wohnung übernachten. „Das ist ein ganz unbeschreiblich unangenehmes Gefühl, wenn Unbekannte in die Wohnung, in die eigene Intimsphäre eingedrungen sind – man weiß ja nicht, was sie alles angefasst haben.“ Deswegen haben sie ein paar Tage in einem Hotel genächtigt. Wieder in München hat seine Frau alle Kleider gewaschen.

Noch schlimmer hat es die ausgeraubten Nachbarn erwischt. „Sie haben die 110 gerufen – die Polizei sagte ihnen, sie sollten die Wohnung nicht betreten, bis eine Streife kommt.“ Das dauerte aber: Vier Stunden warteten sie laut Tscheu – ohne zu wissen, wie es in den eigenen vier Wänden aussieht, was fehlt und was zerstört wurde. hki

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