Der Doktormacher aus Haidhausen

Christian Bücherl.

30-Jähriger bietet auf Website akademische und aristokratische Titel zum Kauf an – eine Gaudi

Haidhausen Nun ist es offiziell: Guttenberg hat absichtlich abgeschrieben und sich seinen Doktortitel erschlichen. „Ich finde es gut, dass die Universität im Fall Guttenberg so klare Worte gefunden hat – der Plagiatsversuch war für jeden ehrlichen Studenten ein Schlag ins Gesicht“, sagt Christian Bücherl. Der 30-Jährige weiß, wovon er spricht: Bereits 3500 Menschen wollten von ihm einen Titel kaufen. Im Sommer 2009 hat der Geschäftsführer der „BoostInternet“-Firma in Haidhausen gemeinsam mit zwei Kollegen die Website www.titel-kaufen.de gegründet. Aus Spaß konzipierten sie einen Internetauftritt, der einen Studenten in Talar zeigt, der mit Dollarscheinen wedelt und den Daumen hoch hält. „Wir dachten, die meisten würden sofort erkennen, dass das als Satire gemeint war – aber wir hatten in kürzester Zeit ernst gemeinte Anfragen.“ Mit dem Guttenberg-Skandal hat das ganze eine eigene Dynamik entwickelt. „Damit hat das Interesse noch zugenommen, die Leute haben gemerkt, man kann sich Titel erschleichen.“ Dabei geben Menschen in dem Anfrageformular Namen, Geburtsdatum, beruflichen Werdegang und ihre Motivation an (siehe Kasten), doch Bücherl hat noch auf keine Anfrage geantwortet. „Teilweise verstecken sich Schicksale dahinter, teilweise ist es Faulheit oder kriminelle Energie“, so der gebürtige Münchner, der an der LMU BWL studiert hat. Bei den 150 000 Besuchern auf der Seite war der Doktortitel mit 45 000 Aufrufen am beliebtesten. Doch auch gefälschte Abiturzeugnisse waren ein Renner. „Die Anfragen kommen aus allen Gesellschafts- und Altersschichten, doch es sind wesentlich mehr Männer, viele Juristen und überproportional viele Österreicher waren bereit, sich einen Titel zu kaufen.“ Bücherl vermutet, dass besonders in Österreich viel Wert auf Titel gelegt wird und der Juristenmarkt so überlaufen sei, dass man versuchen müsse, sich mit einem Titel zu positionieren. „Aber gerade einen Beruf, in dem ich lerne, was Recht und Unrecht ist, kann ich doch nicht auf einen illegalen Titel gründen“, findet der Münchner. Bei all den Anfragen, ist dem Unternehmer die Lust auf einen Doktortitel vergangen: „Eigentlich schade, weil ich mittlerweile so viel Material habe, dass ich eine Doktorarbeit darüber schreiben könnte – aber ich weiß, wieviel Arbeit das ist.“ Maren Kowitz Dreiste Anfragen - Ein Mediziner in gehobener Position braucht einen Doktortitel für seine weitere Karriere. Dafür wäre er bereit, 10 000 Euro zu zahlen. - Eine Titelhändlerin bot für einen englischen Klienten, der einen deutschen Adelstitel wollte, 190 000 Euro. - Ein österreichischer Bürgermeister betreibt seit sechs Jahren eine Firma. Er will einen MBA. Seine Preisvorstellung: Verhandlungssache. - Ein Privat-Dozent an einer Fachhochschule wollte sich einen Dr. Titel kaufen und bot 30 000 Euro. - Ein Medizintechniker mit Mittlerer Reife arbeitet seit 20 Jahren in der Branche, fühlt sich nicht anerkannt von Kunden, die alle einen Titel haben. Deswegen bestellt er Abitur, Doktorarbeit und Doktortitel. - Eine Frau hatte ihrem Mann 20 Jahre vorgelogen, einen Abschluss als Friseurin gemacht zu haben. Jetzt wollte er ihren Gesellenbrief sehen – für einen gefälschten bietet sie zwischen 50 und 100 Euro.

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