„Die Bereitschaft zum Helfen war so groß“

Peter Reithmayer (l.) und Claus Bierling fuhren in entlegene nepalesische Bergdörfer und behandelten die Zähne der Bewohner. Foto: privat

Alltäglich war die Reise von Claus Bierling und Peter Reithmayer, ihres Zeichens Zahnärzte in Bogenhausen, wahrhaftig nicht. Die beiden flogen als Zahnärzte ohne Grenzen nach Nepal, um dort Menschen in entlegenen Bergdörfern zu behandeln. Zurückgekehrt sind sie mit einem Sack voller neuer Erfahrungen und einer etwas relativierten Sichtweise darauf, was wichtig ist.

Ganz ohne spezifische Erwartungen flogen die zwei Zahnärzte nach Katmandu. Einfach auf sich zukommen lassen, lautete die Devise. Von dem, was sie vorfanden, waren Claus Bierling und Peter Reithmayer allerdings trotzdem völlig überwältigt. Die vielen Farben, die Religiösität, der Dreck in den Straßen, die ausnehmend große Gastfreundschaft und der nur zeitweise verfügbare Strom waren allerdings nur der Anfang. Nach zwei Tagen in der Hauptstadt, in denen sie ihr Team kennen lernten und halfen, die mitgebrachten Spenden zu katalogisieren ging es ab ins nepalesische Hochland. Auf dem Dach eines hoffnungslos überfüllten Busses fuhren sie hinauf in die Berge. Enge Kurven und tiefe Schluchten neben der Straße beruhigten nicht gerade die Nerven der beiden, doch schließlich kamen sie wohlbehalten auf 2600 Metern Höhe an. „Sterilisiert haben wir hier noch nie etwas“ Auch bei der Zahnbehandlung lernten die Bogenhauser eine neue Welt kennen. Die vorgesehenen mobilen Geräteeinheiten hingen im Zoll fest und waren deshalb schlicht nicht verfügbar. Abhilfe mussten eben Zangen schaffen. Die Lupenbrillen hatten die Zahnärzte zum Glück selbst mitgebracht. Mit den behelfsmäßigen Werkzeugen fanden sich die beiden ab, nicht aber mit der fehlenden Hygiene. „Am ersten Tag haben wir uns erst geweigert, mit der Arbeit anzufangen. Wir wollten zuerst eine Möglichkeit haben, die Geräte zu desinfizieren, um Infektionskrankheiten zu verhindern“, erzählt Peter Reithmayer. Sterile Geräte waren aber auch der anwesenden nepalesischen Zahnärztin völlig unbekannt. Die Lösung: Einfach einen Topf aufs Wasser stellen und schon können die Werkzeuge abgekocht werden. Und dann ging die Arbeit richtig los. Neun Stunden nonstop In Schulgebäuden saßen die Patienten dann auf ganz normalen Stühlen, während kleine chirurgische Eingriffe vorgenommen und Zähne gezogen wurden. In nur drei Tagen behandelten Claus Bierling und Peter Reithmayer 500 Patienten. Unglaubliche 1200 Zähne mussten gezogen werden. Sechs Tage lang waren sie unterwegs, drei davon waren Behandlungstage. An den anderen Tagen reisten sie von einem entlegenen Dorf ins nächste. Dabei kamen sie in Gegenden, die noch nie ein Arzt betreten hatte. Um dem großen Andrang nachzukommen, mussten die Zahnärzte teilweise neun Stunden ohne Pause arbeiten. Kein Gang zum Klo, keine Mittagspause. Denn die Leute mussten behandelt werden, jemanden wegzuschicken, kam nicht in Frage. Die wichtigste Arbeit war aber nicht das Ziehen von Zähnen. Denn diese Erfolge sind nur kurzfristig und beim nächsten Besuch müsste das Gleiche wieder gemacht werden. „Wir müssen ein Bewusstsein für Mundhygiene schaffen, um dauerhaft etwas zu bewirken. Viele Behandlungen wären damit gar nicht erst nötig“, erklärt Claus Bierling die Lage. Daher war es den Bogenhausern ein großes Anliegen, den Menschen in Nepal möglichst klar und verständlich zu zeigen, wie sie ihre Zähne richtig putzen und wie wichtig Mundhygiene ist. Eine fantastische, neue Welt Trotz der erschwerten Bedingungen und eigener Körperhygiene, die sich auf Katzenwäsche im Freien beschränkte, wollen die zwei das Erlebnis nicht missen. „Die positiven Eindrücke überwiegen eindeutig“, freut sich Claus Bierling. In Nepal erlebten die Bogenhauser eine einmalige Gastfreundschaft. Die Menschen in den Dörfern luden sie Abends zum Essen, Tanzen und Feiern ein. „In Nepal ist es auch unhöflich, sich für ein mitgebrachtes Geschenk zu bedanken, denn man freut sich über den Gast als Person und empfängt ihn nicht wegen dem Geschenk“, berichtet Peter Reithmayer. Auch die Gemüter der Nepalesen erlebten sie als etwas ganz Besonderes. Hinduisten und Buddhisten leben trotz tiefer Religiösität auf beiden Seiten friedlich nebeneinander und die Hilfbereitschaft ist sehr groß. Diese Eigenschaften waren vielleicht etwas, das die Menschen in Nepal ihren Helfern beibringen konnten. Eine Aufgabe für’s Leben Claus Bierling und Peter Reithmayer waren von dem Projekt so begeistert, dass sie sich entschlossen haben auch weiter aktiv mitzuhelfen. Als Ehrenmitglieder unterstützen sie Unmira, die Organisation mit der sie unterwegs waren, indem sie Einsatzpläne aufstellen und Zahnärzte für die Camps rekrutieren. Denn auf Grund des hohen Arbeitspensums sind nur erfahrene Zahnärzte für einen derartigen Einsatz geeignet. Sie selbst wollen natürlich auch nach Nepal zurückkehren um zu sehen, wie sich die Lage entwickelt hat und wie die Menschen ihre Vorschläge umsetzen. Wie jede Organisation brauchen auch fahrende Zahnärzte Geld. Wer mit einer Spende helfen will kann das über die Internetseite tun: www.dentists-without-limits.org Linda Jessen

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