Bürgersaal Bogenhausen nimmt Form an

Ein eigenes Kulturzentrum wie die Truderinger werden die Bogenhauser nicht bekommen. Foto: Eidmann

Seit langem kämpfen die Bogenhauser um bürgerschaftlich nutzbare Räume. Mit dem Bau des Prinz Eugen Parks ist die Realisierung des „13er Kulturzentrums“ nun näher gerückt, auch wenn sich Sozialreferat und der neu zu gründende Trägerverein die Dependance teilen müssen. Der Stadtrat segnete kürzlich das Nutzerbedarfsprogramm ab, genaue Kosten können erst im Rahmen der Bauplanung genannt werden.

Was kulturelles Engagement betrifft, sind die Bogenhauser sehr aktiv. Kultur aus der Bevölkerung heraus wird praktiziert, was beileibe nicht in allen Münchner Vierteln geschieht. Der Verein NordOstKultur beispielsweise greift Themen aus dem Stadtteil auf, bietet Führungen, Radltouren, Vorträge an und hat nicht zuletzt erreicht, dass Relikte der ehemaligen Ziegelei Deck in die Neubebauung des Geländes integriert werden. Der Bogenhauser Bezirksausschuss legt turnusmäßig ein Kulturfaltblatt auf, das Gremium organsiert in Eigenregie die Bogenhauer Kulturtage 2012. Kein Saal Doch nirgendwo im 13. Stadtbezirk findet sich bisher ein Ort, an dem all diese Aktivitäten gebündelt werden können und auch Veranstaltungen im größeren Rahmen möglich sind. Gegenüber den städtischen Stellen haben die Bogenhauser nicht die besten Karten, denn dort rechnet man alle kulturell-bürgeschaftlich nutzbaren Orte im Viertel auf: den Bürgerpark Oberföhring mit 6500 Quadratmetern Nutzfläche, die Außenstelle der Volkshochschule, das Kunstforum Arabellapark, die Stadtteilbibliothek und das Ökologische Bildungszentrum. Doch ein Saal, in dem Veranstaltungen für 300 Leute stattfinden können, fehlt. Für die Kulturtage im Juli haben sich die Organisatoren durch eine Kooperation mit dem Zirkus Baldoni beholfen, in dessen Zelt die 300 erwarteten Besucher beim Kabarett mit Josef Brustmann hineinpassen. Eine Notlösung, auf die man nicht immer zurückgreifen kann. Bürgerhaus Der Bogenhauser Bezirksausschuss bemüht sich deshalb seit langem um ein Bürgerhaus für den 13. Stadtbezirk oder wenigstens um einen Bürgersaal, der den Mangel behebt. Stets wurde die Forderung in der Vergangenheit aus Kostengründen oder mit anderen Argumenten abgelehnt. Erst durch die Überplanung des Prinz-Eugen-Kasernenareals bot sich eine realistische Chance, die bürgerschaftlich nutzbaren Räume für Bogenhausen doch noch durchzusetzen. Die starke Verdichtung im Stadtteil – immerhin werden in den nächsten Jahren 5500 neue Bewohner erwartet – erkennt auch das städtische Kulturreferat als wichtiges Argument für mehr Kulturflächen im Viertel. Kultur und Soziales Das Sozialreferat plant im Prinz Eugen Park auf 1000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ein Alten- und Servicezentrum (ASZ), einen Nachbarschaftstreff und Räume für offene Kinder- und Jugendarbeit. „Es liegt nahe, dieses Raumangebot mit Flächen für die Stadtteilkultur zu ergänzen, die dann je nach Bedarf flexibel mit Räumlichkeiten des Sozialreferats zu einer größeren Einheit verbunden werden können. Somit kann ein intergeneratives Angebot für alle Bürger des Stadtteils an einem zentralen Punkt geschaffen werden“, schlägt das Kulturreferat vor. Ein breit gefächertes Raumangebot für die unterschiedlichen Aktivitäten der einzelnen Einrichtungen entstehe und biete eine hohe Flexibilität in der Nutzung. „Das Haus kann ganztägig gemeinsam und intensiv bespielt werden, so dass sich eine hohe Auslastung ergibt“, so Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Wirtschaftlich sinnvoll sei auch die gemeinsame Nutzung von Erschließungszonen, Foyer und Nebenräumen. Kein Kulturhaus Die Forderung der Bogenhauser nach einem eigenen Kulturhaus à la Trudering oder Milbertshofen könne aus finanziellen Gründen „nicht zur Gänze erfüllt werden“. Mit der angedachten Kooperation könne der Stadtteil, zusammen mit den bestehenden Angeboten, dennoch mit einem ausreichenden Angebote an Räumlichkeiten für kulturelle und bürgerschaftliche Aktivitäten versorgt werden, betont Küppers. BA will Aula nutzen In der Nachbarschaft des künftigen ASZ ist eine Schule geplant. Der Bogenhauser Bezirksausschuss legt Wert darauf, dass auch eine Aula entsteht, die als Versammlungsstätte nutzbar ist und Platz für 300 Personen bietet. Die Aula soll nach dem Willen des BA einen eigenen Eingang erhalten, damit sie unabhängig vom Schulbetrieb nutzbar ist. Es sollen verbindliche Nutzungsrechte mit dem Referat für Bildung und Sport vereinbart werden. Perspektive begrüßt „Das Kulturreferat begrüßt diese Perspektive sehr und wird im weiteren Planungsverlauf für die Schule mitwirken, um eine bedarfsgerechte Ergänzung des Angebots für stadtteilkulturelle Nutzung schaffen zu können“, so Küppers. Nach intensiven Gesprächen habe sich der Bezirksausschuss der Ansicht angeschlossen, dass die synergetische Lösung in Kooperation mit Sozial- und Schulreferat weiter verfolgt werden solle. Das vorläufige Nutzerbedarfsprogramm des BA werde in die weitere Planung einfließen. Rund 290 Quadratmeter Fläche im ASZ-Komplex hat das Gremium angemeldet, darunter einen teilbaren Saal für 200 Gäste. Lediglich mit der gewünschten Gastronomie im Haus wird es wohl nichts, denn die würde in Konkurrenz zur Caféteria des ASZ stehen. Zudem wäre laut Kulturreferat angesichts der kleinen Veranstaltungsfläche eine Gaststätte nicht wirtschaftlich zu führen. Möglicherweise, so Kulturreferent Küppers, ergebe sich ja eine Kooperationsmöglichkeit mit Gastronomiebetrieben, die sich im Prinz Eugen Park ansiedelten. Aussagen, wie viel die 290 Quadratmeter Fläche für bürgerschaflich-kulturelle Nutzung kosten werden, kann das Kulturreferat derzeit nicht machen. Erst wenn es konkrete Planungen gibt, ist die möglich. Zuvor allerdings muss der Bebauungsplan für den Prinz Eugen Park verabschiedet werden, was im Herbst 2012 geschehen soll. Nach Erfahrungswerten aus vergleichbaren Projekten rechnet Küppers mit einem groben Kostenrahmen von rund 1,7 Millionen Euro, wobei Stellplätze, Erschließungsflächen, Honorare und Erstausstattung bereits berücksichtigt sind. Die seit vielen Jahren im Mehrjahresinvestitionsprogramm fortgeschriebene Maßnahme, „Veranstaltungssaal im Bürgerpark Oberföhring“ in Höhe von 511.000 Euro, will Küppers für das neue Projekt aufgeben. Gabriele Mühlthaler

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