Bürger wollen keine „Stalinallee“

Nach 49 Jahren will die LBK gegen die Freischankflächen an der Richard-Strauss-Straße wie vor dem Hüttenwirt vorgehen – sehr zum Unwillen der Bürger. Foto: G.M.

Die Freischankflächen an der Richard-Strauss-Straße müssen weichen, wenn die Wirte der Absiedlungsverfügung der Lokalbaukommission (LBK) folgen. Seit vielen Jahren stehen die Tische und Stühle auf den Terrassen von fünf Betrieben, jetzt hat die LBK bemerkt, dass sie baurechtlich nicht zulässig sind. Die Bürger wehren sich mit einer Unterschriftensammlung gegen die Schließung der Wirtsgärten, die LBK zeigt sich inzwischen an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.

„Wir wollen keine Stalinallee durch Bogenhauen!“ Mit diesem Statement hatte Ulrich Klauser auf der Bogenhauser Bürgerversammlung seine Empörung gegen die Schließung der Wirtsgärten an der Richard-Strauss-Straße bekundet. Auch Konrad Huber verstand die Welt nicht mehr: „Neun Jahre lang hatten wir Dreck und Lärm vom Tunnelbau. Jetzt, wo alles ruhig und grün ist, sollen die Wirtsgärten weg. Das ist der Lebensraum, wo wir Anwohner uns treffen!“ Anlass für die Aufregung war ein Schreiben der LBK vom August, in dem die Behörde die Beseitigung der Freischankflächen verfügte. „Die Wirtsgärten überschreiten die festgesetzten Baugrenzen und widersprechen daher Paragraph 30, Absatz 3 Baugesetzbuch“, heißt es in dem Brief und weiter, dass eine Befreiung wegen Überschreitung der Baugrenzen aus städtebaulichen Gründen nicht erteilt werden könne. Die Vorgartenbereiche seien von Bebauung und gewerblicher Nutzung freizuhalten und zu begrünen. Das wollen die Anwohner nicht akzeptieren und haben sich Konrad Hubers Initiative „Aktion-draußen-sitzen“ angeschlossen. 500 Unterschriften gegen die Wirtsgartenvernichtung kamen in wenigen Tagen zusammen. Informationen zu Konrad Hubers Aktion kann man unter aktion-draussen-sitzen@email.de anfordern. Auch über zündende Ideen und Tipps zum Erhalt der Wirtsgärten freut sich Huber. Seit 49 Jahren Wirtsgarten Vor Naumanns Hüttenwirt Ecke Richard-Strauss-/Liszt-straße stehen einige Tische und Stühle auf der Terrasse. Eingefasst ist das Ganze von einer sauber beschnittenen Buchshecke. „Vor eineinhalb Jahren fragte die Stadt, wie wir das angelegt haben wollen. Die Buchshecke gefiel uns, die Stadt hat sie gepflanzt“, sagt Wirt Christian Naumann. „Seit 49 Jahren gibt es für diese Gaststätte eine Betriebskonzession samt Freischankflächen von 6 bis 23 Uhr!“ Auch die anderen vier Gastronomiebetriebe haben eine Konzession für ihr Geschäft, baurechtlich allerdings sind die Tische und Bänke im Freien nicht genehmigt. 49 Jahre lang hat die LBK das nicht bemerkt, dann aber einen „Hinweis erhalten“ und unverzüglich gehandelt. Schwer trifft die Beseitigungsverfügung auch Sandra Rottegger. Vor einigen Monaten hat sie ihr „Café am Böhmerwaldplatz“ eröffnet und zuvor viel Geld für den Umbau der ehemaligen Videothek investiert. Stadt lenkt ein Auf der Bürgerversammlung hatte LBK-Vertreterin Mechthild Kessler auf Anfrage der HALLO-Redaktion erklärt, man habe die betroffenen Wirte angeschrieben, damit sie sich bei der LBK zwecks gemeinsamer Lösungssuche meldeten. Das allerdings kommt im Schreiben der Behörde nicht zum Ausdruck. Hier werden die Geschäftsleute hingegen aufgefordert, ihre Freischankflächen zu beseitigen, da sonst ein gebührenpflichtiges Einschreiten der LBK droht. Planungsreferats-Sprecher Thorsten Vogel erklärte inzwischen, die Stadt sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. „Das Recht spricht gegen den aktuellen Zustand, die Freischankflächen liegen außerhalb des Bauraums und brauchen eine Befreiung.“ Man denke darüber nach, einen runden Tisch mit allen Beteiligten zu initiieren. Die Bürger jedenfalls sammeln weiter Unterschriften, der Bogenhauser Bezirksausschuss wird sich auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag, 9. November, mit der Angelegenheit befassen. Gabriele Mühlthaler

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