Große Talente statt großes Geld

Damen-Basketball bei der TS Jahn

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Die TS Jahn ist das Münchner Aushängeschild im Damen-Basketball. Auf der Vereinsanlage in Bogenhausen spielt das Fräulein-Wunder unter den Körben seit vielen Jahren mit Konsistenz und Kontinuität. Auch heuer zählt die Mannschaft von Chefcoach Rüdiger Wichote zu den Spitzenteams in der Zweiten Liga Süd der Deutschen-Damen-Bundesliga (DBBL) und will durch eine weitere Teilnahme an den Aufstiegs-Playoffs wieder an der Eliteklasse Erste Bundesliga schnuppern.

Mit 5:3 Siegen rangieren die Jahn-Damen derzeit auf Platz drei der Südstaffel. Dies würde am Ende der Saison für die Playoffs der jeweils besten vier Nord- und Süd-Teams reichen. Am vergangenen Wochenende war Pokal-Achtelfinale angesagt. Dort hingen die Körbe in eigener Halle zu hoch. Beim 35:83 gegen Erstliga-Topteam Herner TC bekam das junge, vornehmlich aus Studentinnen und Abiturientinnen bestehende Ensemble deutliche Grenzen aufgezeigt. „In solchen Spielen bekommen meine Damen einen Eindruck, wie es in der Ersten Liga zugeht. Die Liga ist für uns wichtiger“, erklärt Wichote, der auch im Verband als Trainer-Ausbilder agiert und bereits Assistenztrainer der Deutschen Damen-Nationalmannschaft war.

Während die Mannschaft sich umzieht, hat der Coach Zeit, die Vereins-Philosophie zu erklären. „Seit Jahren machen wir hier aus der Not eine Tugend“, erklärt Wichote. Weil großes Geld an der Weltenburger Straße nicht angeschwemmt wird, vornehmlich ein Pool aus lokalen Sponsoren überschaubare Mittel bereitstellt und ansonsten vor allem emsige Eltern und Betreuer im Verbund mit einem engmaschigen Geflecht hoch motivierter Trainer wirken, setzt man bei der TS Jahn seit jeher auf eine intensive Nachwuchsarbeit. Die Liste der Erfolge gerade im weiblichen Nachwuchs ist besonders lang. Deutsche Meisterschaften und süddeutsche Titel hat der Verein in seiner stolzen Historie aneinandergereiht.

Wichote bereut den Weg der kleinen Finanzmittel und intensiven Nachwuchsarbeit keinesfalls. „Es ist doch Wahnsinn, dass in der Ersten Liga manche Teams rein Retorte sind und keinerlei Nachwuchsarbeit pflegen.“ Da stimme es mit den Regularien im Verband nicht, kritisiert er. „Abzulesen am derzeit desaströsen Leistungsbild der Damen-Nationalmannschaft. Ziel für die Talente beim Jahn ist es, perspektivisch über die Nachwuchs-Teams in die Zweite Damen-Mannschaft in der Regionalliga möglichst an die DBBL herangeführt zu werden.

„Dazu laufen uns immer wieder erfahrene Kräfte aus dem bayerischen Raum zu“, erklärt Wichote die zweite Säule. Das beste Beispiel ist Anne Breitreiner. Die sechsfache Deutsche Basketball-Meisterin mit dem TSV Wasserburg und französische Titelträgerin (Tarbes) ist 165-fache Nationalspielerin – Lichtgestalt und Leitfigur für die jungen Girls beim Jahn in Personalunion. „Sie steht für unseren Ansatz, immer wieder erfahrene Akteurinnen einzubauen“, so Wichote.

Vor allem aber soll der eigene Nachwuchs heranwachsen. Für diesen Weg steht Top-Talent Emily Bessoir. Die 18-Jährige wird von US-Colleges umworben. Die in Daglfing lebende Power-Shooterin will erst ihr Abitur am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium absolvieren und Grundlagen schaffen. Dreimal pro Woche wird im Team trainiert, dazu absolvieren die Damen je nach persönlichem Zeitfenster individuell weitere Einheiten. Der Trainer muss zusehen, dass neben der Videoanalyse der Gegner noch Zeit bleibt, sein taktisches Konzept vom schnellen Basketball zu vermitteln. Er sei einfach ein „offensiv ausgerichteter Trainer“. Auch wenn in der Branche oft die Betonung der Defensive dominiere. Ins Schwärmen kommt Wichote nicht bei der US-Profiliga NBA, sondern bei der aus seiner Sicht attraktiveren „Euro League“ . Mit schnellen Balleroberungen und Fast-Breaks. Am Sonntag gilt es, das Erarbeitete im Heimspiel gegen Schwabach (20 Uhr, Weltenburger Straße 56) zu zeigen. 

Harald Hettich

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