Die Wagenburg muss weg

Denninger bangen um ihre Existenz: Stehen sie bald auf der Straße?

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(von links) Martin Zahn, Dakota Minter, Ulf Duchêne und Thomas Brekle fürchten um ihr Zuhause.

Bogenhausen - Die Bewohner der Wagenburg „Hin und Weg“ sind angespannt: Im August endet der Mietvertrag: Jetzt kämpfen sie darum, dass sie nach den Bodenuntersuchungen zurück dürfen

Ulf Duchêne ist angespannt. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Vielleicht stehen wir bald auf der Straße“, fürchtet er. Duchêne lebt an der Denninger Straße 190 im Bauwagen, seit es die Wagenburg „Hin und Weg“ dort gibt – also seit Herbst 2013.

Jetzt ist seine Zukunft ungewiss: Weil dort, wo die Wagenburg und der Naturkindergarten Bogenhausen beheimatet sind, eine öffentliche Grünanlage, der Pühnpark, entsteht (Hallo berichtete), müssen Duchêne und seine Mitbewohner das Feld räumen. Im August läuft der Mietvertrag für das 1000-Quadratmeter-Grundstück aus. Wie es weiter geht, wissen die Bewohner noch nicht.

In der Wagenburg an der Denninger Straße haben sich die Bewohner mittlerweile häuslich eingerichtet.

Eine Espressomaschine steht bei Ulf Duchêne neben dem Gasherd, ein Stück weiter ein Holzofen. Nebenan, im kleineren Wagen, fliegen Stifte, Lego-Steine und Spielzeug durcheinander. Dazwischen stapeln sich Bücher, jede Menge Bücher. Nach Bauwagen sieht es hier nicht aus. Familie Duchêne – Ulf, seine Ehefrau Anne und zwei Kinder – haben sich hier häuslich eingerichtet. Die Kinder besuchen die Schule im Viertel. „Wir sind keine Aussteiger“, betont Duchêne. „Hier leben ganz normale Leute.“ Eine Krankenschwester etwa, eine Schneiderin, ein Zimmerer und ein Filmemacher.

Doch ab August will die Stadtverwaltung den Boden auf Altlasten und Kampfmittel untersuchen – und die Wagenburg muss weg. Einen Ersatzstandort gibt es noch nicht. Nun kämpfen die Bewohner der Wagenburg – 13 Erwachsene und zwei Kinder – darum, dass sie nach der Kampfmitteluntersuchung zurück dürfen. Aber die Chancen stehen schlecht: Wie das Kommunalreferat auf Hallo-Anfrage mitteilt, sei eine solche Wohnform dort wie auf allen öffentlichen Grünflächen nicht mehr möglich, wenn es den Pühnpark gibt.

Stifte, Lego-Steine und Spielzeug. Dazwischen stapeln sich jede Menge Bücher. Nach Bauwagen sieht es hier nicht aus.

Aber der Bezirksausschuss Bogenhausen will sie unterstützen. „Wir wollen, dass die Wagenburg dort bleibt“, sagt etwa BA-Chefin Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Unlängst hat der BA dazu auch einstimmig einen Antrag verabschiedet und sich mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister gewandt.

Die Stadtverwaltung hat der Wagenburg indes mehrere andere Standorte angeboten, unter anderem: In Obermenzing, wo sich A 8 und A 99 kreuzen und früher ein Wertstoffhof war. Für die Bewohner kommt der aber nicht in Frage: „Da brauche ich einfach eine Stunde, bis ich meine Kinder in die Schule gebracht habe“, sagt Duchêne. „Außerdem sind wir dort von den öffentlichen Verkehrsmitteln abgeschnitten“, fügt Thomas Brekle hinzu. Also haben sich die Bewohner der Wagenburg selbst auf die Suche gemacht – und unter anderem einen Standort nahe der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne vorgeschlagen. „Bislang haben wir keine Antwort oder eine Begründung, warum das nicht geht“, ärgert sich Brekle. Er und seine Mitstreiter sind unruhig. „Wir gehören zur Stadt“, findet der 37-Jährige. „Die Situation stresst uns und wir wollen sie so schnell wie möglich klären.“ hki

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